Rund 120 Teilnehmer diskutieren in Wolfsburg über hybride Bedrohungen, KI-Einsatz, Normung und die Weiterentwicklung der Sicherheitstechnik
Die Sicherheitsbranche befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation. Digitale Bedrohungslagen, hybride Angriffsszenarien, Künstliche Intelligenz und steigende Cyber-Security-Anforderungen verändern sowohl Technologien als auch Geschäftsmodelle. Genau diese Entwicklungen prägten die diesjährige Mitgliederversammlung des Bundesverbandes Sicherheitstechnik (BHE), die am 8. Mai 2026 in Wolfsburg stattfand.
Rund 120 Mitglieder nutzten die Veranstaltung nicht nur für die formale Verbandsarbeit, sondern vor allem als Plattform für fachlichen Austausch, strategische Diskussionen und Networking innerhalb der Sicherheitswirtschaft. Neben Vorträgen zu hybriden Bedrohungen und KI standen aktuelle Verbandsprojekte, personelle Entscheidungen, neue Cyber-Security-Initiativen sowie die Weiterentwicklung des Corporate Designs im Mittelpunkt.
Hybride Bedrohungen verändern Sicherheitsstrategien
Bereits zum Auftakt der Veranstaltung rückten geopolitische und technologische Risiken in den Fokus. Jan Gebauer und Jann Frieling vom Group Security Intelligence Office der Volkswagen AG beleuchteten in ihrem Vortrag die Auswirkungen hybrider Bedrohungen auf Unternehmen und kritische Infrastrukturen.
Im Zentrum standen veränderte Risikolagen durch die zunehmende Verknüpfung physischer und digitaler Angriffsformen. Sicherheitsstrategien müssten heute deutlich stärker interdisziplinär gedacht werden, da klassische Trennlinien zwischen IT-Sicherheit, physischer Sicherheit und Unternehmensresilienz zunehmend verschwimmen.
Die Diskussion verdeutlichte damit einen Branchentrend, der auch regulatorisch an Bedeutung gewinnt: Sicherheitsorganisationen müssen Cybersecurity, Lagebilder, Informationsschutz und operative Resilienz stärker integrieren.
KI entwickelt sich vom Zukunftsthema zum operativen Werkzeug
Einen zweiten Schwerpunkt setzte der Vortrag von KI-Experte Marcel Pesch von academy4.ai. Im Fokus stand die praktische Nutzung von Künstlicher Intelligenz im Unternehmensalltag.
Pesch machte deutlich, dass KI längst nicht mehr nur Innovations- oder Zukunftsthema sei, sondern zunehmend zu einem operativen Wettbewerbsfaktor werde. Unternehmen könnten mithilfe sogenannter „KI-Mitarbeiter“ alltägliche Prozesse automatisieren, interne Abläufe beschleunigen und neue Effizienzpotenziale erschließen.
Dabei ging es weniger um abstrakte Visionen als um konkrete Anwendungsszenarien für Routineaufgaben, Wissensmanagement und Prozessunterstützung. Gerade für mittelständisch geprägte Sicherheitsunternehmen gewinnt die Frage an Bedeutung, wie KI wirtschaftlich sinnvoll und praxisnah in bestehende Organisationsstrukturen integriert werden kann.
Positive Mitgliederentwicklung und Kontinuität im Vorstand
Im Rahmen der anschließenden Mitgliederversammlung informierten der BHE-Vorstandsvorsitzende Axel Schmidt sowie BHE-Geschäftsführer Carl Becker-Christian über aktuelle Entwicklungen innerhalb des Verbandes.
Besonders hervorgehoben wurde die weiterhin positive Mitgliederentwicklung. Der Verband zählt derzeit rund 1.270 Mitgliedsunternehmen und unterstreicht damit seine Rolle als zentrale Interessenvertretung der Sicherheitsbranche im deutschsprachigen Raum.
Neben laufenden Verbandsprojekten standen auch die Vorstandswahlen auf der Agenda. Stephan Holzem wurde dabei in seinem Amt bestätigt, womit der Verband zugleich auf personelle Kontinuität setzt.
Teile der im Rahmen der Veranstaltung gezeigten Präsentationen stehen den Mitgliedsunternehmen über den internen Bereich der BHE-Homepage zur Verfügung.
Ehrenmitgliedschaften würdigen jahrzehntelanges Branchenengagement
Ein besonderer Fokus der Veranstaltung lag auf der Würdigung langjähriger ehrenamtlicher Arbeit innerhalb des Verbandes. Die Mitgliederversammlung ernannte zwei Persönlichkeiten aufgrund ihres außergewöhnlichen Engagements zu neuen BHE-Ehrenmitgliedern.
