Neue Standards für eine sensible Technologie
Gesichtserkennungstechnologie (FRT) ist längst mehr als ein technisches Schlagwort – sie ist auf dem besten Weg, ein fester Bestandteil moderner Sicherheitsarchitekturen zu werden. In Krankenhäusern, auf Flughäfen, im Einzelhandel oder im Bildungswesen setzen immer mehr Betreiber auf biometrische Systeme zur Zugangskontrolle und Überwachung. Doch mit der Verbreitung der Technologie wächst auch die Verantwortung: rechtlich, ethisch und betrieblich. Ein neuer britischer Standard soll nun Klarheit schaffen: BS 9347:2024, „Gesichtserkennungstechnologie: Ethische Nutzung und Einsatz in videoüberwachungsbasierten Systemen – Verhaltenskodex“, definiert erstmals einen strukturierten Rahmen für die verantwortungsvolle Integration von Gesichtserkennung in Überwachungssysteme.
Vom Techniker zum Vertrauenspartner
Für Installateure und Integratoren markiert der neue Standard einen Wendepunkt. Er verlangt nicht nur technisches Know-how, sondern auch ethisches Verantwortungsbewusstsein. Mike Isherwood, Geschäftsführer von System Q* und langjähriger Branchenexperte, bringt es in einem Gespräch mit der britischen Fachzeitschrift Benchmark auf den Punkt: „Ich glaube, dass dieser Standard mehr ist als eine Richtlinie – er ist eine Einladung an die Branche, zu zeigen, dass wir nicht nur Technik verbauen, sondern Verantwortung übernehmen.“
Mehr als ein Regelwerk – ein ethischer Kompass
Der Standard BS 9347:2024 beruht auf sechs Leitprinzipien:
- Governance und Rechenschaft: Klare Zuständigkeiten und Überwachung
- Menschliche Aufsicht: Entscheidungsprozesse mit menschlicher Beteiligung
- Datenschutz und Datenverwaltung: Schutz sensibler Informationen
- Technische Robustheit: Zuverlässigkeit und Sicherheit gewährleisten
- Transparenz und Erklärbarkeit: Nachvollziehbare Systeme und Kommunikation
- Fairness und Antidiskriminierung: Verzerrungen erkennen und verhindern
Diese Prinzipien sind keine Checkliste, die man einfach abhaken kann – sie bilden das Fundament für Vertrauen, rechtliche Absicherung und langfristigen Erfolg.
Notwendigkeit prüfen – vor der Installation
Vor jeder Implementierung empfiehlt BS 9347:2024 eine gründliche Bedarfsanalyse. Installateure und Sicherheitsexperten sollten gemeinsam mit ihren Kunden klären, ob der Einsatz von Gesichtserkennung wirklich erforderlich ist oder ob andere Lösungen den Zweck ebenso gut erfüllen. Als Orientierung dient der Entscheidungsbaum in Abbildung 3 des Standards – ein hilfreiches Instrument zur Strukturierung solcher Gespräche.
Datenschutz nicht optional
Ein weiterer, oft unterschätzter Punkt: die gesetzlich vorgeschriebene Datenschutz-Folgenabschätzung (DPIA). Mike Isherwood warnt: „Wer ohne DPIA in ein FRT-Projekt startet, handelt nicht nur fahrlässig – er bringt sein Unternehmen in rechtliche Schwierigkeiten.“
Technik mit Verantwortung
Der ethische Einsatz beginnt mit der Wahl der richtigen Technologie. Lösungen von System Q etwa setzen auf Fairness und Transparenz. Die eingesetzten Algorithmen sind auf Basis vielfältiger Datensätze trainiert, um Verzerrungen zu minimieren. Außerdem verfügen sie über Human-in-the-Loop-Funktionen (HITL), wie sie BS 9347:2024 ausdrücklich empfiehlt. Getestet unter verschiedenen Lichtverhältnissen und unterstützt durch ein britisches Compliance-Team, erfüllen diese Systeme hohe Qualitätsstandards.
