Generative KI verändert die Cyberbedrohung gleich auf zwei Seiten: Angreifer können Social Engineering überzeugender und schneller skalieren, während Beschäftigte selbst immer häufiger nicht freigegebene KI-Dienste einsetzen. Zwei aktuelle Untersuchungen von MetaCompliance und WatchGuard zeigen, wie groß die Lücke zwischen technischen Schutzmaßnahmen und dem tatsächlichen Arbeitsalltag geworden ist. Doch die Schlussfolgerung darf nicht lauten, den Mitarbeiter zum Sicherheitsproblem zu erklären. Gefragt sind sichere Systeme, klare Regeln – und Beschäftigte, die Cybersecurity als Teil ihrer täglichen Verantwortung verstehen.
Die klassische Vorstellung vom Cyberangriff ist technisch geprägt: Angreifer suchen nach Schwachstellen in Software, überwinden Firewalls oder schleusen Schadcode in Unternehmensnetze ein. Dieses Bild ist längst unvollständig. Moderne Angriffe zielen zunehmend auf einen anderen Zugangspunkt – auf Vertrauen, Zeitdruck, Gewohnheiten und menschliches Urteilsvermögen.
Mit generativer künstlicher Intelligenz gewinnt diese Entwicklung zusätzlich an Dynamik. Phishing-Nachrichten lassen sich sprachlich verbessern und personalisieren, Identitäten überzeugender imitieren und Social-Engineering-Kampagnen schneller skalieren. Gleichzeitig verändert KI den Arbeitsalltag innerhalb der Unternehmen. Beschäftigte greifen auf neue Anwendungen zurück, noch bevor Governance, Freigabeprozesse und technische Kontrollen mit dieser Entwicklung Schritt gehalten haben.
Zwei Untersuchungen aus dem Jahr 2026 beleuchten diese Entwicklung aus unterschiedlichen Richtungen. MetaCompliance hat Chief Information Security Officers nach ihrer Einschätzung des menschlichen Cyberrisikos befragt. WatchGuard Technologies richtet den Blick dagegen unmittelbar auf die Sicherheitsgewohnheiten von Beschäftigten. Zusammen ergeben die Daten ein Bild, das für Unternehmen unangenehm ist: Zwischen Sicherheitsstrategie und tatsächlichem Verhalten besteht weiterhin eine erhebliche Lücke.
CISOs sehen das Risiko längst nicht mehr nur in der Technik
Für seine Untersuchung befragte MetaCompliance im Februar 2026 insgesamt 200 CISOs aus Unternehmen mit mindestens 250 Beschäftigten in Deutschland, Frankreich, Schweden und Großbritannien. In jedem der vier Länder wurden 50 Sicherheitsverantwortliche befragt. Die Erhebung wurde vom Marktforschungsunternehmen Censuswide durchgeführt.
Das zentrale Ergebnis ist bemerkenswert: 68 Prozent der CISOs identifizieren Beschäftigte als das größte Sicherheitsrisiko ihrer Organisation. Dabei geht es nicht zwangsläufig um vorsätzliches Fehlverhalten. Im Mittelpunkt steht vielmehr die sogenannte Human Layer – also jene Ebene, auf der Beschäftigte mit E-Mails, Identitäten, Unternehmensdaten, Cloud-Diensten und digitalen Anwendungen interagieren.
Gleichzeitig sieht die Mehrheit der Sicherheitsverantwortlichen eine deutliche Wahrnehmungslücke zur Unternehmensführung. 78 Prozent sagen, dass Entscheider auf C-Level das durch Beschäftigte entstehende Cyberrisiko nicht vollständig verstehen. Noch problematischer erscheint die Nachhaltigkeit der Unterstützung: 79 Prozent berichten, dass der Rückhalt der Führung für Security-Awareness-Initiativen im Laufe der Zeit nachlässt. 76 Prozent haben zudem Schwierigkeiten, die unterschiedlichen Anforderungen verschiedener Stakeholder an Kennzahlen zum menschlichen Cyberrisiko zu erfüllen.
Damit wird Human Risk zu einem Managementproblem. Ein Unternehmen kann technisch gut geschützt sein – wenn Sicherheit jedoch nicht dauerhaft in Führungsentscheidungen, Arbeitsabläufe und Verantwortlichkeiten integriert wird, bleiben relevante Angriffsflächen bestehen.
