Sicherheit durch strukturelle Stärke: Bayerns sicherheitspolitische Agenda für 2026

Januar 2, 2026

Das Jahr 2026 steht für die innere Sicherheit in Deutschland unter besonderen Vorzeichen. Steigende Anforderungen an den Schutz öffentlicher Räume, hybride Bedrohungslagen, migrationspolitische Steuerungsfragen sowie neue technologische Risiken verlangen nach einer strategisch integrierten Antwort. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat zu Jahresbeginn skizziert, wie der Freistaat diesen Herausforderungen begegnen will – und beansprucht dabei erneut eine bundesweite Vorreiterrolle.

Öffentlicher Raum als sicherheitspolitischer Fokus

Ein zentraler Schwerpunkt der bayerischen Sicherheitsstrategie liegt auf der Präsenz und Wirksamkeit der Polizei in Innenstädten und Verkehrsknotenpunkten. Bahnhöfe und urbane Zentren gelten weiterhin als sensible Räume mit erhöhter Gefährdungslage. Bayern setzt hier auf ein Bündel polizeilicher Maßnahmen: verstärkte Fußstreifen gemeinsam mit der Bundespolizei, regelmäßige Schwerpunkt- und Unterstützungseinsätze unter Einbindung geschlossener Einheiten sowie der gezielte Einsatz von Diensthunden zur Bekämpfung der Betäubungsmittelkriminalität im Bahnhofsumfeld.

Ergänzend werden ordnungsrechtliche Instrumente geprüft, darunter Cannabis-Verbotszonen in besonders belasteten Bereichen. Parallel dazu wird die polizeiliche Videoüberwachung an Brennpunkten weiter ausgebaut. Für die Modernisierung und Digitalisierung der Videoinfrastruktur investiert der Freistaat aktuell 3,8 Millionen Euro. Neue Kameras, der Austausch veralteter Systeme und die technologische Vereinheitlichung sollen sowohl die operative Wirksamkeit als auch die Beweisführung stärken. Die ressortübergreifende Arbeitsgruppe „Bayern. 360° Sicherheit“ überprüft dabei bestehende Konzepte und entwickelt sie auf Basis praktischer Einsatzerfahrungen weiter.

Personalaufbau als sicherheitspolitisches Fundament

Ein zentrales Element der bayerischen Sicherheitsarchitektur bleibt der konsequente Ausbau personeller Kapazitäten. Mit mehr als 45.700 Stellen für alle Beschäftigten erreicht die Bayerische Polizei einen historischen Höchststand. Seit 2008 wurden insgesamt 8.700 zusätzliche Stellen geschaffen – ein Ausbau, der in diesem Umfang bundesweit einzigartig ist. Für 2026 sind mindestens 1.400 Neueinstellungen vorgesehen.

Flankiert wird dieser Kurs durch den weiteren Ausbau der Bayerischen Sicherheitswacht. Das Modell der ehrenamtlichen Sicherheitspräsenz soll von derzeit rund 1.500 auf 2.000 Bürgerinnen und Bürger bis zum Jahr 2030 anwachsen. Ziel ist es, sichtbare Präsenz, niedrigschwellige Prävention und gesellschaftliche Mitverantwortung im öffentlichen Raum zu stärken.

Migration, Grenzschutz und europäische Steuerung

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der migrationspolitischen Steuerung. Nach Angaben des Innenministeriums hat sich der Zugang von Asylbewerbern im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbiert. Bayern setzt darauf, diesen Kurs fortzuführen und zugleich die Grenzpolizei weiter zu stärken. Als zentraler Baustein gilt die Einführung des europäischen Entry-Exit-Systems, das an den Flughäfen Memmingen und Nürnberg Ende Januar in Betrieb gehen soll. Es soll die Kontrolle an den EU-Außengrenzen verbessern und irreguläre Migration effektiver erfassen.

Zivil-militärische Zusammenarbeit und neue Bedrohungslagen

Vor dem Hintergrund wachsender hybrider Bedrohungen misst Bayern der Zusammenarbeit zwischen Polizei und Bundeswehr eine steigende Bedeutung bei. Die Teilnahme an der bundesweiten GETEX-Übung im März 2026 soll die gemeinsame Einsatzfähigkeit im Krisenfall stärken, Abläufe einüben und das gegenseitige Verständnis vertiefen. Diese Kooperation gewinnt insbesondere im Bevölkerungsschutz und bei der Abwehr neuer Gefahren an Relevanz.

Ein Beispiel dafür ist der Ausbau der Drohnenabwehr. Eine Task Force bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei arbeitet am Aufbau eines Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrums. Ziel ist es, moderne Detektions- und Abwehrtechnologien mit praxisnaher Einsatzexpertise zu verbinden – in enger Kooperation mit der Bundeswehr, anderen Sicherheitsbehörden und bayerischen Technologieunternehmen. Erste Schwerpunkte liegen an den Flughäfen München, Nürnberg und Memmingen.

Bevölkerungsschutz als strukturelle Aufgabe

Mit dem neuen Landesamt für Bevölkerungsschutz sollen zudem klare Führungs- und Koordinationsstrukturen für Katastrophen- und Zivilschutz geschaffen werden. Ein konkretes Konzept soll bis Ende März vorliegen. Parallel werden Feuerwehren, Rettungsdienste und die luftgestützte Rettung weiter ausgebaut, um die Reaktionsfähigkeit im Krisenfall nachhaltig zu verbessern.

Kommentar: Sicherheit als Voraussetzung für gesellschaftliche Zuversicht

Bayern zeigt mit seiner sicherheitspolitischen Agenda für 2026, dass innere Sicherheit nicht durch Einzelmaßnahmen entsteht, sondern durch langfristige Investitionen, institutionelle Klarheit und den politischen Willen zur Durchsetzung. Der konsequente Personalaufbau, die technologische Modernisierung und die Verzahnung von Polizei, Bevölkerungsschutz und Bundeswehr setzen Maßstäbe, die über den Freistaat hinausweisen.

Gerade deshalb darf diese Entwicklung nicht isoliert bleiben. Sicherheit ist kein regionales Gut, sondern eine nationale Voraussetzung für gesellschaftliche Stabilität und wirtschaftliche Zuversicht. Wenn Deutschland tatsächlich in eine Phase größerer innerer Ruhe und Handlungsfähigkeit zurückfinden will, braucht es bundesweit vergleichbare Anstrengungen: mehr Personal, klarere Zuständigkeiten, realistische Migrationssteuerung und den Mut, neue Bedrohungen offen zu benennen und strukturell zu adressieren. Bayern zeigt, was möglich ist – nun liegt es an Bund und Ländern, daraus eine gemeinsame sicherheitspolitische Erzählung für das ganze Land zu entwickeln.

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