Kommentar: Das nächste Schlagwort rollt durchs Sicherheitsdorf

Juni 27, 2026

Kaum hat sich die Sicherheitsbranche an Digitalisierung, NIS2, DORA oder Künstliche Intelligenz abgearbeitet, zieht bereits die nächste Sau durchs Dorf: Digitale Souveränität. Wieder werden Strategiepapiere geschrieben, Konferenzen veranstaltet und neue Leitbilder formuliert. Zweifelsohne steckt hinter dem Begriff ein berechtigtes Anliegen. Doch die Erfahrung lehrt: Schlagwörter allein machen weder Unternehmen noch Kritische Infrastrukturen sicherer.

In den vergangenen Jahren ist vor allem eines gewachsen – die Bürokratie. Dokumentationspflichten, Compliance-Nachweise und regulatorische Vorgaben beschäftigen inzwischen ganze Abteilungen. Gleichzeitig fehlen vielerorts weiterhin grundlegende Maßnahmen: aktuelle Systeme, qualifiziertes Personal, belastbare Sicherheitskonzepte und ausreichende Investitionen in die operative Cyberabwehr.

Natürlich ist technologische Unabhängigkeit ein wichtiges Ziel. Aber digitale Souveränität darf nicht zur nächsten Marketingfloskel oder zum Synonym für neue Vorschriften werden. Sicherheit entsteht nicht durch immer neue Begriffe, sondern durch konsequente Umsetzung, robuste Technik und praktikable Lösungen. Wer lediglich das Etikett austauscht, ohne die eigentlichen Probleme zu lösen, gewinnt vor allem eines: mehr Papier.

Vielleicht wäre es an der Zeit, weniger Energie in das nächste Schlagwort zu investieren und stattdessen die vorhandenen Sicherheitslücken konsequent zu schließen. Denn Resilienz entsteht nicht auf Podiumsdiskussionen, sondern im Rechenzentrum, in Leitstellen und bei den Menschen, die Sicherheit täglich gewährleisten müssen.

Wenn Sie trotzdem mehr zum Thema erfahren wollen – hier unser Grundsatzartikel: https://euro-security.de/digitale-souveranitat-europas-weg-zuruck-zur-technologischen-selbstbestimmung/

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