KI verschärft die Angriffe auf das Urteilsvermögen
Besonders deutlich wird die Veränderung bei Social Engineering. Unter den CISOs, die ihre Cyberresilienz heute kritischer einschätzen als zwölf Monate zuvor, nennt nahezu die Hälfte raffiniertere KI-gestützte Social-Engineering-Angriffe als wichtigsten Grund für den Vertrauensverlust. Mehr als vier von zehn CISOs sorgen sich generell darum, dass KI Geschwindigkeit und Wirkung solcher Angriffe erhöht.
Das verändert die Bedingungen für Beschäftigte erheblich. Die früher gern genannte Faustregel, Phishing lasse sich an schlechten Formulierungen, Tippfehlern oder unglaubwürdigen Nachrichten erkennen, verliert weiter an Aussagekraft. KI kann sprachlich saubere, zum jeweiligen Kontext passende Nachrichten erzeugen. Für den Empfänger entscheidet deshalb zunehmend nicht die Qualität einer Nachricht über ihre Glaubwürdigkeit, sondern die Fähigkeit, ungewöhnliche Anforderungen unabhängig zu verifizieren.
Doch KI wirkt nicht nur auf der Angreiferseite. 40 Prozent der befragten CISOs sorgen sich darum, dass Mitarbeiter sensible Informationen mit generativen KI-Plattformen teilen. Weitere 41 Prozent sehen die Gefahr, dass böswillige Insider KI für Betrug, Cyberkriminalität oder Datendiebstahl einsetzen könnten.
Damit bekommt der Begriff „Human Risk“ eine neue Dimension. Beschäftigte sind nicht nur potenzielle Ziele KI-gestützter Angriffe. Durch die Nutzung generativer Systeme werden sie selbst zu Entscheidern darüber, welche Unternehmensinformationen eine kontrollierte Umgebung verlassen.
Mehr Schulungen führen nicht automatisch zu sicherem Verhalten
Interessant wird die MetaCompliance-Untersuchung vor allem dort, wo sie die Wirksamkeit klassischer Security Awareness infrage stellt.
81 Prozent der CISOs sind der Ansicht, dass Awareness-Programme scheitern können, wenn menschliches Cyberrisiko lediglich als Schulungsproblem behandelt wird. Gleichzeitig investieren die befragten Unternehmen keineswegs wenig: Im Durchschnitt fließen nach Angaben der CISOs 15 Prozent des jährlichen Security-Budgets in Awareness Education, 79 Prozent führen entsprechende Trainings mindestens alle zwei Wochen durch.
Trotzdem bleiben die Resultate offenbar hinter den Erwartungen zurück. Ein Viertel der Befragten berichtet, Schwierigkeiten zu haben, überhaupt die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter zu erreichen. 24 Prozent gelingt es nach eigener Einschätzung nicht ausreichend, sicheres Verhalten im täglichen Arbeitsablauf zu verankern. Ebenfalls 24 Prozent sehen Probleme bei der Abstimmung verschiedener Funktionen innerhalb des Unternehmens.
Die Zahlen legen einen wichtigen Unterschied offen: Training ist nicht dasselbe wie Verhaltensänderung.
Ein Mitarbeiter kann ein jährliches Phishing-Modul erfolgreich abschließen und Monate später dennoch auf eine überzeugend gestaltete Anfrage reagieren, wenn sie genau im richtigen Moment erscheint und scheinbar von einem bekannten Kollegen oder Vorgesetzten stammt.
Entsprechend wollen 79 Prozent der von MetaCompliance befragten CISOs stärker in Richtung eines kontinuierlichen Human Risk Managements gehen. 83 Prozent erwarten, dass gezieltere Interventionen Risiken schneller reduzieren könnten; 80 Prozent halten Sicherheitsinformationen insbesondere dann für wirksam, wenn sie unmittelbar im Arbeitsprozess vermittelt werden.
