NRW Sicherheitstag 2026: Warum Wirtschaftsschutz heute Chefsache ist

Juni 30, 2026

Der Sommer zeigte sich von seiner besten Seite, als sich am 24. Juni rund 200 Entscheiderinnen und Entscheider aus Unternehmen, Behörden, Wissenschaft und Politik auf dem Gelände des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln trafen. Doch während draußen hochsommerliche Temperaturen herrschten, bestimmten im Konferenzsaal Themen die Diskussion, die kaum aktueller sein könnten: geopolitische Spannungen, hybride Angriffe, Cyberkriminalität und die Frage, wie Unternehmen in einer zunehmend unsicheren Welt widerstandsfähig bleiben können.

Unter dem Leitmotiv „Zwischen Geopolitik und Unternehmensrealität – Wirtschaftsschutz als Erfolgsfaktor“ hatte die ASW West e.V. zum 21. NRW Sicherheitstag eingeladen. Die Veranstaltung machte deutlich, dass Wirtschaftsschutz heute weit über klassische Sicherheitsmaßnahmen hinausgeht. Er entwickelt sich immer stärker zu einer strategischen Managementaufgabe, bei der Unternehmen, Sicherheitsbehörden und Wissenschaft gemeinsam Lösungen entwickeln müssen.

Sicherheit ist kein Randthema mehr

Noch vor wenigen Jahren standen beim Thema Unternehmenssicherheit häufig einzelne Risiken oder technische Schutzmaßnahmen im Mittelpunkt. Heute hat sich das Bild grundlegend verändert. Internationale Krisen, digitale Angriffe, wirtschaftliche Abhängigkeiten und immer komplexere regulatorische Anforderungen wirken gleichzeitig auf Unternehmen ein. Sicherheitsstrategien müssen deshalb deutlich umfassender gedacht werden als früher.

Genau diese Entwicklung zog sich wie ein roter Faden durch den gesamten NRW Sicherheitstag. Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft des nordrhein-westfälischen Innenministers Herbert Reul, der persönlich nach Köln gekommen war und mit seiner Einschätzung der aktuellen Sicherheitslage einen der inhaltlichen Höhepunkte setzte. Gleichzeitig bot der Sicherheitstag zahlreiche Gelegenheiten für den Austausch zwischen Wirtschaft, Behörden und Forschung – eine Vernetzung, die angesichts der aktuellen Bedrohungslage immer wichtiger wird.

Forschung als Fundament moderner Resilienz

Dass Sicherheit bereits lange vor einer Krise beginnt, machte Dr. Melanie von der Wiesche, Leiterin der DLR-Standorte West, bereits zur Eröffnung deutlich. Forschung sei heute ein entscheidender Baustein für den Schutz kritischer Infrastrukturen und die Entwicklung resilienter Systeme. Wer zukünftige Risiken frühzeitig verstehen wolle, müsse wissenschaftliche Erkenntnisse konsequent in praktische Schutzkonzepte übertragen.

Gerade Einrichtungen wie das DLR beschäftigten sich intensiv mit Fragestellungen rund um Resilienz, technologische Entwicklungen und den Schutz kritischer Infrastrukturen. Dadurch werde deutlich, dass Sicherheit längst nicht mehr ausschließlich aus Reaktion auf konkrete Vorfälle bestehe, sondern bereits bei der Analyse möglicher zukünftiger Bedrohungen beginne.

Leben mit dem „New Normal“

An diesen Gedanken knüpfte Christian Vogt, Vorstandsvorsitzender der ASW West, an. Seine zentrale Botschaft lautete: Unsicherheit ist keine vorübergehende Ausnahme mehr, sondern zunehmend Normalität.

Unternehmen müssten deshalb ihre Sicherheitsstrategien an eine Welt anpassen, die sich immer schneller verändert. Klassische Silostrukturen seien dafür nicht mehr ausreichend. Wirtschaftsschutz müsse ressortübergreifend organisiert werden und sowohl organisatorische als auch technologische Aspekte miteinander verbinden.

