Weniger Straftaten, hohe Aufklärungsquoten und ein insgesamt stabiles Sicherheitsgefühl: Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2025 zeichnet für Baden-Württemberg ein positives Gesamtbild. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass sich Kriminalität zunehmend verändert – weg von klassischen Delikten im öffentlichen Raum, hin zu digitalisierten und oftmals unsichtbaren Tatfeldern.
Rückgang der Kriminalität – bestes Ergebnis seit Jahren
Mit rund 522.000 Fällen der Allgemeinkriminalität sinkt die Zahl der Straftaten im Jahr 2025 um 5,7 Prozent. Das entspricht etwa 30.000 Delikten weniger als im Vorjahr und – abgesehen von den Pandemie-Jahren – dem besten Wert der vergangenen Dekade.
Auch die Kriminalitätsbelastung fällt auf einen Tiefstand: 4.643 Straftaten pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner markieren den niedrigsten Wert der letzten zehn Jahre außerhalb der Corona-Zeit. Gleichzeitig bleibt die Aufklärungsquote mit 60,5 Prozent stabil hoch – ein zentraler Indikator dafür, wie wirksam Polizeiarbeit wahrgenommen wird und wie sehr sie das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung beeinflusst.
Öffentlicher Raum: Sicherheit gewinnt sichtbar an Boden
Besonders deutlich fällt der Rückgang im öffentlichen Raum aus. Die Zahl der dort registrierten Straftaten sinkt um 7,6 Prozent auf rund 223.000 Fälle – der niedrigste Stand seit zehn Jahren.
Den größten Anteil machen weiterhin Diebstahlsdelikte, Vermögens- und Fälschungsdelikte sowie Sachbeschädigungen aus. Auch Aggressionsdelikte gehen zurück; gleichzeitig liegt hier die Aufklärungsquote bei überdurchschnittlichen 82 Prozent. Für Städte und Kommunen ist das ein wichtiges Signal, denn Sicherheit auf Straßen, Plätzen und in Verkehrsmitteln beeinflusst unmittelbar die Lebensqualität.
Maßgeschneiderte Sicherheitskonzepte, kommunale Partnerschaften und Waffen- beziehungsweise Messerverbotszonen gelten als wesentliche Bausteine dieser Entwicklung. Ergänzend setzen mehrere Städte verstärkt auf Videoschutz, der künftig unter erleichterten Bedingungen ausgeweitet werden kann.
Gewalt, Sexualdelikte und Messerangriffe: kleine Anteile, große Wirkung
Obwohl Gewaltkriminalität, Sexualstraftaten und Messerangriffe nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Gesamtkriminalität ausmachen, prägen sie das subjektive Sicherheitsgefühl stark.
2025 sind alle drei Deliktbereiche rückläufig: Gewaltkriminalität im öffentlichen Raum sinkt um 6,2 Prozent, Sexualdelikte gehen ebenfalls zurück und Messerangriffe verringern sich um elf Prozent. Gleichzeitig gelingt es der Polizei, einen Großteil dieser Taten aufzuklären – bei Messerangriffen liegt die Quote bei knapp 80 Prozent, bei Tötungsdelikten sogar darüber.
Dennoch bleibt das Thema gesellschaftlich sensibel: Rund jeder fünfte Messerangriff ereignet sich im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs. Prävention, Kontrollen und klare gesetzliche Regelungen bleiben deshalb zentrale Werkzeuge der Sicherheitsstrategie.
Sexualstraftaten rückläufig – Partnerschaftsgewalt steigt
Ein differenzierter Blick zeigt jedoch gegenläufige Entwicklungen. Während Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung insgesamt um 4,5 Prozent zurückgehen – vor allem aufgrund rückläufiger Fälle im Bereich digitaler pornographischer Inhalte – steigt die Partnerschaftsgewalt erneut an und erreicht ein Zehnjahreshoch von rund 17.400 Fällen.
