Eine Rechnung ist freigegeben, die Überweisung ausgelöst – doch beim ausländischen Geschäftspartner kommt das Geld nicht an. Was zunächst wie eine technische Unregelmäßigkeit erscheint, kann Lieferungen verzögern, Geschäftsbeziehungen belasten und zusätzliche Kosten verursachen. Eine internationale Studie von LexisNexis Risk Solutions zeigt, wie häufig grenzüberschreitende Zahlungen an fehlerhaften Daten und unzureichend automatisierten Abläufen scheitern. Für Unternehmen, die regelmäßig Lieferanten, Dienstleister oder Tochtergesellschaften im Ausland bezahlen, ergeben sich daraus konkrete Anforderungen an Zahlungsprozesse, Stammdaten und interne Kontrollen. Eine bevorstehende Änderung des internationalen Nachrichtenstandards ISO 20022 erhöht den Handlungsdruck zusätzlich.
Im internationalen Geschäftsverkehr entscheidet nicht allein die rechtzeitige Freigabe einer Zahlung darüber, ob eine finanzielle Verpflichtung erfüllt wird. Ebenso wichtig ist, dass der Betrag den vorgesehenen Empfänger tatsächlich erreicht. Gerade bei grenzüberschreitenden Überweisungen können fehlerhafte Kontodaten, unvollständige Empfängerangaben oder unterschiedliche technische Anforderungen beteiligter Banken dazu führen, dass Zahlungen zurückgewiesen, verzögert oder manuell nachbearbeitet werden müssen.
Für Unternehmen entsteht daraus ein Risiko, das häufig unterschätzt wird. Eine verspätete Zahlung kann vereinbarte Zahlungsziele überschreiten, Mahnverfahren auslösen oder die Freigabe bereits bestellter Waren verzögern. Bei zeitkritischen Lieferketten können selbst wenige Tage Verzögerung wirtschaftlich schwerer wiegen als die unmittelbar anfallenden Bankgebühren. Hinzu kommt der interne Aufwand: Finanzabteilungen müssen Zahlungsbelege prüfen, Rückfragen beantworten, korrigierte Überweisungen veranlassen und den tatsächlichen Zahlungseingang mit Geschäftspartnern abstimmen.
Wie erheblich die Probleme aufseiten der Finanzinstitute sind, zeigt die neue Studie „True Impact of Failed Payments 2026“ von LexisNexis Risk Solutions. Dafür befragte das Marktforschungsunternehmen Datos Insights 150 Führungskräfte aus dem Zahlungsverkehr von Finanzinstituten in Nordamerika, Europa, dem Nahen Osten und der Region Asien-Pazifik. Die Ergebnisse beschreiben somit zunächst die Erfahrungen der Banken, nicht unmittelbar die Schadenshöhe bei ihren Unternehmenskunden. Dennoch lassen sich daraus wichtige Erkenntnisse für die betriebliche Zahlungsorganisation ableiten.
Die Fehler entstehen häufig bereits bei der Zahlungsauslösung
Nach den Studienergebnissen scheitert etwa jede zehnte grenzüberschreitende Zahlung beim ersten Versuch. Zu den häufigsten Ursachen gehören fehlerhafte Angaben zum Zahlungsempfänger, auf die 21 Prozent der untersuchten Problemfälle entfallen. Fehler bei Kontonummern und Bankverbindungen machen jeweils rund 15 Prozent aus. Ein erheblicher Teil der Schwierigkeiten beginnt damit nicht erst bei der technischen Verarbeitung durch die Bank, sondern bereits bei der Erfassung und Übermittlung der Zahlungsinformationen.
Für Unternehmen rückt damit die Qualität ihrer Lieferanten- und Empfängerstammdaten in den Mittelpunkt. Wer internationale Zahlungen aus einem ERP-System, einer Treasury-Anwendung oder über eine Bankenschnittstelle auslöst, ist auf vollständige und aktuelle Angaben angewiesen. Neben Kontonummer beziehungsweise IBAN und gegebenenfalls BIC können je nach Zielland weitere Informationen erforderlich sein, etwa lokale Bankkennungen, Empfängeradressen oder spezifische Angaben zum Zahlungszweck.
