Der britische Normungsverband BSI (British Standards Institution) hat einen Entwurf zur Überarbeitung der Norm BS 750 veröffentlicht und zur öffentlichen Kommentierung freigegeben. Die Norm definiert technische Anforderungen an Unterflurhydranten sowie deren Oberflächenrahmen und Abdeckungen. Mit der Konsultation reagiert BSI auf Empfehlungen aus dem Abschlussbericht der Grenfell Tower Inquiry (Phase 2) und verfolgt das Ziel, zentrale Aspekte der Brandschutzinfrastruktur weiter zu präzisieren.
Die Norm BS 750 „Underground fire hydrants. Surface box frames and covers. Specification“ legt Anforderungen an Konstruktion, Herstellung und Prüfung von Unterflurhydranten fest. Sie bildet damit einen technischen Referenzrahmen für Hersteller, Wasserversorger sowie Feuerwehren und Rettungsdienste. Ziel ist es, eine verlässliche Funktionsfähigkeit der Hydranteninfrastruktur sicherzustellen und gleichzeitig Kompatibilität sowie Langlebigkeit der Systeme zu gewährleisten.
Reaktion auf Empfehlungen der Grenfell-Untersuchung
Die Überarbeitung steht im Zusammenhang mit Empfehlung 40 des Untersuchungsberichts zur Brandkatastrophe im Grenfell Tower. Der Bericht hatte im September 2024 unter anderem darauf hingewiesen, dass technische Normen für kritische Brandschutzeinrichtungen präziser formuliert und transparenter gestaltet werden sollten.
Der nun veröffentlichte Normenentwurf soll deshalb insbesondere mehr Klarheit bei Definitionen und technischen Darstellungen schaffen. Ein zentraler Punkt betrifft die Beschreibung der Messung des sogenannten Flow Coefficient, also des Durchflusskoeffizienten von Hydranten. Dieser Parameter ist entscheidend für die Bewertung der hydraulischen Leistungsfähigkeit eines Hydranten im Einsatzfall.
Durch präzisere Formulierungen und verbesserte Abbildungen soll künftig eindeutig nachvollziehbar sein, wie dieser Wert gemessen und bewertet wird.
Stärkere Anforderungen an Zertifizierung und Nachweisführung
Neben der technischen Präzisierung sieht der Entwurf auch eine Stärkung der Anforderungen an unabhängige Prüfungen und Zertifizierungen vor. Ziel ist es, mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit in der Branche zu schaffen und gleichzeitig eine konsistente Anwendung der Norm sicherzustellen.
Darüber hinaus sollen überarbeitete technische Spezifikationen dazu beitragen, die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit von Hydrantenkomponenten langfristig zu sichern. Für Feuerwehren und Rettungsdienste stellt eine funktionierende Hydranteninfrastruktur eine zentrale Voraussetzung für eine schnelle und effektive Brandbekämpfung dar.
Konsultationsphase für Industrie und Behörden
Der Entwurf wurde zunächst an bestehende Anwender der Norm BS 750 verteilt. In einem nächsten Schritt soll die Konsultation auf weitere Akteure aus Industrie, Wasserwirtschaft, Brandschutztechnik und öffentlichen Einrichtungen ausgeweitet werden.
Stakeholder aus diesen Bereichen sind eingeladen, den Normenentwurf zu prüfen und Kommentare einzureichen. Die öffentliche Konsultationsphase läuft bis 13. April 2026.
Anne Hayes, Director of Sectors and Standards Development bei BSI, betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Überarbeitung: Die Veröffentlichung des Entwurfs sei Teil der Verpflichtung, die Empfehlungen der Grenfell-Untersuchung konstruktiv umzusetzen und die Sicherheit im gebauten Umfeld weiter zu stärken.
Bedeutung für die Brandschutzinfrastruktur
Technische Normen wie BS 750 spielen eine zentrale Rolle für die Sicherheit kritischer Infrastruktur. Sie definieren Anforderungen an Planung, Herstellung und Betrieb von Komponenten, die im Ernstfall zuverlässig funktionieren müssen.
Mit der Überarbeitung der Norm soll sichergestellt werden, dass Hydrantensysteme auch künftig einheitlichen technischen Standards entsprechen und im Einsatzfall die erforderlichen Durchflussmengen und Betriebsbedingungen zuverlässig erfüllen. Gleichzeitig soll die Anpassung dazu beitragen, Vertrauen in die technische Infrastruktur der öffentlichen Sicherheit zu stärken.


