Münchner Sicherheitskonferenz – Sicherheitsarchitektur im Stresstest

Februar 15, 2026

Die 62. Ausgabe der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) hat erneut gezeigt, welche sicherheitspolitische und operative Bedeutung das Treffen für Deutschland und seine Partner besitzt. Zwischen dem 13. und 15. Februar 2026 verdichteten sich in der bayerischen Landeshauptstadt globale Krisendynamiken, diplomatische Hochrangigkeit und ein vielschichtiges Versammlungsgeschehen zu einer Lage, die von den Sicherheitsbehörden ein Höchstmaß an Professionalität verlangte. Nach Abschluss der Hauptveranstaltungen zog Bayerns Innenminister Joachim Herrmann eine erste positive Bilanz: Das Einsatzkonzept habe sich „eindrucksvoll bewährt“.

Komplexität als neue Normalität

Internationale Gipfeltreffen stehen seit Jahren unter verschärften Vorzeichen. Hybride Bedrohungen, eine hohe Symbolkraft der Veranstaltung, digitale Mobilisierungspotenziale sowie die latente Gefahr von Störaktionen unterschiedlichster Akteure prägen die Risikobewertung. Für die Sicherheitskräfte bedeutete dies in München eine Gleichzeitigkeit von Personenschutz, Objektschutz, Luftraumsicherung, Verkehrsmanagement und der Gewährleistung der Versammlungsfreiheit.
Rund 5.000 Polizeikräfte aus Bayern, aus anderen Bundesländern sowie vom Bund waren im Einsatz. Erstmals wurden sie zudem von Kontingenten aus fünf europäischen Staaten unterstützt – ein Signal wachsender sicherheitspolitischer Interoperabilität. Diese Internationalisierung ist mehr als Symbolik: Sie steht für gemeinsame Lagebilder, abgestimmte Führungsstrukturen und eingeübte Verfahren in einem Umfeld, in dem Reaktionszeiten und Kommunikationsfähigkeit entscheidend sind.

Schutz hochrangiger Delegationen

Mit etwa 46 Staats- und Regierungschefs sowie mehr als 100 Außen- und Verteidigungsministern erreichte die MSC 2026 erneut eine außergewöhnliche Dichte an Schutzpersonen. Jede einzelne Delegation bringt eigene Sicherheitsanforderungen, Protokolle und Bewegungsmuster mit sich. Das bayerische Konzept setzte hier auf enge Abstimmung zwischen Landes- und Bundesbehörden, klar definierte Verantwortlichkeiten sowie flexible Raum- und Zeitachsen für Transporte und Veranstaltungsorte.
Nach Angaben des Innenministeriums gelang es, trotz dieser Verdichtung die Auswirkungen auf die Münchner Bevölkerung so gering wie möglich zu halten. Verkehrsmaßnahmen wurden lageabhängig angepasst, Sperrungen zeitlich begrenzt und Umleitungen frühzeitig kommuniziert. Damit verfolgten die Behörden einen Ansatz, der Sicherheit und öffentliche Akzeptanz gleichermaßen berücksichtigt.

Versammlungen in außergewöhnlicher Größenordnung

Parallel zum Konferenzprogramm fanden im Stadtgebiet zahlreiche Kundgebungen statt. Insgesamt wurden 17 Versammlungen mit zusammen rund 260.000 Teilnehmenden registriert. Allein auf der Theresienwiese versammelten sich in der Spitze etwa 250.000 Menschen – eine der größten Demonstrationen der vergangenen Jahre in München.
Aus polizeilicher Sicht lag die Herausforderung weniger in einzelnen Störungen als in der schieren Dimension, der notwendigen Trennung unterschiedlicher Lager sowie der sicheren Lenkung der Besucherströme. Dass die Veranstaltungen weitgehend friedlich verliefen, werten die Verantwortlichen als Beleg für eine differenzierte Einsatzstrategie, die kommunikative Maßnahmen, sichtbare Präsenz und konsequentes Einschreiten bei Straftaten miteinander verband.

Drohnenabwehr als fester Bestandteil

Ein besonderes Augenmerk lag erneut auf dem Schutz des Luftraums. Die in der Innenstadt sowie im Umfeld des Flughafens eingesetzten Systeme zur Detektion und Abwehr unbemannter Fluggeräte wurden von Bund und Ländern gemeinsam betrieben. Nach der ersten Bewertung haben sich diese Fähigkeiten voll bewährt. Sie sind mittlerweile integraler Bestandteil moderner Großlagen und verdeutlichen, wie technologische Entwicklungen die klassischen Dimensionen der Gefahrenabwehr erweitern.

Europäische Unterstützung als Novum

Die Mitwirkung von Polizeikräften aus Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Frankreich und Tschechien markierte eine neue Qualität der Zusammenarbeit. Neben der operativen Entlastung hatte diese Kooperation auch einen politischen Gehalt: Sicherheit wird im europäischen Kontext zunehmend als gemeinsame Aufgabe verstanden. Gemeinsame Einsätze fördern Standardisierung, Vertrauen und praktische Erfahrung – Grundlagen für künftige Unterstützungsleistungen bei internationalen Ereignissen.

Flughafen als zweite sicherheitsrelevante Achse

Neben der Münchner Innenstadt bildete der internationale Luftverkehr einen weiteren Schwerpunkt. Das zuständige Präsidium verantwortete An- und Abreise zahlreicher Regierungsmaschinen, Delegationen und Begleitpersonal. Trotz enger Zeitfenster und hoher Frequenz verliefen die Abläufe nach offizieller Darstellung reibungslos – ein Resultat präziser Planung und abgestimmter Schnittstellen zwischen Polizei, Flughafenbetreiber und Bundesbehörden.

Politische Bewertung und Ausblick

Die positive Zwischenbilanz der Staatsregierung unterstreicht, dass sich langfristige Investitionen in Ausbildung, Technik und länderübergreifende Kooperation auszahlen. Gleichzeitig macht die MSC deutlich, dass die Anforderungen weiter steigen. Bedrohungsszenarien entwickeln sich dynamisch, Protestformen verändern sich, und neue Technologien eröffnen sowohl Chancen als auch Risiken.
Für kommende Großereignisse dürfte daher entscheidend sein, die gewonnene Erfahrung systematisch auszuwerten, internationale Partnerschaften zu vertiefen und den Dialog mit der Stadtgesellschaft fortzuführen. München bleibt damit ein Labor moderner Sicherheitsarchitektur – unter den Augen der Weltöffentlichkeit und im Spannungsfeld zwischen Freiheit und Schutz.

Related Articles

Brandenburg startet KI-Pilot für digitale Ausländeranträge

Das Ministerium des Innern und für Kommunales Brandenburg erweitert sein bundesweit genutztes Online-System „Aufenthalt Digital“ um eine neue Komponente auf Basis Künstlicher Intelligenz. Ziel des Pilotprojekts ist es, die Qualität digital eingereichter Anträge zu...

Warme Weichen machen Züge dank KI pünktlich

Sensoren sorgen für funktionierenden Bahnbetrieb in Skandinavien auch in sehr harten Wintern Weichen, die sich aufgrund von Vereisung oder großen Schneeansammlungen nicht stellen lassen, führen zu massiven Verspätungen, manchmal sogar zu Zugausfällen. Sie zu beheizen,...

Share This