Kommentar: Papier raus – Digitalisierung bleibt draußen

Juli 10, 2026

Der Deutsche Bundestag schafft zum 1. Oktober nach über 120 Jahren die papierbasierten Anwesenheitslisten ab. Das ist ein überfälliger Schritt. Doch dass dieser Vorgang im Jahr 2026 überhaupt noch als Modernisierung gilt, sagt mehr über den Zustand der Digitalisierung in Deutschland aus als jede Sonntagsrede.

Besonders absurd wirkt der Befund, weil viele Beschäftigte in Deutschland längst digital ihre Anwesenheit dokumentieren – per Zeiterfassungssystem, App, Chipkarte oder digitalem Workflow. In Unternehmen ist dies vielerorts Alltag. Im Parlament hingegen wurde über Jahrzehnte weiter auf Papier gesetzt.

Digitale Abstimmungen bleiben dennoch weiterhin nicht möglich. Damit endet nicht die analoge Kultur des Bundestags, sondern lediglich eines ihrer sichtbarsten Relikte. Wer digitale Transformation glaubwürdig gestalten will, sollte sie zuerst dort leben, wo Gesetze entstehen.

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