Neuer Flughafen im Süden von Bukarest

Februar 3, 2026

Binghatti Aerocity als strategisches Infrastrukturprojekt für Rumänien

Mit dem Projekt Binghatti Aerocity entsteht im südlichen Ballungsraum von Bukarest ein neues internationales Luftverkehrsdrehkreuz, das die strukturellen Kapazitätsengpässe der rumänischen Luftfahrt nachhaltig adressieren soll. Das Vorhaben gilt als eines der ambitioniertesten Infrastrukturprojekte des Landes und wird von der rumänischen Regierung sowie lokalen Behörden ausdrücklich unterstützt. Ziel ist es, den seit Jahren überlasteten internationalen Flughafen Henri Coandă (Otopeni) zu entlasten und zugleich die internationale Anbindung sowie die wirtschaftliche Entwicklung Rumäniens und Osteuropas zu stärken.

Das Projekt wird im Rahmen eines Joint Ventures zwischen Jetstream und Property Sud Invest realisiert. Der Ausbau erfolgt in drei Phasen. Bereits in der ersten Ausbaustufe ist eine Kapazität von rund 12 bis 15 Millionen Passagieren sowie 100.000 Tonnen Luftfracht pro Jahr vorgesehen. Langfristig soll Binghatti Aerocity mehr als 40 Millionen Passagiere und bis zu 500.000 Tonnen Fracht jährlich abfertigen können. Für das Projekt wurden über 2.000 Hektar Fläche gesichert, ergänzt um weitere Flächen für eine Hafen- und Logistikanbindung. Nach Angaben der Projektverantwortlichen wurden bislang keine wesentlichen Einwände seitens der Grundstückseigentümer erhoben.

Die planerische Grundlage für das Projekt wurde von international tätigen Ingenieur- und Architekturbüros erarbeitet. Der Masterplan entstand in Zusammenarbeit zwischen Surbana Jurong und dem britischen Architekturbüro Scott Brownrigg. Beide Unternehmen bringen umfassende Erfahrung aus internationalen Großprojekten im Bereich Verkehrs- und Flughafeninfrastruktur ein. Nach Angaben der Projektleitung unterstreicht diese Konstellation den Anspruch, Binghatti Aerocity nach internationalen Standards zu entwickeln und langfristig wettbewerbsfähig zu positionieren.

Auch auf politischer Ebene ist das Projekt breit abgestützt. Es ist Bestandteil des nationalen strategischen Entwicklungsplans Rumäniens und wird sowohl von der Stadtverwaltung Bukarest als auch vom Bezirksrat Giurgiu und der Verwaltung des 4. Bukarester Sektors unterstützt. Die Nähe zu bestehenden Verkehrsachsen spielt dabei eine zentrale Rolle. Geplant ist eine direkte Anbindung an die südliche Ringstraße von Bukarest. Zusätzlich soll eine neue Einschienenbahn eine schnelle Verbindung in das Stadtzentrum ermöglichen. Parallel dazu ist die Modernisierung einer angrenzenden Hauptbahnstrecke vorgesehen, einschließlich des Ausbaus eines nahegelegenen Bahnhofs.

Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts liegt auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Im Kontext internationaler Entwicklungen im Flughafenwesen werden Konzepte zur Integration erneuerbarer Energien, lokaler Speicherlösungen und zur Elektrifizierung von land- und luftseitigen Betriebsprozessen geprüft. Dazu zählen unter anderem elektrische Bodenabfertigungsgeräte sowie die infrastrukturelle Vorbereitung auf künftige Technologien wie Wasserstoff und nachhaltige Flugkraftstoffe. Ziel ist es, den neuen Flughafen von Beginn an auf eine kohlenstoffärmere Betriebsweise auszurichten.

Finanziell bewegt sich Binghatti Aerocity in einer neuen Größenordnung für den rumänischen Luftfahrtsektor. Die bisherigen Investitionen haben nach Projektangaben bereits 150 Millionen Euro überschritten, während das Gesamtinvestitionsvolumen mit rund 2,5 Milliarden Euro beziffert wird. Parallel dazu signalisiert der Markt frühzeitig Interesse. Mehrere internationale Fluggesellschaften, darunter Wizz Air, Ryanair und Turkish Airlines, sowie weitere internationale Carrier haben ihr grundsätzliches Interesse an einer künftigen Nutzung des neuen Flughafens bekundet.

Auch internationale Investoren begleiten das Projekt. Zu den Partnern zählen unter anderem Wall Street Capital Partners, die das Projekt als langfristigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung Rumäniens einordnen. Aus Sicht der Investoren geht Binghatti Aerocity über den klassischen Flughafenbetrieb hinaus und soll als multimodales Infrastruktur- und Wirtschaftscluster wirken, das Logistik, Mobilität und internationale Anbindung bündelt.

Vor dem Hintergrund wachsender Passagierzahlen, steigender Frachtvolumina und zunehmender Anforderungen an Sicherheit, Resilienz und Nachhaltigkeit zeigt das Projekt exemplarisch, wie neue Flughafeninfrastruktur in Europa konzipiert wird. Binghatti Aerocity steht damit nicht nur für eine Kapazitätserweiterung, sondern für einen strukturellen Modernisierungsschritt im rumänischen Luftverkehr. Sollte das Projekt wie geplant realisiert werden, könnte es Rumänien langfristig als relevanten Knotenpunkt im europäischen Luftfahrt- und Logistiknetz positionieren.

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