Künstliche Intelligenz (KI) ist aus Sicht der Weltbevölkerung die prägendste Technologie der kommenden Jahre. Das ist das zentrale Ergebnis des aktuellen Bosch Tech Compass, für den weltweit mehr als 11.000 Menschen befragt wurden. Noch nie zuvor wurde KI so positiv bewertet wie in der jüngsten Erhebung: Rund 70 Prozent der Befragten sehen sie als die einflussreichste Technologie der Zukunft – und zugleich als jene mit dem größten positiven gesellschaftlichen Potenzial.
Gleichzeitig zeigt die Studie jedoch auch eine wachsende Ambivalenz gegenüber technologischem Fortschritt. Trotz aller Erwartungen an KI wünschen sich 57 Prozent weltweit einen „Pause-Knopf“ für die technologische Entwicklung, um deren Auswirkungen besser verstehen und einordnen zu können. Fortschrittsoptimismus und -skepsis existieren damit parallel.
KI als Treiber – und als Risiko
Die Befragten trauen der künstlichen Intelligenz nicht nur den größten Einfluss zu, sondern auch den größten Nutzen: 43 Prozent weltweit gehen davon aus, dass KI den positivsten Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung leisten wird. Mit deutlichem Abstand folgen Biotechnologie (36 Prozent) und Climate Engineering (32 Prozent).
Doch KI wird zugleich als größte potenzielle Gefahr wahrgenommen. 34 Prozent der Befragten nennen sie auch als Technologie mit den stärksten negativen Auswirkungen auf die Gesellschaft – noch vor humanoiden Robotern und autonomen Fahrzeugen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass KI weniger als rein technologische Innovation, sondern zunehmend als gesellschaftlicher Gestaltungsfaktor verstanden wird.
Deutschland: Hohe Erwartungen, geringe Bereitschaft
Besonders auffällig sind die Ergebnisse für Deutschland. Hierzulande sehen 77 Prozent der Befragten KI als die einflussreichste Technologie der kommenden zehn Jahre – ein Wert, der deutlich über dem globalen Durchschnitt liegt. Gleichzeitig ist die Bereitschaft für das KI-Zeitalter in Deutschland jedoch so gering wie in keinem anderen der untersuchten Länder: Nur 40 Prozent fühlen sich ausreichend vorbereitet, unverändert zum Vorjahr.
Auch der allgemeine Technologieoptimismus fällt in Deutschland vergleichsweise niedrig aus. Lediglich 59 Prozent der Befragten glauben, dass Technologie die Welt besser machen wird. Nur in Frankreich ist der Wert mit 53 Prozent noch geringer. Weltweit hingegen sind 71 Prozent der Menschen technologieoptimistisch.
Zwei weitere Ergebnisse liefern Hinweise auf die Ursachen dieser Skepsis: Nur 30 Prozent der deutschen Befragten sehen das Bildungssystem als förderlich für innovatives Denken. Zudem glauben lediglich 23 Prozent, dass Regulierung Innovation in Deutschland wirksam unterstützt – jeweils der niedrigste Wert im internationalen Vergleich.
„Die Ergebnisse des Bosch Tech Compass deuten darauf hin, dass wir in Deutschland die gesellschaftliche Akzeptanz für Innovationen steigern müssen“, sagt Dr. Stefan Hartung, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. Entscheidend seien innovationsfreundliche Rahmenbedingungen: steuerliche Entlastungen für Investitionen, mehr Agilität, weniger Bürokratie und ein insgesamt höherer Mut zum Risiko. Scheitern dürfe dabei nicht stigmatisiert werden, sondern müsse als Teil des Lernprozesses gelten.
Innovationskultur und Risikobereitschaft
Wie stark Innovation auch von kulturellen Faktoren abhängt, zeigt ein weiterer Befund der Studie. Weltweit würden 59 Prozent der Befragten ihr Kind ermutigen, eine Hochschule zu überspringen und stattdessen ein Start-up zu gründen, wenn eine bahnbrechende Idee vorhanden ist. In Deutschland teilen lediglich 52 Prozent diesen Mut zum unternehmerischen Risiko.
Gefragt nach den wichtigsten Anwendungsfeldern für technologische Innovation nannten die Befragten weltweit vor allem den Klimawandel (37 Prozent), den Zugang zu Gesundheitsleistungen (31 Prozent) sowie Cyber-Sicherheit (28 Prozent). Gerade letzteres unterstreicht die wachsende Bedeutung sicherer digitaler Infrastrukturen – ein zentrales Thema auch für Industrie, Mobilität und kritische Systeme.
KI: rasanter Bedeutungszuwachs
Die Wahrnehmung von KI hat sich in kurzer Zeit stark verändert. Innerhalb von nur drei Jahren ist der Anteil der Menschen, die KI als wichtigste Zukunftstechnologie sehen, weltweit von 41 Prozent auf 70 Prozent gestiegen.
„Wir sehen weltweit eine rasch wachsende Zahl innovativer KI-Lösungen, wie wir sie uns vor wenigen Jahren noch nicht vorstellen konnten“, sagt Tanja Rückert, Mitglied der Geschäftsführung und Chief Digital Officer der Robert Bosch GmbH. Der Bedeutungszuwachs von KI sei daher wenig überraschend.
Zugleich sinkt die grundsätzliche Skepsis: Der Anteil derjenigen, die KI überwiegend negativ bewerten, ist im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Dennoch bleibt die Frage nach Verantwortung zentral.
„Für uns bei Bosch ist das ein klarer Auftrag: Innovation muss mit Verantwortung einhergehen“, betont Rückert. Gerade bei KI seien weltweit klare Regeln für eine vertrauenswürdige Nutzung erforderlich. Gleichzeitig müsse vermieden werden, dass Überregulierung die Entwicklung und Anwendung künstlicher Intelligenz ausbremse.
Fazit
Der Bosch Tech Compass zeigt ein vielschichtiges Bild: Künstliche Intelligenz wird als Schlüsseltechnologie der Zukunft gesehen, mit enormem Potenzial für Gesellschaft, Wirtschaft und Nachhaltigkeit. Gleichzeitig wächst das Bedürfnis nach Orientierung, Regulierung und gesellschaftlichem Dialog. Besonders in Deutschland besteht Handlungsbedarf, um Innovationsbereitschaft, Bildung und Akzeptanz besser miteinander zu verzahnen. Denn eines machen die Ergebnisse deutlich: Das KI-Zeitalter kommt – die Frage ist nicht ob, sondern wie gut wir darauf vorbereitet sind.
Zur Studie
Für den Bosch Tech Compass befragte die Gesellschaft für Innovative Marktforschung mbH (GIM) im Herbst 2025 mehr als 11.000 Personen ab 18 Jahren in sieben Ländern: Deutschland, Frankreich, Vereinigtes Königreich, Brasilien, China, Indien und USA. In Europa nahmen jeweils 1.000 Personen teil, in den übrigen Ländern jeweils 2.000. Bosch wurde während der Befragung nicht als Auftraggeber genannt.
Download des Marktberichts: https://euro-security.de/wp-content/uploads/2026/01/bosch-tech-compass-2025.pdf