Besonders prägend war dabei der Begriff „Flexicurity“, den Vogt als Leitbild für modernes Sicherheitsmanagement beschrieb. Dahinter steht die Idee, Sicherheit nicht als starres System zu verstehen, sondern mit Flexibilität und Anpassungsfähigkeit zu kombinieren. Unternehmen müssten ihre Organisation so aufstellen, dass sie auch auf unvorhersehbare Entwicklungen schnell reagieren können, ohne ihre Stabilität zu verlieren. Gerade angesichts geopolitischer Krisen und dynamischer Bedrohungslagen werde diese Kombination zunehmend zum Erfolgsfaktor.

Herbert Reul: Sicherheit ist Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg

Mit großer Aufmerksamkeit wurde anschließend der Vortrag von Herbert Reul, Minister des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen, verfolgt.

Seine Analyse fiel eindeutig aus: Die Sicherheitslage habe sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Politisch motivierte Kriminalität, Extremismus und Cybercrime verlagerten sich immer stärker in digitale Räume und beträfen Staat und Wirtschaft gleichermaßen. Angriffe auf Unternehmen seien längst keine Ausnahmeerscheinungen mehr, sondern Teil einer komplexen Bedrohungslage, die kontinuierlich zunehme.

Dabei machte Reul deutlich, dass wirtschaftlicher Erfolg ohne Sicherheit kaum denkbar sei. Unternehmen benötigten stabile Rahmenbedingungen, um investieren, produzieren und Innovationen vorantreiben zu können. Wirtschaftsschutz dürfe deshalb nicht ausschließlich Aufgabe einzelner Sicherheitsabteilungen sein. Vielmehr müsse er auf Führungsebene verankert werden und Teil strategischer Unternehmensentscheidungen werden.

Ebenso klar formulierte der Minister eine Erkenntnis, die im Verlauf des gesamten Tages mehrfach aufgegriffen wurde: Einen vollständigen Schutz vor allen Risiken werde es niemals geben. Entscheidend sei deshalb, Gefahren möglichst frühzeitig zu erkennen, Risiken realistisch einzuschätzen und präventiv zu handeln. Nur durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und staatlichen Sicherheitsbehörden könne dieses Ziel erreicht werden.

Wirtschaftsschutz lebt vom Austausch

Neben den Fachvorträgen wurde bereits am Vormittag deutlich, welchen Stellenwert der persönliche Dialog inzwischen besitzt. Zwischen den Programmpunkten nutzten zahlreiche Teilnehmende die Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen, neue Kontakte zu knüpfen und aktuelle Entwicklungen zu diskutieren. Gerade in Zeiten hybrider Bedrohungen reicht isoliertes Handeln einzelner Organisationen kaum noch aus. Vielmehr entstehen tragfähige Sicherheitskonzepte dort, wo Unternehmen, Wissenschaft und Behörden ihr Wissen miteinander teilen.

Der NRW Sicherheitstag verstand sich deshalb nicht nur als klassische Fachkonferenz, sondern als Plattform für den Aufbau belastbarer Netzwerke. Dieser Gedanke zog sich sichtbar durch die gesamte Veranstaltung und bildete die Grundlage für die weiteren Diskussionen des Tages.

Hybride Bedrohungen, Desinformation und Resilienz – Sicherheit neu denken

Nach den strategischen Impulsen zur Rolle des Wirtschaftsschutzes rückte der weitere Verlauf des NRW Sicherheitstags die konkreten Bedrohungen in den Mittelpunkt. Die Vorträge machten deutlich, dass Unternehmen heute nicht mehr nur einzelne Risiken absichern müssen. Vielmehr sehen sie sich einem komplexen Geflecht aus geopolitischen Spannungen, gezielter Einflussnahme, digitalen Angriffen und technologischen Umbrüchen gegenüber. Die Grenzen zwischen klassischer Kriminalität, staatlichen Aktivitäten und wirtschaftlichen Interessen verschwimmen zunehmend – und genau darin liegt eine der größten Herausforderungen für den modernen Wirtschaftsschutz.