Besonders fehleranfällig sind Prozesse, in denen Zahlungsinformationen mehrfach manuell übertragen werden. Werden Bankverbindungen aus Rechnungen übernommen, in Tabellen zwischengespeichert und anschließend in ein Zahlungssystem eingetragen, entstehen zusätzliche Fehlerquellen. Auch veraltete Stammdaten oder uneinheitliche Schreibweisen können dazu führen, dass eine Transaktion nicht automatisch verarbeitet werden kann.
Die Studie verweist deshalb auf die Bedeutung des sogenannten Straight-Through-Processing, kurz STP. Darunter versteht man die durchgängige automatische Verarbeitung einer Zahlung ohne manuelle Eingriffe. Nur zwei Prozent der befragten Finanzinstitute erreichen bei grenzüberschreitenden Zahlungen nach eigenen Angaben eine STP-Quote von nahezu 100 Prozent; lediglich neun Prozent liegen über 95 Prozent.
Für Unternehmen ist diese Kennzahl vor allem deshalb relevant, weil jede notwendige Nachbearbeitung Zeit kostet und zusätzliche Abstimmungen auslösen kann. Eine hohe Automatisierungsquote ist jedoch nicht mit einer Garantie für pünktliche Zahlungseingänge gleichzusetzen. Auch vollständig automatisiert verarbeitete Zahlungen können durch regulatorische Prüfungen, unterschiedliche Abwicklungszeiten oder andere externe Faktoren verzögert werden.
Die eigentlichen Kosten reichen über Bankgebühren hinaus
Die wirtschaftlichen Folgen fehlerhafter Zahlungen sind bereits für Finanzinstitute erheblich. Laut LexisNexis entstehen bei 37 Prozent der befragten Institute Kosten von mehr als 20 US-Dollar je fehlgeschlagener oder verzögerter Transaktion. Über die erhobenen Gebühren lassen sich diese Aufwendungen häufig nicht vollständig ausgleichen. Üblicherweise liegen die Gebühren für eine gescheiterte Zahlung nach Studienangaben zwischen 11 und 15 US-Dollar.
Eine Modellrechnung verdeutlicht die Größenordnung: Verarbeitet ein Finanzinstitut täglich 10.000 grenzüberschreitende Zahlungen mit einer STP-Quote von 95 Prozent, müssen rechnerisch 500 Transaktionen nachbearbeitet werden. Bei angenommenen durchschnittlichen Kosten von 12,10 US-Dollar je Ausnahmefall ergibt das rund 6.050 US-Dollar täglich. Die in der Studie genannten etwa 2,2 Millionen US-Dollar pro Jahr setzen eine entsprechende tägliche Belastung über 365 Tage voraus. Bei einer Berechnung auf Basis von 250 Arbeitstagen wären es dagegen rund 1,5 Millionen US-Dollar. Es handelt sich um eine Modellrechnung für Finanzinstitute, nicht um einen unmittelbar auf Unternehmen übertragbaren Schadenswert.
Aus Unternehmenssicht liegt die größere Gefahr häufig in den indirekten Folgen. Eine zurückgewiesene Überweisung kann dazu führen, dass ein Lieferant Ware erst nach bestätigtem Zahlungseingang versendet. Ein internationaler Dienstleister könnte seine Leistungen aussetzen, wenn vereinbarte Zahlungsfristen wiederholt überschritten werden. Auch die Liquiditätsplanung wird erschwert, wenn Zahlungen zunächst abgebucht, später zurückgegeben und anschließend erneut angewiesen werden müssen.
Besonders kritisch wird dies bei Unternehmen mit eng getakteten Beschaffungsprozessen, internationalen Produktionsstandorten oder regelmäßigen Zahlungen in unterschiedlichen Währungen. Hier ist die Zuverlässigkeit des Zahlungsverkehrs keine reine Verwaltungsfrage, sondern Teil der operativen Handlungsfähigkeit.
ISO 20022: Neue Anforderungen ab November 2026
Zusätzliche Bedeutung erhält die Datenqualität durch die Weiterentwicklung des internationalen Zahlungsnachrichtenstandards ISO 20022. Nach dem Ende der Übergangsphase zwischen bisherigen MT-Nachrichten und ISO-20022-Zahlungsanweisungen im Swift-Netzwerk im November 2025 folgt nun ein weiterer wichtiger Schritt.
