Fünf IT-Schlüsseltrends für 2026

Januar 2, 2026

Einschätzung des Vereins zur Förderung von IT aus Europa (ITE)

Globale Lieferengpässe, neue europäische Regulierungen und der wachsende Anspruch an digitale Souveränität stellen Unternehmen 2026 vor strategische Weichenstellungen. Nach Einschätzung des Vereins zur Förderung von IT aus Europa (ITE) verändern diese Faktoren zunehmend, wie IT-Infrastrukturen geplant, beschafft und betrieben werden. Für europäische IT-Anbieter und -Anwender zeichnen sich dabei fünf zentrale Entwicklungen ab, die das kommende Jahr maßgeblich prägen werden.

1. Speicherknappheit und steigende Preise bei RAM und SSDs

Der anhaltende KI- und Cloud-Boom bindet weltweit Produktionskapazitäten für leistungsfähige Speicherbausteine. In der Folge werden klassische DRAM-Module und SSDs für Server, Arbeitsplatzrechner und Edge-Systeme knapper und teurer. Unternehmen sind daher gezwungen, ihre Speicherstrategien frühzeitig zu planen, Bedarfe zu bündeln und alternative Beschaffungsmodelle zu prüfen. An Bedeutung gewinnen langfristige Liefervereinbarungen sowie Anbieter, die Transparenz über ihre Lieferketten herstellen können. Laut ITE wird diese Situation mindestens die erste Hälfte des Jahres 2026 prägen.

2. Digitale Souveränität als Beschaffungsfaktor

Die Diskussion um digitale Souveränität hat sich von einer politischen Debatte zu einem operativen Entscheidungskriterium entwickelt. Neben Preis und Performance rücken Aspekte wie Datenhoheit, rechtssichere Datenverarbeitung nach EU-Recht sowie die Verfügbarkeit von Komponenten stärker in den Fokus. Für Unternehmen bedeutet dies, dass IT-Beschaffungs- und Betriebsmodelle auch geopolitische Risiken und neue Berichtspflichten berücksichtigen müssen. Betroffen sind dabei nicht nur IT-Abteilungen, sondern auch Einkauf, Compliance- und Security-Verantwortliche sowie das operative Management.

3. Souveräne Cloud-Angebote und europäische Datenräume

Souveräne Cloud-Plattformen und europäische Datenräume entwickeln sich zunehmend zu realen Alternativen im Markt. Im Mittelpunkt stehen kontrollierbare Multi-Cloud-Architekturen, klar definierte Exit-Strategien und eine konsequente Datenhaltung nach europäischem Recht. Anbieter mit europäischer Wertschöpfung und DSGVO-konformen Services können diese Anforderungen zunehmend mit technischer Qualität verbinden und sich damit differenzieren.

4. Europäische Halbleiterstrategie: Wirkung mit Verzögerung

Mit dem EU-Chips-Act und nationalen Förderprogrammen verfolgt Europa das Ziel, seine Abhängigkeiten bei Halbleitern zu reduzieren. Neue Fertigungskapazitäten befinden sich im Aufbau, werden jedoch erst in den kommenden Jahren ihre volle Wirkung entfalten. Kurz- und mittelfristig bleiben Engpässe bei Speicherchips und bestimmten Logikbausteinen bestehen. Für europäische IT-Hersteller gewinnt es daher an strategischer Bedeutung, frühzeitig Partnerschaften mit europäischen Produktionsstandorten einzugehen und die Herkunft zentraler Komponenten in die Produktplanung einzubeziehen.

5. Lieferketten, Nachhaltigkeit und neue Nachweispflichten

Regulatorische Anforderungen wie die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und die schrittweise Einführung des Digital Product Passport erhöhen den Druck auf Unternehmen, transparente Informationen zu Emissionen, Materialeinsatz und Lieferketten bereitzustellen. Auch wenn in Deutschland noch Unsicherheiten bei der konkreten Ausgestaltung bestehen, ist absehbar, dass Scope-3-Emissionen, Recyclingfähigkeit und Herkunft von IT-Produkten künftig stärker in Ausschreibungen berücksichtigt werden. Anbieter, die strukturierte Daten liefern und kurze, europäische Lieferketten vorweisen können, verbessern damit ihre Marktposition deutlich.

Europäische IT-Anbieter als Vertrauensfaktor

Die Kombination aus globalen Unsicherheiten, regulatorischem Druck und dem Wunsch nach digitaler Eigenständigkeit stärkt IT-Anbieter mit hoher europäischer Wertschöpfung. Insbesondere öffentliche Auftraggeber und Betreiber kritischer Infrastrukturen setzen verstärkt auf Partner, die Datensicherheit, Nachhaltigkeit und Herkunft nachvollziehbar belegen können. Europäische Anbieter gewinnen damit an Bedeutung als Stabilitäts- und Vertrauensfaktor im Markt.

„2026 wird zeigen, ob Europa seine IT-Abhängigkeiten tatsächlich verringert oder lediglich verlagert“, sagt Christian Herzog, Vorstand des Vereins zur Förderung von IT aus Europa (ITE) und Geschäftsführer der EXTRA Computer GmbH. „Unternehmen, die ihre IT an europäischen Wertschöpfungsketten, klarer Datenhoheit und nachvollziehbarer Nachhaltigkeit ausrichten, sind weniger anfällig für Engpässe und können neue regulatorische Anforderungen leichter erfüllen.“

Über den Verein zur Förderung von IT aus Europa (ITE)

Der Verein zur Förderung von IT aus Europa (ITE) wurde am 16. Mai 2025 in Giengen gegründet. Ziel des Vereins ist es, digitale Souveränität im europäischen IT-Sektor zu stärken und unabhängige, nachhaltige sowie qualitativ hochwertige IT-Lösungen zu fördern. Dies geschieht durch Verbands- und Öffentlichkeitsarbeit sowie ein mehrstufiges Gütesiegel, das IT-Hardware, Software, Dienstleistungen und Forschungsprojekte mit hohem Anteil europäischer Wertschöpfung, DSGVO-Konformität und definierten Nachhaltigkeitskriterien auszeichnet.

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