Wenn Informationen zur Waffe werden

Ein zentrales Thema des Vormittags war die wachsende Bedeutung von Desinformation als Bestandteil hybrider Bedrohungen. Prof. Dr. Hektor Haarkötter von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg zeigte eindrucksvoll auf, wie professionell manipulierte Informationen inzwischen eingesetzt werden, um Gesellschaften zu verunsichern, Vertrauen zu untergraben oder wirtschaftliche Entscheidungen gezielt zu beeinflussen.

Dabei gehe es längst nicht mehr ausschließlich um offensichtliche Falschmeldungen. Moderne Desinformation arbeite häufig subtil, greife reale Ereignisse auf, verändere deren Kontext oder kombiniere wahre und falsche Informationen zu einer glaubwürdigen Erzählung. Unternehmen seien davon ebenso betroffen wie staatliche Institutionen.

Haarkötter machte deutlich, dass das bloße Widerlegen einzelner Falschinformationen heute häufig zu kurz greife. Viel wichtiger sei es, Organisationen und Mitarbeitende frühzeitig widerstandsfähig gegen Manipulationsversuche zu machen. Digitale Medienkompetenz und ein kritischer Umgang mit Informationen seien deshalb längst zu einem wesentlichen Bestandteil moderner Sicherheitsstrategien geworden. Resilienz beginne bereits lange bevor ein Angriff sichtbar werde.

Hybride Angriffe kennen keine Grenzen mehr

Wie eng verschiedene Bedrohungsformen heute miteinander verflochten sind, erläuterte anschließend Bodo Becker, Referatsleiter im Bundesamt für Verfassungsschutz. Seine Analyse machte deutlich, dass staatliche und staatlich unterstützte Akteure längst nicht mehr ausschließlich auf klassische Spionage setzen.

Vielmehr würden digitale Angriffe, Sabotage, Informationsbeschaffung, wirtschaftliche Einflussnahme und Desinformationskampagnen gezielt miteinander kombiniert. Diese hybride Vorgehensweise erschwere die Zuordnung einzelner Angriffe erheblich und erhöhe gleichzeitig den Druck auf Unternehmen, ihre Sicherheitsstrukturen kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Gerade wirtschaftlich bedeutende Unternehmen sowie Betreiber Kritischer Infrastrukturen stünden dabei verstärkt im Fokus. Angriffe zielten nicht nur auf sensible Daten oder technisches Know-how, sondern zunehmend auch auf Lieferketten, Produktionsprozesse oder das Vertrauen in Unternehmen.

Becker unterstrich deshalb die Bedeutung eines ganzheitlichen Wirtschaftsschutzes. Kein Unternehmen könne diesen Herausforderungen allein begegnen. Entscheidend seien belastbare Partnerschaften zwischen Wirtschaft und Sicherheitsbehörden sowie ein kontinuierlicher Informationsaustausch über aktuelle Bedrohungen und Angriffsmuster. Nur so lasse sich die notwendige Reaktionsgeschwindigkeit erreichen.

Geopolitik wird zum Unternehmensrisiko

Während Cyberangriffe und Desinformation häufig unmittelbar sichtbar werden, wirken geopolitische Veränderungen oftmals schleichender – mit zum Teil weitreichenden Folgen für Unternehmen. Dr. Konstantinos Tsetsos richtete den Blick deshalb auf internationale Entwicklungen und deren Auswirkungen auf wirtschaftliche Entscheidungen.

Anhand verschiedener Zukunftsszenarien verdeutlichte er, wie sich die globale Ordnung derzeit verändert. Internationale Machtverschiebungen, technologische Konkurrenz und zunehmende wirtschaftliche Fragmentierung beeinflussen Lieferketten, Investitionsentscheidungen und die strategische Planung vieler Unternehmen unmittelbar.

Seine Botschaft war eindeutig: Unternehmen dürfen geopolitische Entwicklungen nicht länger ausschließlich als außenpolitisches Thema betrachten. Sie entwickeln sich zunehmend zu einem entscheidenden wirtschaftlichen Risikofaktor.

Resilienz bedeute deshalb weit mehr als Krisenmanagement. Unternehmen müssten ihre Strategien kontinuierlich an ein sich wandelndes internationales Umfeld anpassen, Abhängigkeiten kritisch hinterfragen und Risiken langfristig in ihre Unternehmensplanung integrieren. Wer Resilienz lediglich als kurzfristige Reaktion auf einzelne Ereignisse verstehe, werde den zukünftigen Herausforderungen kaum gerecht werden.

