Der Freistaat Bayern baut seine Vorsorge gegen großflächige Stromausfälle weiter aus. Innen- und Katastrophenschutzminister Joachim Herrmann stellte in Nürnberg neue Notstromgerätesätze für die bayerischen Feuerwehren vor. Ziel ist es, jede Kreisverwaltungsbehörde – also alle Landkreise und kreisfreien Städte – mit entsprechender Notstromtechnik auszustatten, um bei längeren Stromausfällen die Versorgung der Bevölkerung sowie den Betrieb kritischer Infrastruktur sicherzustellen.
„Unser Ziel ist: Jeder Landkreis und jede kreisfreie Stadt in Bayern soll einen Notstromgerätesatz erhalten, um bei einem längeren Stromausfall die Belastungen für die Bevölkerung bestmöglich abzumildern und kritische Infrastruktur am Laufen zu halten“, erklärte Herrmann.
Die Gerätesätze bestehen aus mehreren unterschiedlich dimensionierten Notstromaggregaten sowie ergänzender technischer Ausstattung. Sie können im Ernstfall entweder Gebäude direkt versorgen oder Strom in bestehende Netze einspeisen.
Bereits 19 Landkreise und kreisfreie Städte haben erste Gerätesätze erhalten, darunter Ansbach, Erlangen und Nürnberg. Seit 2022 hat der Freistaat im Rahmen des Sonderinvestitionsprogramms „Katastrophenschutz Bayern 2030“ rund 29 Millionen Euro in den Ausbau von Notstromkapazitäten investiert.
Ergänzende Energieversorgung durch THW-Anlagen
Parallel dazu beschafft Bayern weitere leistungsfähige Netzersatzanlagen für die Fachgruppen Elektroversorgung des Technisches Hilfswerk (THW). Insgesamt 21 Anlagen mit jeweils 650 Kilovoltampere Leistung sollen ab Herbst ausgeliefert werden.
Diese Systeme sind in der Lage, größere Einrichtungen wie Krankenhäuser oder sogar ganze Ortsteile temporär mit Strom zu versorgen. Damit erweitert der Freistaat die Fähigkeiten zur Bewältigung großflächiger Stromausfälle erheblich.
Herrmann betonte, dass neben den Investitionen des Freistaats auch der Bund Maßnahmen zum Aufbau einer Nationalen Reserve Blackout prüfe. Gleichzeitig bleibe die kommunale Ebene ein zentraler Bestandteil der Krisenvorsorge.
Kommunale Blackout-Konzepte gewinnen an Bedeutung
Mehrere Kommunen nutzen die neuen Gerätesätze als Ergänzung zu bereits bestehenden Konzepten zur Stromausfallvorsorge.
So verwies Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik auf ein umfassendes Blackout-Konzept der Stadt, zu dem unter anderem sogenannte „Leuchttürme“ als Anlaufstellen für die Bevölkerung gehören.
Auch Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König unterstrich die zunehmende Relevanz solcher Vorsorgemaßnahmen: Ein länger andauernder Stromausfall – ob Brownout oder Blackout – sei längst kein rein theoretisches Szenario mehr.
Neben der technischen Ausstattung spielt auch das Ehrenamt eine entscheidende Rolle. Die Bedienung und der Betrieb vieler Anlagen erfolgen durch Feuerwehrkräfte, die hierfür speziell geschult werden.
Katastrophenschutz als Gemeinschaftsaufgabe
Der Freistaat sieht den Ausbau der Notstromversorgung als Teil eines mehrstufigen Krisenvorsorgekonzepts. Neben staatlichen Investitionen und kommunalen Notfallplänen appellierte Innenminister Herrmann auch an die Eigenvorsorge der Bevölkerung.
Private Haushalte sollten sich ebenfalls auf mögliche Krisensituationen vorbereiten – etwa durch Notfallvorräte, Taschenlampen oder alternative Kommunikationsmöglichkeiten. Dadurch würden Einsatzkräfte im Ernstfall entlastet und könnten sich auf besonders kritische Aufgaben konzentrieren.
Kommentar: Vorsorge bedeutet auch Konsequenz
Der Ausbau mobiler Notstromkapazitäten ist ein wichtiger Schritt für die Resilienz kritischer Infrastruktur. Blackouts – ausgelöst durch extreme Wetterlagen, Cyberangriffe oder Netzinstabilitäten – gelten inzwischen europaweit als realistisches Szenario im Katastrophenschutz.
Gerade deshalb sollte bei aller Solidarität in internationalen Krisen eines nicht passieren: dass solche Geräte leichtfertig abgegeben werden.
In Deutschland hat man bereits gesehen, wohin symbolpolitische Entscheidungen führen können. In Berlin wurden Notstromgeneratoren aus Katastrophenschutzbeständen ganz oder zeitweise ins Ausland abgegeben – obwohl gleichzeitig über mangelnde Krisenvorsorge diskutiert wird.
Katastrophenschutz funktioniert nur, wenn Vorsorge dauerhaft gesichert ist. Generatoren sind kein politisches Geschenkartikel-Inventar, sondern kritische Infrastruktur.
Wer Resilienz ernst nimmt, sollte deshalb eine einfache Regel beachten: Notstrom beschaffen – und im Land behalten.

