Die Digitalisierung von Sicherheits- und Zutrittsprozessen an Flughäfen gewinnt weltweit an Bedeutung. Ein aktuelles Beispiel liefert der Changi Airport in Singapur, der gemeinsam mit dem Sicherheitsdienstleister Certis und dem Biometrie-Spezialisten TBS Biometrics eine umfassende Lösung für das Management von Flughafenpässen entwickelt hat. Das Projekt wurde nun bei den Singapore Technology Excellence Awards 2026 in der Kategorie „Digital Aviation“ ausgezeichnet.
Zutrittsmanagement für 60.000 Nutzer
Der Changi Airport zählt zu den bedeutendsten Luftverkehrsdrehkreuzen Asiens. Täglich sind dort rund 60.000 Beschäftigte, Geschäftspartner, Dienstleister, Auftragnehmer und Besucher auf unterschiedliche Zugangsberechtigungen angewiesen, um Tätigkeiten in sicherheitskritischen Bereichen, im Einzelhandel oder im operativen Flughafenbetrieb auszuführen.
Die Verwaltung dieser Zutrittsrechte stellt hohe Anforderungen an Sicherheit, Effizienz und Nachvollziehbarkeit. Bis vor kurzem erfolgte ein Großteil der Prozesse noch manuell und war mit persönlichen Vorsprachen, Wartezeiten und administrativem Aufwand verbunden.
APIC ersetzt manuelle Prozesse
Um die Abläufe zu modernisieren, entwickelten die Changi Airport Group, Certis und TBS Biometrics gemeinsam die Plattform „Airport Pass in Changi“ (APIC). Ziel war die vollständige Digitalisierung des Antrags-, Genehmigungs- und Ausgabeverfahrens für Flughafenpässe.
Die Lösung kombiniert mehrere Technologien in einem durchgängigen digitalen Prozess. Dazu gehören die nationale digitale Identitätsplattform Singpass, automatisierte Verifizierungs- und Genehmigungsabläufe, Online-Zahlungsfunktionen sowie biometrische Identitätsprüfungen an Selbstbedienungskiosken.
Herzstück der Lösung ist die biometrische Verifikation mit der Technologie TBS 3D Air, die direkt in die APIC-Kioske integriert wurde. Dadurch können Nutzer ihre Identität selbstständig und ohne manuelle Kontrolle verifizieren.
Deutlich kürzere Wartezeiten
Nach Angaben der Projektpartner hat die Einführung der biometriegestützten Selbstbedienungslösung zu erheblichen Effizienzsteigerungen geführt.
Das Seasonal Airport Pass Office betreibt inzwischen sieben APIC-Kioske und verarbeitet täglich rund 250 Flughafenausweise. Während die Ausstellung und Abholung eines Saisonpasses zuvor durchschnittlich etwa 90 Minuten beanspruchte, konnte dieser Wert auf rund zehn Minuten reduziert werden. Dies entspricht einer Zeitersparnis von etwa 85 Prozent.
Noch deutlicher zeigt sich der Effekt bei Besucherpässen. Die rund um die Uhr geöffneten Visitor Pass Offices in den Terminals 1 bis 4 bearbeiten täglich etwa 1.300 Besucherzugänge. Während in Spitzenzeiten früher Wartezeiten zwischen 30 und 60 Minuten üblich waren, beträgt die maximale Wartezeit heute nach Unternehmensangaben nur noch fünf Minuten. Dies entspricht einer Verbesserung von bis zu 80 Prozent.
Zusätzliche Vorteile ergeben sich durch die Einführung von Einweg-Armbändern für Besucher. Diese ersetzen den Austausch von Ausweisdokumenten und machen Rückgaben oder erneute Besuche der Ausgabestellen überflüssig. Gleichzeitig werden Ein- und Austritte digital dokumentiert. Das System erkennt automatisch Überschreitungen von Aufenthaltszeiten in sicherheitskritischen Bereichen und kann entsprechende Warnmeldungen auslösen.
Entlastung der Verwaltung
Neben den Vorteilen für Nutzer und Besucher hat APIC auch die internen Verwaltungsprozesse grundlegend verändert.
Dokumentenprüfungen, Genehmigungsabläufe, Datenvalidierungen und Zahlungsprozesse wurden weitgehend automatisiert. Dadurch konnte der manuelle Aufwand erheblich reduziert werden.
Nach Angaben der Projektverantwortlichen führte die Digitalisierung zu einer Reduzierung des Personalbedarfs im Airport Pass Office um rund 30 Prozent. Die frei gewordenen personellen Ressourcen wurden nicht abgebaut, sondern in sicherheitsrelevante Aufgaben mit höherem Mehrwert verlagert. Dazu gehören beispielsweise Ausnahmebearbeitungen, Sicherheitsüberwachung, Compliance-Aufgaben und Qualitätssicherung.
Für Flughafenbetreiber ist dies ein wichtiger Aspekt. Die Digitalisierung ersetzt nicht zwangsläufig Personal, sondern ermöglicht eine Konzentration auf Tätigkeiten, die menschliche Entscheidungen und sicherheitsrelevante Bewertungen erfordern.
Sicherheit durch digitale Identitäten und Biometrie
Die Auszeichnung unterstreicht einen grundlegenden Trend im internationalen Flughafenumfeld: Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit werden zunehmend nicht mehr als Gegensätze betrachtet.
Die APIC-Plattform nutzt die staatliche Identitätslösung Singpass sowie die verifizierten Daten des Myinfo-Systems. Ergänzt wird dies durch biometrische Identitätsprüfungen und automatisierte Audit-Protokolle.
Dadurch wird die Identität von Antragstellern zuverlässiger überprüft, während gleichzeitig Fehlerquellen manueller Prozesse reduziert werden. Für Betreiber bedeutet dies eine höhere Nachvollziehbarkeit aller Vorgänge sowie eine verbesserte Compliance.
Gerade in hochsensiblen Bereichen wie Flughäfen, in denen täglich Tausende Personen Zugang zu sicherheitskritischen Zonen erhalten, gewinnt die Qualität der Identitätsprüfung zunehmend an Bedeutung.
Modell für die nächste Generation von Flughafen-Sicherheit
Aus Sicht der Sicherheitsbranche zeigt das Projekt beispielhaft, wie moderne Biometrie über klassische Grenzkontrollen hinaus eingesetzt werden kann. Während biometrische Verfahren häufig mit Passagierabfertigung oder automatisierten Grenzübergängen in Verbindung gebracht werden, adressiert APIC einen bislang weniger beachteten Bereich: das Management von Mitarbeitern, Dienstleistern und Besuchern.
Gleichzeitig wurde die Plattform so konzipiert, dass sie zukünftige Anforderungen unterstützen kann. Steigende Passagierzahlen, neue regulatorische Vorgaben oder künftige Standards digitaler Identitäten lassen sich in die bestehende Architektur integrieren.
Die Auszeichnung bei den Singapore Technology Excellence Awards 2026 bestätigt damit nicht nur die technische Leistungsfähigkeit des Projekts. Sie verdeutlicht auch, wie biometriegestützte Automatisierung dazu beitragen kann, kritische Infrastrukturen effizienter, sicherer und gleichzeitig benutzerfreundlicher zu gestalten.
Für Flughäfen weltweit dürfte Changi damit einmal mehr als Vorbild dienen – nicht nur bei der Passagierabfertigung, sondern auch beim sicheren Management von Identitäten und Zutrittsrechten im Hintergrund des Flughafenbetriebs.

