Friedrich P. Kötter bleibt Vizepräsident der CoESS – Europas Sicherheitswirtschaft vor wichtigen Weichenstellungen

Oktober 18, 2026

Wiederwahl in Malta stärkt die Kontinuität der europäischen Interessenvertretung bei KRITIS-Schutz, Sicherheitsregulierung und Fachkräfteentwicklung

Die private Sicherheitswirtschaft gewinnt innerhalb der europäischen Sicherheits- und Resilienzpolitik zunehmend an Bedeutung. Der Schutz Kritischer Infrastrukturen, neue Anforderungen an die Cybersicherheit, die Reform des europäischen Vergaberechts und der anhaltende Fachkräftemangel stellen die Branche vor Herausforderungen, die sich längst nicht mehr allein auf nationaler Ebene lösen lassen. Vor diesem Hintergrund hat die Mitgliederversammlung der Confederation of European Security Services (CoESS) auf Malta Friedrich P. Kötter erneut zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Der Vizepräsident des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft (BDSW) bleibt damit in einer führenden Position der europäischen Branchenvertretung.

Die Mitgliederversammlung bestätigte zugleich das gesamte Führungsteam. Vinz van Es aus den Niederlanden führt die CoESS weiterhin als Vorsitzender, Eduardo Cobas Urcelay aus Spanien bleibt zweiter stellvertretender Vorsitzender und Johan Ohlsson-Malm aus Schweden Schatzmeister. Die Wiederwahl steht für Kontinuität in einer Phase, in der die europäische Sicherheitswirtschaft ihre Rolle als Bestandteil der öffentlichen Sicherheitsvorsorge und des Krisenmanagements stärker gegenüber den EU-Institutionen positionieren will.

Europäische Regulierung beeinflusst die Sicherheitswirtschaft

Die Bedeutung der CoESS reicht dabei über die klassische Interessenvertretung hinaus. Europäische Gesetzgebungsinitiativen und regulatorische Vorgaben wirken zunehmend auf die Anforderungen an Sicherheitsdienstleister, deren Auftraggeber und die Betreiber Kritischer Infrastrukturen. Dies betrifft insbesondere die Umsetzung der NIS2-Richtlinie, die europäische Richtlinie zur Resilienz kritischer Einrichtungen (CER) sowie die Weiterentwicklung gemeinsamer Anforderungen an Cybersicherheit und Krisenvorsorge.

Wie konkret diese Entwicklung inzwischen ist, zeigt die europäische Verbandsarbeit im Jahr 2026. Gemeinsam mit dem Branchenverband Euralarm hat die CoESS im Oktober aktualisierte Leitlinien zur Cybersicherheit in der Sicherheits- und Brandschutzbranche veröffentlicht. Wenige Tage später nahmen beide Organisationen zum geplanten europäischen Cybersecurity Act 2 Stellung. Dabei geht es unter anderem um die Sicherheit von IKT-Lieferketten und die möglichen Auswirkungen regulatorischer Maßnahmen auf Hersteller, Errichter und Betreiber vernetzter Sicherheitssysteme.

Für Sicherheitsunternehmen entsteht daraus ein wachsender Bedarf, europäische Anforderungen frühzeitig in operative Prozesse, technische Standards und die Qualifikation ihrer Beschäftigten zu übertragen.

Vergaberecht und Fachkräfte als europäische Schlüsselfragen

Ein weiteres zentrales Handlungsfeld ist die Reform des europäischen Vergaberechts. Die CoESS setzt sich gemeinsam mit dem europäischen Gewerkschaftsverband UNI Europa dafür ein, bei der öffentlichen Beschaffung von Sicherheitsdienstleistungen Qualitätskriterien stärker zu gewichten. Ausbildung, Zuverlässigkeit, Arbeitsbedingungen und technische Leistungsfähigkeit sollen gegenüber einer überwiegend preisorientierten Vergabepraxis an Bedeutung gewinnen.

Auch der Fachkräftemangel ist Bestandteil dieser europäischen Agenda. Das gemeinsame Arbeitsprogramm der Sozialpartner für 2026 bis 2028 sieht unter anderem Initiativen zur beruflichen Qualifizierung, zur Attraktivität der Sicherheitsberufe und zur besseren Einbindung privater Sicherheitsdienstleister in europäische Konzepte der Krisenvorsorge vor.

Für den BDSW unterstreicht die Wiederwahl Kötters die Bedeutung einer kontinuierlichen deutschen Beteiligung an diesen Prozessen. BDSW-Präsident Werner Landstorfer erklärte nach der Wahl, zahlreiche Rahmenbedingungen für die Unternehmen würden auf EU-Ebene gestaltet. Deshalb müssten die praktischen Erfahrungen und Anforderungen der Branche möglichst früh in die politische Diskussion eingebracht werden.

Private Sicherheitswirtschaft als Partner europäischer Resilienz

Die strategische Bedeutung der europäischen Verbandsarbeit zeigt sich insbesondere beim Schutz Kritischer Infrastrukturen. Energieversorgung, Verkehr, Gesundheitswesen und andere unverzichtbare Dienstleistungen sind auf funktionierende Sicherheitsstrukturen angewiesen. Private Sicherheitsunternehmen übernehmen dabei operative Aufgaben, die von Zutrittskontrolle und Objektschutz über Leitstellenleistungen bis zur Unterstützung von Behörden bei Sicherheitsvorfällen reichen.

Mit der europäischen CER-Richtlinie und der zunehmenden Verzahnung physischer und digitaler Sicherheitsanforderungen rückt die Zusammenarbeit öffentlicher und privater Akteure stärker in den Mittelpunkt. Die CoESS fordert deshalb, die Sicherheitswirtschaft systematischer in europäische Konzepte der Krisenvorsorge und Resilienz einzubeziehen.

Die erneute Wahl Friedrich P. Kötters erhält vor diesem Hintergrund eine über die personelle Kontinuität hinausgehende Bedeutung. Sie sichert der deutschen Sicherheitswirtschaft die Mitwirkung im Führungsgremium eines europäischen Verbandes, der an wichtigen regulatorischen und sicherheitspolitischen Debatten beteiligt ist. Entscheidend wird sein, in welchem Umfang die gemeinsamen europäischen Positionen künftig zu praxistauglichen Regelungen, höheren Qualitätsstandards und einer stärkeren Einbindung privater Sicherheitsdienstleister in die europäische Sicherheitsarchitektur beitragen.

Quellen: BDSW, Mitteilung zur CoESS-Mitgliederversammlung in Malta; CoESS, Positionen und Veröffentlichungen zur europäischen Cybersicherheitsregulierung, zur öffentlichen Auftragsvergabe und zum Sozialpartner-Arbeitsprogramm 2026–2028.

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