Nach Wachstum 2022 wird es im Jahr 2023 ein wenig ruckelig

Januar 13, 2023

Im Jahr 2022 konnte die Mehrheit der 50 größten internationalen Sicherheitsunternehmen im Bereich Videoüberwachung und Zugangskontrolle ein deutliches Marktwachstum verbuchen. Trotz dieser positiven Gesamtergebnisse gehen Experten davon aus, dass im kommenden Jahr die Branche mit Problemen kämpfen wird.

Dem Marktbericht ‚Security 50‘ folgend, werden die Top-10-Unternehmen die Umsatzzahlen halten können. So werden die zehn größten Hersteller im Bereich Videoüberwachung und Zugangskontrolle (Umsatzvergleich zum Jahr 2021:  Hikvision Digital Technology, Dahua Technology, ASSA ABLOY, Axis Communications, Motorola Solutions, Uniview Technologies, Tiandy Technologies, Allegion, Hanwha Techwin und Aiphone keine Einbußen verbuchen. Die Marktführerschaft von Hikvision wird besonders deutlich, wenn man sich bewußt wird, dass im Jahr 2021 die 10-Milliarden-Euro-Umsatzmarke überschritten wurde. Dies entspricht einer Wachstumsrate von 16,9 Prozent gegenüber 8,7 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2020.

Hikvision sieht sich in dieser Toplage durch die Forcierung technologischer Innovationen, die die Schlüsselelemente für den unternehmerischen Erfolg darstellen. Nach Aussagen von Frank Zhang, VP von Hikvision, unterstützt die kontinuierliche Weiterentwicklung von Produkten und Marktposition das Kundenverhältnis und baut langfristiges Vertrauen auf.

Sechs Unternehmen wurden 2022 neu in die Security 50 aufgenommen: Die chinesischen Unternehmen Dnake (Intercom), Jovision (Video) und EVETAR (Objektiv), das US-amerikanische Unternehmen Evolv, Anbieter von Screening, die australische Ava Group mit Risikomanagement-Lösungen, und der koreanische Videoüberwachungsanboeter Webgate gehören nun zu den Topunternehmen. Allein 15 Unternehmen der Top 50 kommen aus China. Und alleine vier unter den Top 10: Hikvision, Dahua, Uniview und Tiandy. 

Durch die COVID-Situation in China mussten die chinesischen Unternehmen im ersten Halbjahr 2022 Umsatzrückgänge im Vergleich zu 2021 verschmerzen. Die Handelssanktionen der USA gegenüber chinesischen Firmen und Produkten haben weniger Auswirkungen. Taiwanesische Hersteller wie Dynacolor, Hi Sharp und GeoVision stehen gut da und durch die Konzentration auf Nischen-Lösungen konnte die Marktposition stabilisiert werden. Der wirtschaftliche Ausblick ist stark von der Situation der OEM-Aufträge an Taiwan abhängig, die noch nicht abschließend bewertet werden können.

Rückblick 2021-2022: Bei der Biometrie, Zugangskontrolle, Videoanalyse und digitale Intelligenz verzeichneten Unternehmen in diesem Jahr alle ein deutliches Wachstum. Grund dafür ist die erhöhte Nachfrage an Sicherheits- und Netzwerkvideolösungen und die dynamische technologische Entwicklung. So werden neue und innovativere Produkte und Lösungen nachgefragt, die alte Technologien ersetzen.

Prognose 2023: Die Sicherheitsbranche sieht sich Rezessionsgefahren gegenüber. Die Nach-COVID-Zeit hält eine Vielzahl von Problemen bereit:

1.         So verursachen Bauteil- und Rohstoffmangel Probleme in der Lieferkette. Und auch die Pandemiebedingten Schließungen führten zu Verlusten. Die Lieferkettenkrise verlangsamten Wachstum in den Jahren 2020 und 2021. Marktführer wie Axis sehen aber nun eine Rückkehr zu zweistelligen Wachstumsraten. Die Diversifizierung der Lieferketten durch einige Hersteller führte zu Verschiebungen im Markt.

2.         Die starke Inflation beeinflusst die Preise von Dienstleistungen, Arbeitskosten und Rohmaterial. So kann man auch für die Jahre 2022 und 2023 von Preissteigerungen für Sicherheitsprodukte ausgehen. Dabei haben sich die Beziehungen zu den Kunden geändert und sowohl Zahlungs- als auch Servicemodelle haben sich verändert. Kunden werden so nicht überfordert, sondern können ihren Geschäften planvoll weiter nachgehen.

3.         Natürlich beeinflusst auch der Konflikt zwischen Russland und Ukraine die Wirtschaftslage. In beiden Ländern ruht augenblicklich die Wirtschaftsaktivität von globaltätigen Sicherheitsherstellern und -anbietern.

4.         Interessant sind die Auswirkungen der Datenschutzbestimmungen für die Videoüberwachung und KI-unterstützte Technologien.  So ist die Branche gefordert, auf die Bestimmungen zu reagieren und bei den Softwareentwicklungen diese zu berücksichtigen.

Nach dem Top 50-Bericht könnte das Jahr 2023 trübe Wachstumsaussichten für die physische Sicherheit bereithalten. im Jahr 2022 konnte die Sicherheitsbranche wieder Wachstum verzeichnen. Nach Aussagen des Branchenzweiten Dahua Technology wird die Lage im asiatisch-pazifischen Raum, in Afrika, Lateinamerika und im Nahen Osten ‚relativ‘ optimistisch sein, allerdings wird ein relativ schwaches Wachstum nach Prognose des chinesischen Herstellers eintreten.

Der Weltmarkt für Videoüberwachungshardware und -software wird im Jahr 2022 voraussichtlich um 11,7 Prozent wachsen. Im Jahr 2023 um 6,4 Prozent.  Auf längere Sicht wird es zu einem nachhaltigen und signifikanten Wachstum im hohen einstelligen Prozentbereich geben.

Durch die schon angesprochenen Wirtschaftsprobleme werden weniger Investitionen in Sicherheitstechnik realisiert werden. Umso wichtiger sind die Beziehungen zu Bestandskunden, da hier Ersatzinvestitionen u.a. zur Kostenreduktion des vorhandenen (Sicherheits-)Managements umgesetzt werden können.

Trends bleiben weiterhin Künstliche Intelligenz (KI), Edge Computing, Cloudlösungen und Cybersicherheit weiterhin dominieren.  Aus Sicht des Marktführers werden Visualisierungslösungen verstärkt Einsatz finden. Besonders multidimensionale Technologien wie Radar, Wärmebildtechnik, Röntgendurchleuchtung, Temperaturmessung, Feuchtigkeitsmessung und Gasleckerkennung erhalten mehr Raum. Damit werden Sicherheitslösungen effizienter. Generell wird die Rolle der Sensoren bei Sicherheitsanwendungen immer wichtiger.

[Grundlage des Artikels sind Informationen auf der Website  www.asmag.com]

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