Michael Meissner zählt seit Jahren zu den prägenden Experten im Bereich Videosicherheitstechnik. Seit 16 Jahren leitet er den BHE-Fachausschuss Video und war maßgeblich an der Entwicklung von Schulungen, Broschüren und fachlichen Hilfestellungen beteiligt. Internationale Aufmerksamkeit erhielt insbesondere seine Projektleitung bei der Überarbeitung der IEC DIN EN 62676-4, die Anwendungsregeln für Videosicherheitstechnik definiert.
Mit Manfred Endt wurde zudem einer der bekanntesten Experten für Einbruchmeldetechnik ausgezeichnet. Endt war 22 Jahre Mitglied des BHE-Vorstandes und engagiert sich seit nahezu 24 Jahren als Vorsitzender des Fachausschusses Einbruchschutz. Sein fachliches Wirken reicht von Publikationen und Checklisten bis hin zur Vertretung der Interessen von Errichtern in Normungsgremien. Darüber hinaus begleitet er seit fast zwei Jahrzehnten als ZQMB die Qualitätsmanagement-Zertifizierung zahlreicher Fachbetriebe.
Axel Schmidt würdigte beide Ehrenmitglieder ausdrücklich für ihren langjährigen persönlichen Einsatz zugunsten der Sicherheitstechnik und der Verbandsarbeit.
Modernisierung des Markenauftritts
Auch kommunikativ positioniert sich der Verband neu. Im Rahmen der Mitgliederversammlung stellte der BHE ein überarbeitetes Corporate Design vor.
Im ersten Schritt wurden sämtliche BHE-Logos modernisiert. Ziel des sogenannten „Marken-Refreshs“ ist eine zeitgemäße visuelle Weiterentwicklung bei gleichzeitig hohem Wiedererkennungswert.
Die neuen Logos sollen künftig schrittweise in Publikationen, Projekten und Kommunikationsmaßnahmen eingesetzt werden. Mitgliedsunternehmen erhalten die Möglichkeit, die Logos aktiv in ihre Außendarstellung einzubinden – etwa auf Webseiten, in Mail-Signaturen, Broschüren, Anzeigen oder auf Messeständen.
Über die BHE-Homepage stehen die neuen Logos in verschiedenen druckfähigen Dateiformaten bereit.
Cyber-Security bei Videosicherheitsanlagen rückt stärker in den Fokus
Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung betraf die zunehmende Cybergefährdung IP-basierter Videosicherheitsanlagen.
Der BHE verwies in diesem Zusammenhang auf das Webinar „Cyber Security bei Videosicherheitsanlagen (VSS)“, das am 28. Mai 2026 stattfindet. Hintergrund ist die wachsende Bedeutung vernetzter Video- und IoT-Systeme innerhalb moderner Sicherheitsarchitekturen.
IP-basierte Videosicherheitslösungen bieten zwar hohe Flexibilität und komfortable Fernzugriffsmöglichkeiten, erweitern gleichzeitig jedoch die Angriffsfläche für Cyberangriffe erheblich.
Das Webinar basiert auf dem BHE-Papier „Cyber Security VSS“ und behandelt typische Angriffsszenarien sowie technische und organisatorische Maßnahmen zur Härtung von Netzwerken und Endgeräten. Ziel ist es, Sicherheitsunternehmen praxisnahes Wissen zu vermitteln, um Risiken realistisch bewerten und wirtschaftlich tragfähige Sicherheitslösungen entwickeln zu können.
Gerade im Spannungsfeld zwischen Benutzerkomfort, Vernetzung und IT-Sicherheit gewinnt dieser Bereich zunehmend an strategischer Bedeutung – nicht zuletzt vor dem Hintergrund regulatorischer Anforderungen wie NIS2 und steigender KRITIS-Resilienzvorgaben.
Networking bleibt zentrale Funktion der Verbandsarbeit
Neben den fachlichen Inhalten spielte auch der persönliche Austausch eine zentrale Rolle. Ob bei Gesprächen am Rande der Veranstaltung, beim gemeinsamen Abendessen oder im Rahmenprogramm im Planetarium und der Autostadt Wolfsburg – die Mitgliederversammlung diente erneut als Plattform für Networking, Erfahrungsaustausch und die Anbahnung neuer Kooperationen.
Gerade in einer Branche, die sich technologisch und regulatorisch stark verändert, gewinnt dieser direkte Dialog weiter an Bedeutung.
Die nächste BHE-Mitgliederversammlung ist bereits terminiert: Sie findet am 23. April 2027 in Düsseldorf statt.