Sicherheit wird zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe

An diese Überlegungen knüpfte Generalmajor a. D. Wolfgang Gäbelein an und weitete den Blick noch einmal deutlich über die Unternehmensperspektive hinaus.

Er zeichnete das Bild eines Sicherheitsumfeldes, das sich grundlegend verändert hat. Konflikte der Zukunft würden nicht mehr ausschließlich auf klassischen militärischen Schauplätzen ausgetragen. Digitale Angriffe, Sabotage kritischer Infrastrukturen und hybride Einflussoperationen könnten Staaten ebenso treffen wie Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen.

Vor diesem Hintergrund komme der Wirtschaft eine deutlich größere Bedeutung für die nationale Sicherheitsarchitektur zu als noch vor wenigen Jahren. Verteidigungsfähigkeit sei längst keine reine Aufgabe staatlicher Institutionen mehr. Auch Unternehmen, Verwaltungen und gesellschaftliche Akteure müssten ihren Beitrag leisten, um kritische Funktionen dauerhaft aufrechterhalten zu können.

Besonders hob Gäbelein die Bedeutung vernetzter Strukturen hervor. Dezentrale Lösungen, belastbare Kooperationen und die enge Verzahnung von Wirtschaftsschutz und nationaler Sicherheit seien wesentliche Voraussetzungen, um auf zukünftige Krisen flexibel reagieren zu können. Sicherheit werde damit immer stärker zu einer gemeinsamen Verantwortung aller gesellschaftlichen Akteure.

Gemeinsame Erkenntnis: Resilienz ist kein Projekt mit Enddatum

Ob Desinformation, Cyberangriffe oder geopolitische Veränderungen – trotz unterschiedlicher Perspektiven führten alle Vorträge zu einer gemeinsamen Schlussfolgerung. Resilienz entsteht nicht spontan in einer Krise. Sie muss langfristig aufgebaut, regelmäßig überprüft und kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Dabei zeigte sich auch, dass moderne Sicherheit weit über technische Lösungen hinausgeht. Unternehmenskultur, Führung, Zusammenarbeit und der kontinuierliche Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Sicherheitsbehörden entwickeln sich zunehmend zu den entscheidenden Faktoren erfolgreicher Sicherheitsstrategien.

Gerade diese enge Verzahnung unterschiedlicher Kompetenzen machte den NRW Sicherheitstag 2026 zu mehr als einer klassischen Fachveranstaltung. Die Diskussionen verdeutlichten, dass Wirtschaftsschutz heute nur dann wirksam sein kann, wenn alle Beteiligten bereit sind, Wissen zu teilen, voneinander zu lernen und gemeinsam Verantwortung für die Resilienz von Wirtschaft und Gesellschaft zu übernehmen.

Von Regulierung bis Resilienz – Wirtschaftsschutz braucht Zusammenarbeit

Mit den geopolitischen Entwicklungen und hybriden Bedrohungen rückte am Nachmittag die Frage in den Mittelpunkt, wie Unternehmen ihre Widerstandsfähigkeit konkret stärken können. Dabei wurde deutlich, dass Resilienz heute weit mehr umfasst als technische Schutzmaßnahmen. Sie entsteht durch das Zusammenspiel von Organisation, Prozessen, Führung und einer engen Kooperation zwischen Wirtschaft, Behörden und Wissenschaft. Genau diese Perspektive prägte die abschließenden Vorträge des NRW Sicherheitstags.

Kritische Infrastrukturen als Rückgrat der Gesellschaft

Wie eng Unternehmenssicherheit und die Stabilität eines ganzen Landes miteinander verbunden sind, verdeutlichte Stefan Engelbrecht, Leiter Konzernsicherheit der RWE AG und Vorstandsmitglied der ASW West e.V. Am Beispiel der Energieversorgung machte er deutlich, dass Kritische Infrastrukturen weit mehr sind als einzelne Wirtschaftsbereiche. Sie bilden die Grundlage für das Funktionieren moderner Gesellschaften.