Die Statistik verdeutlicht bekannte Muster: Etwa vier von fünf Opfern sind weiblich, ebenso viele Tatverdächtige männlich. Körperverletzung dominiert das Deliktsfeld, daneben spielen Bedrohung und Stalking eine zentrale Rolle. Die Polizei registriert täglich etwa 50 Fälle von Partnerschaftsgewalt – ein Hinweis darauf, wie groß das Dunkelfeld weiterhin ist.
Neue Instrumente im polizeilichen Gefährdungsmanagement, darunter die Möglichkeit elektronischer Aufenthaltsüberwachung in Hochrisikofällen, sollen künftig den Opferschutz weiter stärken.
Cybercrime: Weniger Fälle, höhere Schäden
Parallel zum Rückgang klassischer Kriminalität verlagern sich viele Delikte zunehmend in den digitalen Raum. Zwar sinkt die Zahl der Cybercrime-Fälle um rund neun Prozent auf etwa 13.600, doch der verursachte Schaden steigt weiter an und erreicht mit mehr als 18 Millionen Euro einen Höchststand.
Besonders herausfordernd: Ein Großteil der digitalen Kriminalität stammt aus dem Ausland. Die Zahl auslandserfasster Cybercrime-Fälle liegt deutlich über den Inlandsdelikten, während die Aufklärungsquoten hier naturgemäß sehr niedrig bleiben.
Auch Straftaten, die das Internet oder IT-Geräte als Tatmittel nutzen – etwa Online-Betrug oder digitale Bedrohungen – verharren auf hohem Niveau. Der wirtschaftliche Schaden nimmt deutlich zu und zeigt, wie stark Cyberrisiken inzwischen Alltag und Wirtschaft prägen.
Telefonbetrug: alte Masche, neue Dimension
Ein besonders dynamisches Phänomen sind betrügerische Anrufstraftaten. Fälle wie „Falscher Polizeibeamter“, Enkeltrick oder Schockanrufe steigen stark an. Zwar bleibt die Versuchsquote extrem hoch, doch auch die Schadenssummen wachsen weiter.
Die Täter agieren häufig aus professionell organisierten Callcentern im Ausland und zielen bewusst auf emotionale Ausnahmesituationen ab – ein Deliktsfeld, bei dem Prävention und Aufklärung eine entscheidende Rolle spielen.
Wohnungseinbrüche halbiert – ein langfristiger Erfolg
Ein klarer Erfolg der vergangenen Jahre zeigt sich bei der Wohnungseinbruchskriminalität. Seit 2015 konnte die Zahl der Einbrüche um mehr als die Hälfte reduziert werden. Spezialisierte Ermittlungsgruppen, länderübergreifende Zusammenarbeit und intensive Präventionsberatung haben dazu beigetragen, dass inzwischen fast jeder zweite Einbruch bereits im Versuchsstadium scheitert.
Gerade weil Einbrüche das Sicherheitsgefühl besonders stark beeinträchtigen, gilt dieser Trend als wichtiger Meilenstein der Polizeiarbeit.
Sicherheit digital erklärt: neue Plattform sicher-bw.de
Mit der neuen Plattform sicher-bw.de setzt Baden-Württemberg zugleich auf moderne Sicherheitskommunikation. Die digitale Weiterentwicklung des bisherigen Sicherheitsberichts macht Daten interaktiv zugänglich und soll Transparenz schaffen. Ein Chatbot unterstützt Nutzerinnen und Nutzer dabei, Zahlen einzuordnen und Themen leichter zu verstehen – ein Ansatz, der in Zeiten von Desinformation zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Fazit
Die PKS 2025 zeigt Baden-Württemberg weiterhin auf einem stabilen Sicherheitsniveau: weniger Straftaten, starke Aufklärungsquoten und eine positive Entwicklung im öffentlichen Raum. Gleichzeitig verschieben sich die Herausforderungen. Häusliche Gewalt, Cybercrime und internationale Betrugsformen verdeutlichen, dass Sicherheit heute weit über klassische Polizeiarbeit hinausgeht.
Für Sicherheitsakteure bedeutet das: Prävention, Digitalisierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit werden immer wichtiger, um nicht nur auf neue Bedrohungen zu reagieren, sondern ihnen frühzeitig entgegenzuwirken.

