Video-KI und Smart Cities 2026

Januar 20, 2026

Wie Regulierung, agentische KI und urbane Plattformen die Sicherheitslandschaft verändern

Von Barry Norton, Fellow, Milestone Systems

Während Städte in Europa ihre digitale Transformation vorantreiben, wird 2026 zu einem entscheidenden Jahr für Video-KI und Smart-City-Technologien. Was vor wenigen Jahren noch experimentell war, wächst zu einem festen Bestandteil der städtischen Infrastruktur. In Deutschland prägt vor allem der EU AI Act diese Entwicklung. Technologien wie agentische KI, digitale Zwillinge und vernetzte urbane Plattformen setzen neue Maßstäbe. Zugleich steigt die Erwartung, dass städtische Systeme datenschutzfreundlich und dennoch eng miteinander verzahnt sind. Dadurch entsteht ein Umfeld, in dem Videoanalysen zu einem regulierten, vernetzten und zunehmend intelligenten Bestandteil urbaner Ökosysteme werden.

Von kontextueller Analyse zu mehr öffentlicher Sicherheit

Ein zentrales Einsatzfeld ist die Echtzeitanalyse von Videos aus öffentlichen Bereichen. Kommunen in Deutschland rücken dabei weg von überwachungsorientierten Lösungen, die auf Identifizierung abzielen, hin zu Systemen, die Muster, Bewegungen, Menschenströme und Auffälligkeiten erkennen. Diese Weiterentwicklung entspricht der Erwartung des Gesetzgebers, dass Video-KI das öffentliche Interesse unterstützt und gleichzeitig die Privatsphäre schützt.

In der Praxis führt das zu mehr Transparenz, strukturierten Risikoabwägungen und einer lückenlosen Nachvollziehbarkeit von Beschaffungsprozessen. Biometrische Identifikationen wie die Echtzeit-Gesichtserkennung bleiben auf eng umrissene Ausnahmefälle beschränkt. In allen anderen Situationen sorgen Anonymisierung und datenschutzfreundliche Verfahren dafür, dass Personen nicht identifizierbar sein müssen. Die Richtung ist klar: Video-KI konzentriert sich darauf, was an einem Ort geschieht, während die Frage, wer dort ist, bewusst in den Hintergrund rückt.

Private Technologien werden Standard in der urbanen Videoanalyse

Parallel zu regulatorischen Vorgaben setzen sich technische Lösungen durch, die Anonymisierung als Grundeinstellung verankern. Anbieter wie das Berliner Unternehmen brighter AI stellen Tools bereit, die Gesichter und Kennzeichen automatisch unkenntlich machen oder synthetisch ersetzen und dabei dennoch aussagekräftige Auswertungen ermöglichen.

In Deutschland werden Videoaufnahmen aus öffentlichen Räumen grundsätzlich anonymisiert verarbeitet, solange kein rechtlich begründeter Bedarf für identifizierbare Daten besteht. Datenschutzfreundliche Technologien gewinnen so an Bedeutung in öffentlichen Ausschreibungen. Viele Systeme analysieren Daten direkt an der Kamera, sodass sensible Informationen bereits vor der Übertragung geschützt sind. Datenschutz entwickelt sich damit zu einem zentralen architektonischen Prinzip urbaner Video-KI.

Die Smart City wächst über Pilotprojekte hinaus

Deutschland hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Smart-City-Pilotvorhaben gefördert. Viele davon erprobten urbane Datenplattformen, Mobilitätsanalysen und KI-gestützte Planungsinstrumente. 2026 beginnt eine neue Phase: Städte skalieren bewährte Module und setzen erfolgreiche Anwendungen an weiteren Standorten ein statt neue, isolierte Testprojekte aufzusetzen.

Dazu gehören Frequenzanalysen durch Objekterkennung wie das Zählen von Fußgänger- und Fahrzeugströmen, die Messung von Verkehrsflüssen und Prognosen zur Auslastung. Sie basieren auf Ereignisdaten wie Bewegungen und Mustern statt individuellen Identifikationen. Bundesprogramme und Leitlinien fördern standardisierte Datenmodelle und Schnittstellen. Das Ergebnis ist ein interoperableres Smart-City-Ökosystem, in das sich Video-KI einfacher in bestehende Systeme etwa für Verkehr, Planung oder Gebäudemanagement einfügen lässt.

