SicherheitsExpo in Klagenfurt: Bekannte Sicherheitsthemen, neuer grenzüberschreitender Blick

Oktober 15, 2026

Zutrittskontrolle, Videoüberwachung, Cyberabwehr und der Schutz Kritischer Infrastrukturen prägen seit Jahren die Programme europäischer Sicherheitsmessen. Die SicherheitsExpo Alpe Adria, die am 14. und 15. Oktober in Klagenfurt erstmals stattfindet, setzt keine grundsätzlich neuen Themen auf die Tagesordnung. Ihr Ansatz ist vielmehr regional: Bekannte technische Lösungen und aktuelle Fragen der Resilienz sollen in einem Wirtschaftsraum diskutiert werden, der Österreich, Slowenien und Nordostitalien verbindet. 45 Aussteller und ein Fachforum verdeutlichen dabei, wie sehr physischer Schutz, digitale Sicherheit und regulatorische Anforderungen inzwischen zusammengehören.

Die großen Themen der Sicherheitswirtschaft sind bekannt. Künstliche Intelligenz in der Videoanalyse, vernetzte Zutrittskontrolle, Schutz vor Cyberangriffen, Drohneneinsatz und die Widerstandsfähigkeit Kritischer Infrastrukturen beschäftigen Veranstalter, Hersteller und Betreiber längst auf zahlreichen europäischen Fachmessen. Auch die SicherheitsExpo Alpe Adria präsentiert diese etablierten Handlungsfelder. Ihre Premiere in Klagenfurt ist deshalb weniger als Schaufenster bislang unbekannter Technologien interessant, sondern als Versuch, einen gemeinsamen fachlichen Treffpunkt für den südösterreichischen und angrenzenden Wirtschaftsraum zu schaffen.
Nach dem unmittelbar vor Messebeginn aktualisierten Stand des Veranstalters nehmen 45 Unternehmen an der zweitägigen Fachmesse in Halle 4 der Kärntner Messe teil. Die SicherheitsExpo ist seit mehr als zwei Jahrzehnten in München präsent, seit 2025 auch in Berlin. Der neue Standort richtet sich an Fachbesucher aus Österreich, Slowenien und Nordostitalien. Damit ist ein geografischer Anspruch verbunden, dessen praktische Tragweite über die Messe hinausreicht: Energieversorgung, Industrie, Verkehr, Logistik und Dienstleistungen organisieren ihre Abläufe vielfach über nationale Grenzen hinweg, während Vorschriften, behördliche Zuständigkeiten und betriebliche Sicherheitsstandards nicht überall deckungsgleich sind. Ob die Klagenfurter Premiere die angestrebte grenzüberschreitende Vernetzung tatsächlich erreicht, werden erst belastbare Angaben zur Besucherstruktur und zur Resonanz der Aussteller zeigen.

