Enforce Tac 2026: Vernetzte Sicherheit als strategische Antwort auf hybride Bedrohungen

Februar 27, 2026

Wenn sich Ende Februar in Nürnberg erneut Sicherheitsbehörden, Spezialkräfte, Verteidigungsexperten und Industrievertreter treffen, ist klar: Die Enforce Tac hat sich endgültig als eine der zentralen europäischen Plattformen für Behörden- und Verteidigungstechnologie etabliert. Vom 23. bis 25. Februar 2026 verwandelte sich das Messezentrum Nürnberg auf mehr als 60.000 Quadratmetern in ein Schaufenster moderner Sicherheitsarchitektur – unter dem Leitthema „Vernetzte Sicherheit“.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bezeichnete die Fachmesse bei seinem Besuch als kraftvoll und richtungsweisend. Tatsächlich zeigt die diesjährige Ausgabe deutlicher denn je, dass Sicherheitspolitik und Sicherheitsindustrie in einer Phase strategischer Neuausrichtung stehen. Aus Ideen werden konkrete Lösungen, aus isolierten Technologien integrierte Systeme.

Wachstum, Internationalisierung und politische Signalwirkung

Bereits im Vorjahr verzeichnete die Messe über 19.000 Fachbesucher sowie rund 1.000 Aussteller aus mehr als 50 Ländern – Zahlen, die auch 2026 laut Branchenbeobachtern bestätigt oder übertroffen wurden. Fachmedien wie *ES&T*, *Behörden Spiegel* oder internationale Defense-Publikationen hoben in ihrer Berichterstattung insbesondere die wachsende Internationalisierung hervor. Während die Messe ursprünglich stark auf Spezialeinheiten und taktische Ausrüstung fokussiert war, hat sich das Profil deutlich erweitert. Heute reicht das Spektrum von ballistischer Schutzausrüstung über digitale Einsatzführungssysteme bis hin zu KI-gestützter Drohnendetektion.

Auch die Tagespresse griff die Enforce Tac in diesem Jahr intensiver auf als in früheren Ausgaben. Hintergrund ist die veränderte sicherheitspolitische Lage in Europa. Angesichts geopolitischer Spannungen, wachsender hybrider Bedrohungen und einer steigenden Sensibilität für den Schutz Kritischer Infrastrukturen rückt die Verzahnung von Innerer und Äußerer Sicherheit stärker ins öffentliche Bewusstsein. Nürnberger Lokalmedien betonten zudem die wirtschaftliche Bedeutung der Veranstaltung für die Region und die Rolle Bayerns als Standort sicherheitsrelevanter Industrie.

Vernetzte Sicherheit als Leitmotiv

Das diesjährige Leitthema „Vernetzte Sicherheit“ ist mehr als ein programmatischer Titel. Es beschreibt einen Paradigmenwechsel. Sicherheitsbehörden agieren nicht länger in strikt getrennten Zuständigkeitsbereichen. Polizei, Bundeswehr, Kommunen, Katastrophenschutz und Betreiber Kritischer Infrastrukturen stehen vor Bedrohungslagen, die klassische Kategorien überschreiten.

Herrmann machte in Nürnberg deutlich, dass Innere und Äußere Sicherheit nicht mehr vollständig voneinander getrennt gedacht werden können. Die Zivil-Militärische Zusammenarbeit, in Bayern traditionell stark ausgeprägt, gewinnt vor diesem Hintergrund strategisch an Bedeutung. Fachkommentare in sicherheitspolitischen Publikationen unterstrichen diese Entwicklung und verwiesen darauf, dass hybride Bedrohungen – von Cyberangriffen über Desinformationskampagnen bis hin zu Drohnensichtungen über militärischen Einrichtungen – integrierte Antworten erfordern.

Drohnen, KI und der Schutz Kritischer Infrastrukturen

Ein zentrales Thema der Enforce Tac 2026 war die zunehmende Bedrohung durch unbemannte Systeme. Die Zahl der Drohnensichtungen über militärischen Einrichtungen, Flughäfen und Energieanlagen hat laut Sicherheitskreisen spürbar zugenommen. Entsprechend groß war das Interesse an Anti-Drohnen-Technologien, Sensorfusion, Radar- und optischen Erkennungssystemen sowie an KI-gestützten Auswerteplattformen.

Fachmedien berichteten ausführlich über neue modulare Systeme, die mehrere Sensortypen kombinieren und Bedrohungen automatisiert klassifizieren können. Der Trend geht klar in Richtung integrierter Lösungen, bei denen Lagebilder in Echtzeit zusammengeführt und an Führungsstellen übertragen werden. Auch Unternehmen aus dem Bereich taktischer Kommunikation präsentierten verschlüsselte Netzwerklösungen, die speziell für behördliche und militärische Anwendungen konzipiert sind.