Damit verschiebt sich die Debatte von der Frage „Hat der Mitarbeiter die Schulung absolviert?“ zu einer wesentlich relevanteren Frage: „Verhält er sich im entscheidenden Moment sicher?“
Der Arbeitsalltag zeigt die andere Seite des Problems
Wie groß die Differenz zwischen formalen Sicherheitsvorgaben und tatsächlichem Verhalten sein kann, zeigt der „2026 Cybersecurity Hygiene Report“ von WatchGuard Technologies.
Für die unabhängige Online-Befragung wurden im April 2026 684 Beschäftigte aus kleinen und mittelgroßen beziehungsweise Midmarket-Unternehmen mit 50 bis 500 Mitarbeitern befragt. Die Teilnehmer kamen aus den USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Spanien, Australien, Mexiko und Brasilien. Wichtig für die Einordnung: Die Ergebnisse beruhen vollständig auf Selbstauskünften der Befragten.
Besonders auffällig ist der Umgang mit KI. 64 Prozent geben an, nicht autorisierte KI-Tools für ihre Arbeit einzusetzen.
Die seit Jahren bekannte Schatten-IT bekommt damit eine neue Qualität. Ein nicht freigegebener Messenger oder Cloud-Speicher war bereits ein Governance-Problem. Generative KI ermöglicht jedoch, Inhalte direkt zur externen Verarbeitung zu übertragen: Texte können zusammengefasst, Verträge analysiert, Programmcode optimiert oder Kundendaten zur Erstellung einer Antwort verwendet werden.
Aus Sicht eines Mitarbeiters geschieht möglicherweise nichts weiter, als dass ein hilfreiches Werkzeug genutzt wird. Aus Sicht der Informationssicherheit können dabei jedoch Daten in eine Anwendung gelangen, deren Datenschutz-, Speicher- und Zugriffskonditionen das Unternehmen nicht geprüft oder freigegeben hat.
Schatten-KI trifft auf fehlende Transparenz
Das eigentliche Problem scheint dabei größer als die Nutzung einzelner KI-Anwendungen.
Weniger als 30 Prozent der WatchGuard-Befragten glauben, dass ihr Unternehmen über ein korrektes Inventar der eingesetzten Software verfügt. Fast 40 Prozent berichten, dass ihrem Unternehmen die vollständige Transparenz darüber fehlt, welche Anwendungen die Beschäftigten tatsächlich nutzen.
Das ist für Cybersecurity fundamental. Was eine IT-Abteilung nicht kennt, kann sie kaum zuverlässig absichern, überwachen oder in ihre Risikobewertung einbeziehen.
Schatten-KI ist deshalb weniger ein isoliertes KI-Problem als eine Fortsetzung eines seit Jahren bekannten Konflikts: Beschäftigte suchen nach einfachen Werkzeugen, um ihre Arbeit schneller zu erledigen. Unternehmen reagieren häufig erst später mit Regeln und technischen Kontrollen.
Je größer der Abstand zwischen Produktivitätsbedürfnis und freigegebener IT-Landschaft wird, desto attraktiver werden Umgehungslösungen.
Alte Sicherheitsprobleme sind erstaunlich hartnäckig
Neben der KI-Nutzung zeigt die WatchGuard-Untersuchung allerdings, dass auch wesentlich ältere Cybersecurity-Probleme keineswegs gelöst sind.
76 Prozent der Befragten geben an, Passwörter für mehrere Konten wiederzuverwenden. 30 Prozent teilen Passwörter mit anderen Personen. Passwortwiederverwendung kann aus einem einzelnen Credential-Diebstahl ein deutlich größeres Problem machen. Wird dasselbe oder ein ähnliches Passwort in mehreren Anwendungen verwendet, können kompromittierte Zugangsdaten für weitere Zugriffsversuche genutzt werden. Auch mobiles und hybrides Arbeiten schafft zusätzliche Angriffsmöglichkeiten. 70 Prozent der Befragten nutzen öffentliches WLAN für berufliche Aufgaben, während 50 Prozent auf Unternehmensressourcen zugreifen, ohne dabei einen VPN-Schutz zu verwenden. 55 Prozent verwenden ihre Arbeitsgeräte gleichzeitig für private Aktivitäten.