Ab dem 14. November 2026 werden im grenzüberschreitenden Swift-Nachrichtenverkehr nach den CBPR+-Regeln grundsätzlich keine vollständig unstrukturierten postalischen Adressen mehr akzeptiert. Stattdessen müssen die entsprechenden Angaben in einem strukturierten oder hybriden Format übermittelt werden. Mindestens der Ortsname und das Land sind dabei in den dafür vorgesehenen Datenfeldern anzugeben, soweit die jeweiligen Adressanforderungen greifen. Für bestimmte Nachrichtentypen und die Identifikation von Banken über ihren BIC gelten besondere Regeln.
Für Unternehmen bedeutet dies nicht, dass sie zwingend selbst ISO-20022-Nachrichten an Swift senden müssen. Die Anforderungen können jedoch unmittelbar ihre Zahlungsauslösung betreffen, weil Banken die notwendigen Informationen von ihren Firmenkunden benötigen. Das gilt unabhängig davon, ob Zahlungen über standardisierte Dateien, Treasury-Systeme oder bankeigene Übertragungskanäle eingereicht werden.
Swift weist ausdrücklich darauf hin, dass Unternehmen die Adressinformationen ihrer Zahlungsempfänger in ERP- oder Treasury-Anwendungen vorhalten und bei der Zahlungsauslösung bereitstellen sollten. Werden erforderliche Angaben nicht korrekt übermittelt, können daraus Rückweisungen oder Verzögerungen entstehen. Für international tätige Unternehmen ist die verbleibende Zeit bis Mitte November deshalb ein konkreter Anlass, bestehende Zahlungsdaten und Schnittstellen zu überprüfen.
Die Umstellung verdeutlicht zugleich eine grundsätzliche Entwicklung: Internationale Zahlungen werden stärker von strukturierten, maschinenlesbaren Daten abhängig. ISO 20022 schafft die technischen Voraussetzungen für eine bessere Automatisierung, beseitigt aber nicht automatisch die Fehler, die bereits bei der Datenerfassung entstehen.
Zahlungsdaten prüfen, bevor Geld das Unternehmen verlässt
Für Unternehmen mit regelmäßigem Auslandszahlungsverkehr liegt der wirksamste Ansatz deshalb möglichst früh im Prozess. Empfänger- und Bankdaten sollten bereits bei der Anlage eines Geschäftspartners auf Vollständigkeit und Plausibilität geprüft werden. Änderungen an bestehenden Bankverbindungen verdienen besondere Aufmerksamkeit, weil sie nicht nur unbeabsichtigte Fehlzahlungen, sondern auch betrügerische Zahlungsumleitungen ermöglichen können.
Gerade bei vermeintlich kurzfristigen Kontoänderungen ist eine unabhängige Rückbestätigung über einen bereits bekannten Kommunikationsweg sinnvoll. Eine E-Mail mit neuen Bankdaten sollte nicht allein deshalb als vertrauenswürdig gelten, weil sie scheinbar von einem langjährigen Lieferanten stammt. Solche Kontrollen dienen der Betrugsprävention und ergänzen die technische Validierung von Kontonummern und Bankkennungen.
Ebenso wichtig ist die Zusammenarbeit zwischen Finanzbuchhaltung, Treasury, Einkauf, IT und Compliance. Die Finanzabteilung benötigt verlässliche Stammdaten, der Einkauf muss Änderungen bei Geschäftspartnern nachvollziehbar dokumentieren, und die IT muss sicherstellen, dass die erforderlichen Datenfelder in den eingesetzten Systemen vorhanden sind und bei der Übertragung nicht verloren gehen.
Regulatorische Prüfungen bleiben dabei unverzichtbar. Sanktionen, Geldwäscheprävention und andere Compliance-Anforderungen können zusätzliche Prüfungen auslösen. Eine höhere Automatisierungsquote darf deshalb nicht dadurch erreicht werden, dass notwendige Kontrollen umgangen werden. Entscheidend ist vielmehr, korrekte und ausreichend strukturierte Daten bereitzustellen, damit solche Prüfungen möglichst zuverlässig und effizient erfolgen können.
