Während der Westen auf Ölpreise starrt, übersieht er eine weit gravierendere Realität: die extreme Verwundbarkeit der Trinkwasserversorgung im Golfraum.
Über 100 Millionen Menschen im GCC sind auf Entsalzungsanlagen angewiesen – in Ländern wie Kuwait zu rund 90 Prozent. Diese Infrastruktur ist kein Luxus, sondern existenzielle Lebensgrundlage. Und sie ist angreifbar.
Trotzdem dominiert in der Berichterstattung weiterhin ein altbekanntes Narrativ: Energie, Märkte, Ölpreise. Was fehlt, ist die gleiche Dringlichkeit beim Thema Wasser. Dabei ist die Frage eigentlich simpel – und unbequem:
Was ist im Krisenfall systemrelevanter – Öl für die Märkte oder Wasser zum Überleben?
Die aktuellen Angriffe auf Entsalzungsanlagen zeigen, wie schnell aus einer geopolitischen Spannung eine humanitäre Krise werden kann. Städte im Golf verfügen teils nur über wenige Tage Wasserreserve. Fällt diese Infrastruktur aus, steht nicht nur die Versorgung, sondern die Stabilität ganzer Staaten auf dem Spiel.
Dass dieses Risiko international so wenig Aufmerksamkeit bekommt, ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer verzerrten Prioritätensetzung. Energie wird als strategisches Gut verstanden – Wasser offenbar noch immer nicht.
Dabei müsste genau jetzt ein Umdenken einsetzen:
Der Schutz kritischer Wasserinfrastruktur gehört ins Zentrum sicherheitspolitischer Debatten – nicht an den Rand.
Denn ohne Öl kann man wirtschaftliche Verluste ausgleichen.
Ohne Wasser gibt es keine Zeit für Korrekturen.
[ML]