Fällt die Energieversorgung aus oder wird sie gezielt angegriffen, bleiben die Auswirkungen nicht auf einzelne Unternehmen beschränkt. Lieferketten geraten ins Stocken, Produktionsprozesse stehen still und öffentliche Einrichtungen können ihre Aufgaben nur noch eingeschränkt erfüllen. Der Schutz Kritischer Infrastrukturen ist deshalb untrennbar mit der Resilienz Deutschlands verbunden.

Engelbrecht hob zugleich hervor, dass sich die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Sicherheitsbehörden in den vergangenen Jahren deutlich intensiviert habe. Besonders der Austausch sicherheitsrelevanter Informationen sei heute wesentlich enger als noch vor einigen Jahren. Diese Entwicklung bezeichnete er als wichtigen Fortschritt für den Wirtschaftsschutz, machte aber gleichzeitig deutlich, dass der Ausbau gemeinsamer Netzwerke konsequent fortgesetzt werden müsse. Resilienz könne nur entstehen, wenn Informationen schnell geteilt und Erfahrungen gemeinsam genutzt werden.

Regulatorik als Chance statt als Pflichtprogramm

Kaum ein Thema beschäftigt Sicherheitsverantwortliche derzeit so intensiv wie die Vielzahl neuer gesetzlicher Anforderungen. Mit NIS2, dem geplanten KRITIS-Dachgesetz und dem Cyber Resilience Act (CRA) entstehen neue Vorgaben, die Unternehmen organisatorisch und technisch vor erhebliche Aufgaben stellen.

Marius Wiersch von HiSolutions plädierte jedoch dafür, diese Entwicklung nicht ausschließlich als regulatorische Belastung zu betrachten. Wer neue Vorschriften lediglich als Checkliste verstehe und einzelne Anforderungen abhake, werde den eigentlichen Mehrwert verfehlen.

Stattdessen sollten Unternehmen die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen nutzen, um ihre Sicherheitsorganisation langfristig weiterzuentwickeln. Ziel müsse es sein, nachhaltige Strukturen aufzubauen, Verantwortlichkeiten klar zu definieren und Sicherheitsprozesse dauerhaft im Unternehmen zu verankern. Resilienz entstehe nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch eine Sicherheitskultur, die organisatorische, technische und personelle Aspekte miteinander verbindet.

Neue Technologien eröffnen Chancen – und schaffen neue Risiken

Den fachlichen Schlusspunkt setzte Dr. Daniel Lichte, Leiter der Abteilung Resilienz- und Risikomethodik am DLR-Institut für den Schutz terrestrischer Infrastrukturen.

Anhand des Beispiels der Drohnenabwehr zeigte er, wie rasant sich technologische Entwicklungen auf das Sicherheitsumfeld auswirken. Unbemannte Flugsysteme eröffnen zahlreiche wirtschaftliche Einsatzmöglichkeiten, können gleichzeitig jedoch erhebliche Risiken für Unternehmen und Betreiber Kritischer Infrastrukturen darstellen.

Lichte machte deutlich, dass wirksame Schutzmaßnahmen nur auf Grundlage fundierter Risikoanalysen entwickelt werden können. Unternehmen müssten neue Technologien deshalb nicht nur hinsichtlich ihrer Potenziale bewerten, sondern gleichzeitig mögliche Missbrauchsszenarien berücksichtigen. Eine realistische Bedrohungsanalyse bilde die Voraussetzung dafür, geeignete Schutzkonzepte zu entwickeln und Investitionen zielgerichtet einzusetzen.

Mehr als Vorträge – eine Plattform für den Dialog

Neben dem umfangreichen Fachprogramm lebte der NRW Sicherheitstag vor allem vom persönlichen Austausch. Während der Pausen nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit, aktuelle Entwicklungen zu diskutieren, Erfahrungen aus der Praxis auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.

Großes Interesse fand auch die begleitende Ausstellung der Partner und Sponsoren, die Einblicke in aktuelle Lösungen und Entwicklungen rund um den Wirtschaftsschutz bot. Dabei ging es nicht allein um Technologien, sondern ebenso um Kooperationen und gemeinsame Strategien zur Bewältigung zukünftiger Herausforderungen.