Für Euro-Überweisungen im SEPA-Raum bietet die seit Oktober 2025 im Euroraum verpflichtende Empfängerüberprüfung eine zusätzliche Kontrollmöglichkeit. Sie gleicht den angegebenen Empfängernamen mit der Kontokennung ab und kann auf Abweichungen hinweisen. Dieses Verfahren ersetzt allerdings keine umfassende Prüfung internationaler Zahlungsempfänger außerhalb seines jeweiligen Anwendungsbereichs.
Neben der Fehlervermeidung sollten Unternehmen ihre tatsächliche Zahlungsqualität messen. Aussagekräftig sind insbesondere der Anteil beim ersten Versuch erfolgreich verarbeiteter Überweisungen, die Häufigkeit von Rückweisungen und manuellen Korrekturen, die durchschnittliche Zeit bis zur Gutschrift sowie die Ursachen wiederkehrender Probleme. Erst solche Kennzahlen zeigen, ob eine Störung auf unvollständige Stammdaten, technische Schnittstellen, bankseitige Anforderungen oder andere Faktoren zurückzuführen ist.
Zuverlässige Auslandszahlungen stärken die betriebliche Resilienz
Die LexisNexis-Studie zeigt, dass fehlgeschlagene Zahlungen nicht allein ein Kostenproblem darstellen. Ein Drittel der befragten Finanzinstitute berichtet, dadurch zwischen zwei und fünf Prozent seiner Kunden zu verlieren. 90 Prozent sehen in hohen STP-Quoten einen wichtigen Beitrag zur Kundenbindung. Auch wenn diese Ergebnisse nicht unmittelbar auf Industrie- und Handelsunternehmen übertragen werden können, unterstreichen sie die wirtschaftliche Bedeutung eines verlässlichen Zahlungsverkehrs.
Für Unternehmen, die täglich grenzüberschreitende Überweisungen ausführen, sollte die Zahlungsabwicklung deshalb als kritischer Geschäftsprozess behandelt werden. Dazu gehören belastbare Stammdaten, klar geregelte Freigaben, funktionierende Schnittstellen und Verfahren, mit denen fehlerhafte oder verzögerte Zahlungen schnell erkannt und geklärt werden können. Ebenso wichtig sind alternative Abläufe für den Fall, dass eine Bankverbindung, ein Zahlungskanal oder ein technisches System vorübergehend nicht verfügbar ist.
Der bevorstehende ISO-20022-Stichtag macht deutlich, dass solche Vorkehrungen nicht allein der Effizienzsteigerung dienen. Unvollständige Daten können künftig unmittelbar darüber entscheiden, ob eine internationale Zahlung überhaupt zur Verarbeitung angenommen wird.
Die zentrale Erkenntnis für Unternehmen lautet daher: Die Sicherheit einer Auslandsüberweisung beginnt nicht erst bei der Bank. Sie beginnt mit der Qualität der Zahlungsdaten, der Verlässlichkeit interner Freigaben und der Fähigkeit, Fehler zu erkennen, bevor sie Lieferketten, Liquidität und Geschäftsbeziehungen beeinträchtigen. Wer diese Prozesse beherrscht, reduziert nicht nur vermeidbare Kosten, sondern stärkt die Widerstandsfähigkeit seines internationalen Geschäfts.
Zum Report: “The True Impact of Failed Payments” https://risk.lexisnexis.com/global/en/insights-resources/research/the-true-impact-of-failed-payments-report
Redaktionelle Grundlage: LexisNexis Risk Solutions, „Failed Payments Cost Financial Institutions Billions, New Research Finds“, Originalmitteilung vom 7. Oktober 2026, sowie Studie „The True Impact of Failed Payments 2026“, durchgeführt von Datos Insights unter 150 Führungskräften im Zahlungsverkehr internationaler Finanzinstitute; Swift, Informationen zur Einführung von ISO 20022 für grenzüberschreitende Zahlungen und zur Abschaffung unstrukturierter Adressangaben ab 14. November 2026; Europäische Zentralbank, Informationen zur Empfängerüberprüfung im europäischen Zahlungsverkehr.