Video-KI als zentrale Datenquelle für urbane Plattformen und digitale Zwillinge

Moderne städtische Plattformen behandeln video­basierte Analysen zunehmend als eine Datenquelle unter vielen. Mobilitäts-, Energie-, Umwelt- und Infrastrukturdaten fließen in gemeinsame Dashboards ein. Video-KI ergänzt diese Datensätze um dynamische, nicht identifizierende Informationen wie Bewegungsmuster, Aufenthaltszeiten und Dichten.

Digitale Zwillinge gehen noch einen Schritt weiter. Sie kombinieren Kameradaten, Zutrittskontrollen, Brandschutzsysteme, IoT-Sensorik und Umgebungsdaten zu virtuellen Abbildern ganzer Quartiere oder großer Anlagen. Dadurch lassen sich Evakuierungsszenarien simulieren, räumliche Veränderungen testen oder Wartungsbedarfe frühzeitig erkennen. In komplexen Bereichen wie Flughäfen, Häfen oder weitläufigen Campusflächen entsteht so eine neue Qualität in Planung und Betrieb. Simulation ersetzt Annahmen und KI-basierte Daten stärken moderne Betriebs- und Einsatzprozesse.

Agentische KI als Taktgeber für urbane Sicherheitsprozesse

Mit agentischer KI erweitern sich die Möglichkeiten über klassische Videoanalyse hinaus. Diese Systeme koordinieren mehrstufige Abläufe über unterschiedliche Datenquellen und Anwendungen hinweg. Was zunächst aus Software-Assistenzsystemen bekannt wurde, hält nun Einzug in Sicherheitsleitstellen und kommunale Monitoringzentren.

Agenten prüfen Alarme, sichten relevante Videos, vergleichen sie mit Zutritts- oder Sensordaten und bündeln alles zu kompakten Fallakten. Sie schlagen Maßnahmen vor, unterstützen bei der Priorisierung und automatisieren Berichte. Leitstellen gewinnen dadurch Freiräume und können sich stärker auf Entscheidungen konzentrieren statt auf das Suchen nach Informationen.

2026 geht es weniger darum, ob agentische KI nützlich ist, sondern darum, welche wiederkehrenden Abläufe sich am besten dafür eignen.

Wearables und AR entwickeln sich zu intelligenten Einsatzhelfern

Für Einsatzkräfte werden KI-gestützte Wearables und Augmented-Reality-Brillen alltagstauglicher. Passive Geräte wie Bodycams werden zu aktiven Assistenten, die Situationen einordnen, Kontext liefern und per natürlicher Sprache ansprechbar sind.

Mitarbeitende können nachfragen, wann ein Bereich zuletzt kontrolliert wurde oder erhalten Informationen per Sprachbefehl, ohne den Blick abwenden zu müssen. Die steigende Nachfrage nach AR-gestützten Trainings, Remote-Unterstützung und operativen Assistenzsystemen zeigt, dass diese Technologie langfristig ihren Platz in städtischen Abläufen findet.

Governance und öffentlicher Dialog als Grundlage für Akzeptanz

Je stärker KI in die städtische Infrastruktur eingebunden wird, desto wichtiger wird ihr verantwortungsvoller Einsatz. Städte entwickeln Leitlinien, die definieren, wie Video-KI genutzt wird, wie sensible Daten geschützt werden und wo klare Grenzen liegen. Kritische Alarme bleiben weiterhin menschlich überprüft. Gleichzeitig kommunizieren Kommunen offener darüber, wo Video-KI eingesetzt wird und wie Anonymisierung funktioniert. Das stärkt Vertrauen und gesellschaftliche Akzeptanz.

Eine neue operative Realität für Smart Cities

Das Zusammenspiel aus kontextsensitiver Videoanalyse, agentischer KI, digitalen Zwillingen und intelligenten Wearables zeigt, dass Smart Cities in Deutschland 2026 in eine Betriebsphase übergehen. Der Fokus liegt auf Integration und verantwortungsbewusstem Einsatz. Systeme werden vernetzter, datenschutzorientierter und besser an regulatorische Vorgaben angepasst. KI wird zum Werkzeug im Alltag und Smart-City-Lösungen werden skalierbar.

In dieser neuen Phase profitieren Städte und Betreiber von klaren Datenarchitekturen, simulationsgestützten Planungen und menschlicher Aufsicht. Video-KI wird zu einem Baustein eines modernen, reaktionsfähigen und intelligent gesteuerten urbanen Umfelds.

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