Die Sicherheitsdebatte ist bekannt – ihre Umsetzung bleibt anspruchsvoll

Das Fachforum greift vor allem Fragen auf, die in der europäischen Sicherheitswirtschaft ohnehin im Mittelpunkt stehen. Die Messe wurde am 14. Oktober offiziell eröffnet. Die Veranstalter Henning und Thilo Könicke begrüßten das Publikum; die Kärntner Landesrätin Beate Prettner nahm die Eröffnung in Vertretung des Schirmherrn, Landeshauptmann Daniel Fellner, vor. Prettner rückte dabei einen Aspekt in den Vordergrund, der über den klassischen Objektschutz hinausweist: Naturkatastrophen, Cyberangriffe, mögliche Stromausfälle und geopolitische Spannungen könnten zeitgleich wirksam werden. Sicherheit sei deshalb auch ein Standortfaktor und erfordere die Zusammenarbeit von Behörden, Einsatzorganisationen, Forschung und Unternehmen. Das ist keine neue Problembeschreibung, macht aber deutlich, weshalb eine Fachmesse im Dreiländereck über einzelne technische Produkte hinausdenken muss. Die Angaben zur Eröffnung stammen aus einer am 14. Oktober verbreiteten Mitteilung des Landes Kärnten.
Den Auftakt des Fachprogramms bildete nach der Landesmitteilung die Keynote „Die neue Verwundbarkeit – Sicherheit im Zeitalter permanenter Krisen“ von Andreas Holzer, Direktor des österreichischen Bundeskriminalamts, gefolgt von der Podiumsdiskussion „Polykrise als Dauerzustand – Sind unsere Systeme noch beherrschbar?“. Einen eigenständigen empirischen Zugang kündigte das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) mit einem Beitrag von Patricia Rosenauer an: Unter dem Titel „Aus Tätersicht“ ging es um eine Untersuchung mit Strafgefangenen zu Motiven und Vorgehensweisen bei Einbruchsdelikten. Damit rückte neben digitalen Bedrohungen die Perspektive tatsächlicher Täter auf physische Sicherheitsmaßnahmen in den Blick. Konkrete Studienergebnisse und ihre Aussagekraft sind aus der bisher verfügbaren Eröffnungsmitteilung allerdings nicht zu entnehmen; eine inhaltliche Bewertung bleibt der Veröffentlichung der Untersuchung vorbehalten. Fachliche Partner der Messe sind der Verband der Sicherheitsunternehmen Österreichs (VSÖ) und das KFV.
Der grenzüberschreitende Regulierungsbezug wurde im offiziellen Programm auch ausdrücklich an der Gegenüberstellung des österreichischen RKEG und des deutschen KRITIS-DachG sichtbar. Ein angekündigter gemeinsamer Beitrag von Klüh Security und Geutebrück verband dabei Fragen persönlicher Haftung und betrieblicher Nachweisbarkeit mit Videoanalytik und Alarmvorfilterung. Das ist zunächst ein Programmnachweis, kein Beleg für die Qualität oder die Ergebnisse des tatsächlich gehaltenen Vortrags. Inhaltlich zeigt die Themenwahl jedoch, dass Resilienzanforderungen nicht nur abstrakt, sondern entlang unterschiedlicher nationaler Haftungs- und Umsetzungsregeln diskutiert werden sollten.
Am zweiten Tag behandelt das Programm unter anderem das österreichische NISG 2026, die Verbindung von NIS- und RKE-Regelungen mit physischer Standortsicherheit sowie die Frage, wie sich interne Risiken und organisatorische Resilienz bewerten lassen. Dass diese Themen auch andernorts diskutiert werden, schmälert ihre Relevanz nicht. Entscheidend ist, wie Betreiber konkrete Vorgaben in belastbare Abläufe übersetzen: Wer trägt die Verantwortung für einen Sicherheitsvorfall, wie werden physische und digitale Alarmmeldungen zusammengeführt, und welche Nachweise sind im Krisenfall verfügbar? Für international tätige Unternehmen im Alpen-Adria-Raum kommt hinzu, dass die europäischen Rahmenwerke national unterschiedlich umgesetzt und beaufsichtigt werden. Ein gemeinsamer europäischer Begriff von Resilienz ersetzt deshalb nicht die Prüfung der jeweils geltenden Pflichten in Österreich, Slowenien und Italien.