Auch NRW-Innenminister Herbert Reul nahm sich Zeit für einen Rundgang durch die Ausstellung und suchte das persönliche Gespräch mit den ausstellenden Unternehmen. Gerade diese unmittelbaren Begegnungen zwischen Politik, Wirtschaft und Sicherheitsverantwortlichen unterstrichen den Netzwerkcharakter der Veranstaltung.

Ein Blick hinter die Kulissen des DLR

Zum Abschluss des Veranstaltungstages öffnete das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt seine Türen für eine Geländeführung. Interessierte Teilnehmende erhielten Einblicke in die Arbeit des Forschungsstandorts und konnten erleben, welche Rolle wissenschaftliche Einrichtungen bei der Entwicklung zukunftsfähiger Sicherheits- und Resilienzkonzepte spielen.

Im Anschluss verlagerte sich der Austausch auf die Terrasse des DLR-Casinos, wo ein gemeinsames BBQ den offiziellen Schlusspunkt setzte. In entspannter Atmosphäre wurden die Gespräche aus den Fachvorträgen fortgeführt, Kontakte vertieft und neue Kooperationen angestoßen – ein Ausklang, der den offenen Charakter des NRW Sicherheitstags noch einmal unterstrich.

Ein Gemeinschaftswerk mit vielen Beteiligten

Eine Veranstaltung dieser Größenordnung lebt vom Engagement zahlreicher Mitwirkender. Die ASW West sprach deshalb ihren Dank an alle Referentinnen und Referenten, Teilnehmenden, Partner und Sponsoren aus, die den NRW Sicherheitstag 2026 mit ihrer Expertise und ihrer Unterstützung ermöglicht haben.

Besonderer Dank galt dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) als Gastgeber sowie Dr. Melanie von der WiescheHerrn Langerbeins und dem gesamten Organisationsteam für die enge Zusammenarbeit und die Gastfreundschaft. Ebenfalls gewürdigt wurden Henning Voß vom Verfassungsschutz des Innenministeriums Nordrhein-Westfalen sowie die Geschäftsführung der NRW-Sicherheitspartnerschaft für die professionelle Moderation des Veranstaltungstages.

Darüber hinaus bedankte sich die ASW West ausdrücklich bei ihrem Vorstandsvorsitzenden Christian Vogt, Geschäftsführerin Britta BrischPetra BrinkmannJulia Gun sowie dem gesamten Organisationsteam, das den 21. NRW Sicherheitstag mit großem Engagement vorbereitet und umgesetzt hatte.

Fazit: Sicherheit wird zum Wettbewerbsfaktor

Der 21. NRW Sicherheitstag machte deutlich, dass sich Wirtschaftsschutz in einer Zeit geopolitischer Unsicherheiten und technologischer Umbrüche grundlegend verändert. Unternehmen stehen heute vor der Aufgabe, Risiken frühzeitig zu erkennen, ihre Organisation widerstandsfähig auszurichten und Sicherheit als festen Bestandteil unternehmerischer Entscheidungen zu etablieren.

Die Vorträge zeigten aus unterschiedlichen Blickwinkeln, dass Resilienz nicht erst in Krisenzeiten entsteht. Sie ist das Ergebnis kontinuierlicher Vorbereitung, strategischer Planung und einer engen Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Sicherheitsbehörden und Politik.

Ein vollständiger Schutz vor allen Risiken bleibt zwar unerreichbar. Doch genau darin lag die zentrale Botschaft des NRW Sicherheitstags 2026: Entscheidend ist nicht die Illusion absoluter Sicherheit, sondern die Fähigkeit, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und die eigene Widerstandsfähigkeit kontinuierlich auszubauen.

Mit diesem Anspruch endet der Blick auf den NRW Sicherheitstag 2026 – und richtet sich zugleich bereits nach vorn. Die nächste Ausgabe der Veranstaltung ist bereits terminiert: Am 3. Mai 2027 will die ASW West den Dialog über die Zukunft des Wirtschaftsschutzes fortsetzen.

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