Hinzu kommt ein Ausbildungsdefizit: 23 Prozent der befragten Mitarbeiter geben an, noch nie ein Phishing-Training erhalten zu haben. Der Report weist außerdem aus, dass 75 Prozent der Befragten innerhalb des vergangenen Jahres einen Cybersecurity-Vorfall erlebt haben. Gerade das Nebeneinander der Zahlen ist aufschlussreich. Unternehmen diskutieren über KI-basierte Detection, Zero Trust und automatisierte Abwehr – gleichzeitig bleiben Passwortwiederverwendung, unsichere Verbindungen und mangelnde Phishing-Schulung Teil des Arbeitsalltags.
Der Mitarbeiter als „größtes Risiko“? So einfach ist es nicht
Die Ergebnisse beider Untersuchungen passen bemerkenswert gut zusammen. Sicherheitsverantwortliche beobachten eine zunehmende Bedeutung menschlicher Risiken, während Beschäftigte gleichzeitig von Verhaltensweisen berichten, die zusätzliche Angriffsflächen schaffen.
Trotzdem wäre die Schlagzeile „Der Mensch ist das schwächste Glied“ zu einfach.
Schon methodisch ist Vorsicht notwendig. Bei MetaCompliance handelt es sich um die Einschätzung von 200 CISOs und damit um die Wahrnehmung von Sicherheitsverantwortlichen, nicht um eine statistische Untersuchung sämtlicher erfolgreicher Cyberangriffe. Die WatchGuard-Untersuchung wiederum basiert auf Selbstauskünften von 684 Personen aus acht Ländern. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf sämtliche Beschäftigten oder speziell auf den deutschen Unternehmensmarkt übertragen.
Hinzu kommt, dass beide Untersuchungen von Unternehmen veröffentlicht wurden, die selbst Cybersecurity-Lösungen beziehungsweise Dienstleistungen rund um Human Risk Management und IT-Sicherheit anbieten. Auch das macht die Daten nicht wertlos, sollte bei ihrer Interpretation aber berücksichtigt werden.
Vor allem aber greift eine Schuldzuweisung an Beschäftigte fachlich zu kurz.
Wenn Mitarbeiter nicht wissen, welche KI-Anwendungen freigegeben sind, wenn sichere Software den Arbeitsanforderungen nicht genügt oder wenn Sicherheitsvorgaben so kompliziert sind, dass sie im Arbeitsalltag regelmäßig umgangen werden, handelt es sich nicht ausschließlich um individuelles Fehlverhalten. Es ist auch ein Problem der Sicherheitsarchitektur und der Unternehmensführung.
Ein robustes Sicherheitskonzept muss davon ausgehen, dass Menschen unter Zeitdruck Fehler machen können. Die Aufgabe guter Cybersecurity besteht deshalb nicht darin, jeden Fehler unmöglich zu machen, sondern dafür zu sorgen, dass ein einzelner Fehler möglichst nicht zum gravierenden Sicherheitsvorfall eskaliert.
Was die Ergebnisse für Mitarbeiter bedeuten
Aus Sicht der Beschäftigten ergibt sich aus beiden Untersuchungen dennoch eine klare Konsequenz: Cybersecurity ist nicht mehr allein die Aufgabe der IT-Abteilung.
Nahezu jede digitale Handlung kann heute eine Sicherheitsentscheidung enthalten – von der Anmeldung an einem Cloud-Dienst über die Nutzung eines KI-Tools bis zur Antwort auf eine scheinbar dringende Nachricht.
Dabei werden einige Verhaltensweisen besonders wichtig.
Vertrauen muss verifiziert werden. Eine professionell formulierte E-Mail oder Nachricht ist kein ausreichender Echtheitsbeweis mehr. Ungewöhnliche Zahlungsaufforderungen, Änderungen von Kontodaten, Bitten um Zugangsdaten oder überraschende Anweisungen von Führungskräften sollten über einen unabhängigen zweiten Kommunikationsweg bestätigt werden. KI erhöht gerade bei Social Engineering die Qualität und Skalierbarkeit von Täuschungsversuchen.