Bekannte Technik, unterschiedliche Einsatzbedingungen

Auch das technische Spektrum der Messe folgt dem etablierten Branchenkanon: Zutrittskontrolle, Brand- und Gefahrenmeldetechnik, Videoüberwachung, Perimeterschutz, IT-Sicherheit und unbemannte Systeme. Nach dem Ausstellerverzeichnis sind unter anderem ASSA ABLOY, LEGIC, Siemens Österreich, PKE und TELENOT vertreten. Einzelne auf LinkedIn angekündigte Präsentationen nennen beispielsweise Video- und Alarmtechnik sowie Produkte für die integrierte Objektsicherung. Aus der bloßen Präsenz einer Technologie lässt sich jedoch keine Produktneuheit ableiten.
Interessant sind vielmehr die konkreten Einsatzszenarien des Fachprogramms. Die Waldbrandfrüherkennung durch Drohnen knüpft an Anforderungen an, die gerade für alpine und waldreiche Regionen relevant sind. Mobile multisensorische Überwachungstürme verbinden bekannte Verfahren wie Thermografie, Akustik, Videoanalyse oder Drohneneinbindung zu einer gemeinsamen Lagebewertung. Beiträge über Open Source Intelligence als Frühwarninstrument und KI-gestützte Videosuche behandeln ebenfalls etablierte Ansätze. Der fachliche Maßstab liegt bei solchen Anwendungen nicht darin, ob sie neu klingen, sondern ob sie sich unter realen Bedingungen zuverlässig einsetzen lassen: Wie hoch sind Fehlalarmquoten, wie werden personenbezogene Daten geschützt, und an welcher Stelle bleibt eine menschliche Bewertung erforderlich?
Damit gewinnt eine oft wenig spektakuläre Frage an Gewicht: die Interoperabilität. Systeme unterschiedlicher Hersteller müssen mit Leitstellen, Gebäudeautomation und betrieblichen Alarmierungsprozessen zusammenarbeiten. Ein konkretes Ausstellerbeispiel liefert die gemeinsame Präsentation von TEKKO Gebäudeautomation und TELENOT: Nach einer öffentlich zugänglichen LinkedIn-Ankündigung zeigen sie in Klagenfurt die Visualisierung und Steuerung von Alarmtechnik sowie die Verknüpfung von Zutritt, Video, Beleuchtung und Energiemanagement. Das ist keine neue Technologiegattung, verdeutlicht aber den praktischen Integrationsbedarf. Gleichzeitig können rechtliche Anforderungen und Zuständigkeiten je nach Standort variieren. Für Unternehmen mit mehreren Niederlassungen ist das häufig eine größere Herausforderung als die Einführung eines weiteren Sensors oder einer zusätzlichen Auswertesoftware.
Eine weitere, für Betreiber bestehender Zutrittsinfrastrukturen konkrete Fragestellung betrifft die Verbindung von physischem Identitätsmanagement und starker digitaler Authentifizierung. Der Aussteller evolutionID stellte gemeinsam mit LEGIC in Klagenfurt den Lebenszyklus von Zutrittsberechtigungen, die Registrierung von Beschäftigten und Dienstleistern sowie die Verwaltung sicherer Ausweismedien in den Mittelpunkt. Ein nach dem ersten Messetag veröffentlichter LinkedIn-Beitrag bestätigt den Messeauftritt und berichtet über Gespräche zu Identitäten, Berechtigungen und Credentials, ohne allerdings überprüfbare Ergebnisse oder Projektabschlüsse zu nennen. Technisch bemerkenswert ist eine vom Unternehmen bereits vor der Messe beschriebene Möglichkeit, FIDO2-Unterstützung auf bestimmten vorhandenen ELATEC-Lesegeräten mit LEGIC-Chipsatz durch Firmware- und Chipbetriebssystem-Updates zu ergänzen. Nach Anbieterangaben entfällt damit unter geeigneten Voraussetzungen der Austausch der Lesegeräte; bestehende Karten müssen jedoch bereits ein geeignetes FIDO-Applet enthalten, da dieses nicht nachträglich installiert werden könne. Es handelt sich um eine herstellerseitig beschriebene Integrationslösung, nicht um einen unabhängig geprüften Messe-Neuheitsnachweis. Gerade diese Einschränkungen verdeutlichen, weshalb bei der Modernisierung von Zutritts- und Authentifizierungssystemen Kompatibilität, Migrationsaufwand und vorhandene Infrastruktur genauer zu prüfen sind als pauschale Innovationsversprechen.

Der eigentliche Prüfstein liegt im regionalen Nutzen

Mit Klagenfurt etabliert der Veranstalter eine weitere Station einer bekannten Messereihe. Ob daraus mehr wird als eine regionalisierte Präsentation bereits verbreiteter Sicherheitslösungen, hängt von der Qualität des fachlichen Austauschs ab. Ein praktischer Mehrwert wäre insbesondere dann erkennbar, wenn Betreiber, Behörden, Planer und Sicherheitsanbieter die Unterschiede zwischen österreichischen, slowenischen und italienischen Rahmenbedingungen konkret diskutieren und daraus tragfähige Kooperationen entwickeln.
Die bisherigen Programm- und Ausstellerinformationen zeigen eine Messe mit vertrauten Technologien und einem aktuellen, aber keineswegs exklusiven Themenspektrum. Ihr unterscheidbares Merkmal ist vorerst der Standort im Alpen-Adria-Raum und der damit verbundene Anspruch, grenzüberschreitende Sicherheitsfragen auf regionaler Ebene zusammenzuführen. Für eine weitergehende Bilanz fehlen zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch belastbare Besucherzahlen, dokumentierte Ergebnisse der Vorträge und unabhängige Aussagen der Teilnehmer.
Die SicherheitsExpo Alpe Adria erfindet die Agenda der Sicherheitsbranche nicht neu. Sie könnte ihr aber einen zusätzlichen Ort geben, an dem aus allgemeinen Forderungen nach Resilienz konkrete betriebliche und grenzüberschreitende Lösungen werden. Ob dieser Anspruch eingelöst wird, muss sich am Ergebnis der Premiere zeigen – nicht an der Vertrautheit ihrer Schlagworte.

Fassung vom 15.10.2026, wird bis zum 19.10.2026 laufend aktualisiert, Stand 16.10.2026

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