Datenschutz „by Design“
Installateure spielen eine Schlüsselrolle bei der datenschutzgerechten Konfiguration. Dazu gehört etwa:
- das Festlegen von Ähnlichkeitsschwellen
- das Protokollieren von Bedienervorgängen
- das Automatisieren von Datenlöschroutinen
- das Implementieren klarer, gesetzeskonformer Beschilderung
Nur durch dieses Zusammenspiel entsteht ein System, das nicht nur funktioniert, sondern auch den gesellschaftlichen Erwartungen entspricht.
Governance – mehr als gute Absicht
Auch organisatorische Aspekte gehören zur ethischen Nutzung von FRT. Kunden benötigen Unterstützung bei der Einführung robuster Governance-Strukturen – von der Benennung einer verantwortlichen Person (SAP) über die Dokumentation menschlicher Systemeingriffe bis hin zu regelmäßigen Systemreviews. Installateure sind hier wichtige Berater.
Schulung schafft Sicherheit
Mindestens genauso wichtig wie Technik und Prozesse ist das Wissen darüber. Umfangreiche Schulungen sollten daher zum Standard gehören – mit Inhalten zu:
- rechtlichen Anforderungen (z. B. DSGVO)
- Erkennung und Reduktion von Systemverzerrungen
- korrektem Einsatz von FRT
Dokumentation und Audit-Standards
„Gut geschulte Kunden sind nicht nur rechtlich sicherer unterwegs – sie schätzen auch die beratende Rolle des Installateurs mehr“, erklärt Mike.
Juristisches Know-how als Wettbewerbsvorteil
BS 9347:2024 ist eingebettet in ein komplexes rechtliches Umfeld. Der Datenschutz (UK GDPR), der Human Rights Act 1998, der Equality Act 2010 und der Surveillance Camera Code of Practice bilden gemeinsam das rechtliche Fundament für die Nutzung von Gesichtserkennung. Wer sich in diesen Vorgaben sicher bewegt, beweist Fachkompetenz – und schafft Vertrauen. Mike Isherwood betont: „Die Fähigkeit, rechtliche Überschneidungen richtig einzuordnen, hebt Sie von der Konkurrenz ab und macht Sie zu einem gefragten Experten.“
Unterstützung durch System Q
System Q bietet umfassende Unterstützung für Installateure, die sich an BS 9347:2024 orientieren möchten. Dazu gehören:
- vorkonfigurierte Templates zur Standardkonformität
- technischer Support abgestimmt auf UK-Regularien
- regelmäßige Software-Updates zur Verzerrungsreduzierung
- Vorlagen zur einfachen Integration in Kundenprozesse
Fazit: Vertrauen als Erfolgsfaktor
In einer Welt, in der Vertrauen nicht gegeben, sondern verdient werden muss, ist ethischer Umgang mit Technologie keine Option – sondern Pflicht. Installateure, die sich dieser Verantwortung stellen, haben die Chance, sich als verlässliche, zukunftsorientierte Partner zu positionieren. Nie war der Moment günstiger, um sich durch Integrität und Fachwissen vom Wettbewerb abzuheben.
*systemq.com/frt-compliance-guide
Zusammenfassung
Die Gesichtserkennungstechnologie (FRT) ist auf dem Vormarsch – doch ihr Einsatz erfordert klare ethische und rechtliche Leitlinien. Der neue britische Standard BS 9347:2024 schafft mit sechs Prinzipien – darunter Datenschutz, Transparenz und Fairness – erstmals einen verbindlichen Rahmen für den verantwortungsvollen Einsatz in Überwachungssystemen. Für Installateure bedeutet das: Sie müssen nicht nur technisch versiert sein, sondern auch beratend und ethisch handeln. Dazu gehören Bedarfsanalysen, Datenschutz-Folgenabschätzungen, Governance-Prozesse und Kundenschulungen. Ziel ist es, Vertrauen zu schaffen und FRT-Systeme rechtssicher, transparent und diskriminierungsfrei zu gestalten.