KI-Anwendungen brauchen dieselbe Vorsicht wie externe Dienstleister. Bevor vertrauliche Daten, interne Dokumente, Kundendaten, Quellcode oder personenbezogene Informationen in einen KI-Dienst eingegeben werden, sollte klar sein, ob das Unternehmen diesen Dienst freigegeben hat und welche Informationen dort verarbeitet werden dürfen. Die hohe Verbreitung nicht autorisierter KI-Anwendungen zeigt, dass diese Entscheidung längst zum Arbeitsalltag gehört.
Passwörter dürfen nicht zum gemeinsamen Generalschlüssel werden. Für unterschiedliche Dienste sollten unterschiedliche Zugangsdaten verwendet werden. Passwortmanager und Multi-Faktor-Authentifizierung können dabei einen erheblichen Teil der Belastung vom einzelnen Mitarbeiter nehmen. WatchGuard zählt Passwortmanager und MFA ausdrücklich zu den empfohlenen Maßnahmen, die Unternehmen aus den Ergebnissen ableiten sollten.
Mobiles Arbeiten darf nicht mit abgesenkten Sicherheitsstandards verbunden sein. Wer unterwegs arbeitet, sollte ausschließlich die vom Unternehmen vorgesehenen sicheren Zugangswege verwenden. Öffentliche Netzwerke, private Geräte oder nicht freigegebene Dienste können Unternehmensdaten außerhalb der vorgesehenen Schutzmechanismen bringen.
Und ein Punkt ist vielleicht wichtiger als alle anderen: Fehler müssen schnell gemeldet werden können.
Wer auf eine verdächtige Nachricht reagiert, Zugangsdaten eingegeben oder möglicherweise sensible Informationen an einen falschen Dienst übertragen hat, sollte nicht versuchen, den Vorfall zunächst selbst zu beurteilen oder aus Angst vor Konsequenzen zu verschweigen. Cybersecurity-Teams können nur auf einen Vorfall reagieren, den sie kennen. Je früher ein möglicher Fehler sichtbar wird, desto eher lassen sich beispielsweise Accounts sperren, Zugriffe beenden oder weitere Maßnahmen einleiten.
Dazu braucht es allerdings eine Unternehmenskultur, in der Meldungen nicht automatisch als persönliches Versagen interpretiert werden. Sonst erzeugt die Angst vor Fehlern genau das Verhalten, das Unternehmen am wenigsten gebrauchen können: Schweigen.
Cyberresilienz beginnt im Arbeitsprozess
Die beiden Untersuchungen zeigen vor allem, dass die Grenze zwischen technischer und menschlicher Cybersecurity zunehmend verschwindet.
Auf der einen Seite stehen Angreifer, die mithilfe von KI immer überzeugender auf menschliches Urteilsvermögen zielen können. Auf der anderen Seite entstehen durch generative KI, Cloud-Anwendungen, mobiles Arbeiten und Schatten-IT immer mehr Situationen, in denen Beschäftigte selbst über die Sicherheit von Unternehmensinformationen entscheiden.
Deshalb reicht es nicht, Mitarbeiter einmal im Jahr mit Phishing-Beispielen zu konfrontieren und anschließend einen Schulungsnachweis abzulegen. Sicherheit muss dort stattfinden, wo die riskante Entscheidung tatsächlich getroffen wird.
Für Unternehmen bedeutet das: freigegebene KI-Werkzeuge bereitstellen, Regeln verständlich formulieren, MFA und sichere Zugriffe technisch unterstützen, Schatten-IT sichtbar machen und Awareness näher an reale Arbeitsabläufe bringen.
Für Mitarbeiter bedeutet es: ungewöhnliche Anforderungen hinterfragen, Unternehmensdaten nicht unkontrolliert in externe Systeme übertragen, sichere Zugangswege nutzen und mögliche Fehler frühzeitig melden.
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis der beiden Untersuchungen lautet deshalb nicht, dass Mitarbeiter das größte Cyberrisiko darstellen.
Das eigentliche Risiko entsteht dort, wo immer raffiniertere Angriffe auf Arbeitsumgebungen treffen, in denen sichere Entscheidungen unnötig schwer sind.
Cyberresilienz entscheidet sich folglich nicht allein im Security Operations Center oder an der Firewall. Sie entscheidet sich jeden Tag auch im Posteingang, beim Login, im Homeoffice – und zunehmend im Promptfenster eines KI-Tools.