Parallel dazu gewann das Thema Resilienz an Gewicht. Kritische Infrastrukturen – etwa Energieversorgung, Verkehrsknotenpunkte oder digitale Netze – gelten als potenzielle Zielscheiben hybrider Angriffe. Die Enforce Tac zeigte, wie physische Sicherheit, Cybersecurity und operative Einsatzführung zunehmend miteinander verschmelzen.

Technologischer Fortschritt und regulatorischer Rahmen

Die Messe 2026 spiegelte zudem eine stärkere regulatorische Sensibilität wider. In Diskussionsforen und Panels wurde die Frage erörtert, wie technologische Innovation mit rechtsstaatlichen Prinzipien in Einklang gebracht werden kann. Gerade beim Einsatz von KI, biometrischen Verfahren oder automatisierter Bedrohungsanalyse stehen Sicherheitsgewinne und Datenschutzanforderungen in einem Spannungsverhältnis.

Mehrere Fachkommentare hoben hervor, dass die Industrie zunehmend auf transparente Systemarchitekturen und europäische Entwicklungsstandards setzt. Damit reagiert sie auf politische Forderungen nach technologischer Souveränität und reduzierter Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern.

Bayern als sicherheitspolitischer Standort

Herrmann nutzte seinen Messebesuch auch, um Bayerns sicherheitspolitischen Anspruch zu unterstreichen. Der Freistaat positioniert sich seit Jahren als Vorreiter in der Inneren Sicherheit. Die Kombination aus langfristiger Sicherheitsstrategie, personeller Stärkung der Polizei und enger Zusammenarbeit mit der Bundeswehr soll diesen Anspruch untermauern.

In der politischen Berichterstattung wurde dabei deutlich, dass Sicherheit nicht nur als polizeiliche Aufgabe verstanden wird, sondern als gesamtstaatliches Projekt. Die Aussage, Sicherheit entstehe nicht im Alleingang, sondern durch Kooperation, Innovation und Verantwortungsbereitschaft, zieht sich wie ein roter Faden durch die Diskussionen auf der Messe.

Plattform für strategische Kooperation

Die Enforce Tac ist längst mehr als eine Produktschau. Sie fungiert als strategische Plattform, auf der Behördenbedarfe und industrielle Innovationszyklen aufeinandertreffen. Viele Aussteller betonten in Gesprächen mit Fachjournalisten, dass die unmittelbare Rückkopplung mit Anwendern ein entscheidender Mehrwert sei. Anforderungen aus dem operativen Alltag fließen direkt in die Weiterentwicklung von Produkten ein.

Gleichzeitig eröffnet die Messe internationalen Austausch. Vertreter aus Europa, Nordamerika und dem Nahen Osten diskutierten gemeinsame Herausforderungen, insbesondere im Bereich Grenzschutz, Terrorabwehr und Schutz Kritischer Infrastrukturen. Diese internationale Dimension verstärkt den Charakter der Enforce Tac als Knotenpunkt eines global vernetzten Sicherheitsökosystems.

Fazit: Sicherheitsarchitektur im Wandel

Die Enforce Tac 2026 hat gezeigt, dass Sicherheitspolitik und Sicherheitsindustrie vor einer Phase tiefgreifender Transformation stehen. Hybride Bedrohungen, technologische Beschleunigung und geopolitische Unsicherheiten erfordern neue Formen der Zusammenarbeit. Das Leitmotiv der vernetzten Sicherheit bringt diese Entwicklung prägnant auf den Punkt.

Was in Nürnberg sichtbar wurde, ist mehr als technischer Fortschritt. Es ist der Versuch, eine Sicherheitsarchitektur zu gestalten, die resilient, kooperationsfähig und technologisch souverän ist. Die enge Verzahnung von Polizei, Bundeswehr, Kommunen, Industrie und Forschung könnte sich dabei als entscheidender Faktor erweisen. Die Enforce Tac fungiert in diesem Prozess als Seismograph und Motor zugleich – als Ort, an dem strategische Leitlinien sichtbar werden und konkrete Lösungen Gestalt annehmen.

Related Articles

Neue Fassung der Norm IEC 62676-4

Am 9. Oktober 2025 hat die IEC die neue Ausgabe der Norm IEC 62676-4 veröffentlicht, die ursprünglich 2014 herausgegeben wurde und die Anwendungsrichtlinien für Videoüberwachungssysteme (VSS) für den Einsatz in Sicherheitsanwendungen beschreibt. Die IEC 62676-4:2025...

Neue Videonorm IEC 62676-4:2025 setzt Maßstäbe

Mehr Klarheit, Qualität und Zukunftssicherheit für Betreiber, Fachplaner und Facherrichter Am 9. Oktober 2025 wurde die IEC 62676-4:2025 veröffentlicht. Die überarbeitete Norm markiert einen wichtigen Schritt für die Planung, Umsetzung und den Betrieb moderner...

Share This