Bitkom Germany: Mehr als 38 Milliarden Euro Umsatz rund um Smartphones

Februar 21, 2023

  • Prognose 2023: 21,4 Millionen verkaufte Neugeräte in Deutschland
  • Smartphones werden länger genutzt
  • 86 Prozent können sich ein Leben ohne Smartphone nicht mehr vorstellen

Trotz Inflation und gestörter Lieferketten: Die Umsätze rund um Smartphones haben sich auf hohem Niveau gefestigt und steigen auch in diesem Jahr noch einmal leicht an. 2023 wächst der Markt für Smartphones, Apps, mobile Telekommunikationsdienste und Mobilfunkinfrastruktur in Deutschland auf voraussichtlich 38,6 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr (38,2 Milliarden Euro) ist das eine Steigerung um rund 1 Prozent. Das ergeben aktuelle Berechnungen des Digitalverbands Bitkom. Den größten Anteil am Umsatz machen demnach Daten- und Sprachdienste mit 21,2 Milliarden Euro aus (+1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Auch die Investitionen der Netzbetreiber in die mobile Infrastruktur steigen: In die Netzinfrastruktur für mobile Kommunikation fließen in diesem Jahr 2,1 Milliarden Euro (+2,8 Prozent), wobei Kosten für Frequenzen, Gebäude und Bauleistungen noch hinzukommen. Der App-Markt schrumpft dagegen auf 3,3 Milliarden Euro (-3,8 Prozent). Die Ausgaben für Apps waren während der Corona-Pandemie außergewöhnlich stark gestiegen, derzeit erfährt der App-Markt eine leichte Korrektur, die Umsätze liegen jedoch weiterhin sehr viel höher als vor der Corona-Pandemie. 

Mit den Smartphones selbst werden 2023 voraussichtlich 12 Milliarden Euro umgesetzt – ein leichtes Plus von 1,5 Prozent. Der Absatz geht dagegen leicht auf 21,4 Millionen Geräte zurück – 2022 wurden 21,6 Millionen und 2021 22,2 Millionen Smartphones in Deutschland abgesetzt. Dagegen steigt der Durchschnittspreis pro Gerät: Kostete ein Smartphone 2022 im Schnitt noch 549 Euro, sind es 2023 schon 563 Euro. „Smartphones sind hochwertiger, leistungsfähiger und weniger reparaturanfällig als früher. Die Verbraucherinnen und Verbraucher geben tendenziell mehr Geld aus, um länger Freude an ihren Geräten zu haben“, sagt Bitkom-Präsidiumsmitglied Markus Haas. „Die Herstellung eines Smartphones benötigt viele Rohstoffe und Energie. Werden Smartphones länger genutzt, wirkt sich das positiv auf den ökologischen Fußabdruck aus.“ 

Smartphones werden wieder länger genutzt

Dementsprechend sinkt der Anteil der Menschen, die sich ihr Smartphone innerhalb der vergangenen 12 Monate gekauft haben. Bei 55 Prozent ist das Gerät jünger als ein Jahr. Das zeigen Ergebnisse einer aktuellen repräsentativen Bevölkerungsumfrage im Auftrag des Bitkom. 2022 belief sich dieser Anteil auf 60 Prozent und 2021 auf 63 Prozent. Fast ein Viertel (23 Prozent) hat das Smartphone bereits zwei Jahre oder länger in Gebrauch – ein deutlicher Anstieg gegenüber den Vorjahren, als es 16 Prozent (2022) und 8 Prozent waren (2021). „Smartphones lassen sich auch länger zuverlässig und sicher nutzen, weil die Hersteller inzwischen länger Updates anbieten“, so Haas. 

Zwei Drittel wollen gute Selfies machen

Eine geringere Reparaturanfälligkeit und eine möglichst lange Nutzungsdauer spielen bei der Auswahl eines Smartphones mittlerweile die größte Rolle: Für 95 Prozent ist ein robustes Bildschirmglas ein entscheidendes Kriterium, fast ebenso viele (94 Prozent) achten auf die Akkulaufzeit. Die Bildschirmqualität (92 Prozent) und der vorhandene Speicherplatz (89 Prozent) folgen dahinter. 87 Prozent legen auf eine langfristige Versorgung mit Updates wert und 80 Prozent auf die Kameraqualität. In Sachen Fotos ist eine gute Frontkamera etwa für Selfies (67 Prozent) sowie eine Zoom-Funktion (67 Prozent) bei der Auswahl des Smartphones wichtig. Die Möglichkeit für Nachtfotos (63 Prozent), eine hohe Megapixel-Zahl (58 Prozent) und Weitwinkelaufnahmen (50 Prozent) zählen ebenfalls zu wichtigen Kriterien. Nur 14 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer achten nicht auf die Kamerafunktionen. 

Steigende Zahlungsbereitschaft bei Neugeräten

Im Durchschnitt wollen Nutzerinnen und Nutzer für ihr nächstes Smartphone 238 Euro ausgeben – 2022 waren es 232 und 2021 200 Euro. 14 Prozent sind bereit, 300 bis 499 Euro zu investieren. Weitere 14 Prozent wollen 500 Euro und mehr bezahlen. 24 Prozent möchten dagegen weniger als 100 Euro ausgeben. Haas: „Niedrige Preise sind insbesondere da möglich, wo Neugeräte und Mobilfunkvertrag kombiniert werden.“ 

Ein Leben ohne Smartphone? Schwer vorstellbar

Insgesamt gehört für die weit überwiegende Mehrheit der Nutzerinnen und Nutzer das Smartphone zum Leben dazu. 86 Prozent können sich ein Leben ohne das Gerät nicht mehr vorstellen – dieser Wert ist über alle Altersgruppen hoch. 69 Prozent sagen auch: Durch mein Smartphone fühle ich mich im Alltag sicherer. Für fast alle (95 Prozent) ist das Smartphone eine große Erleichterung im Alltag. Mitunter kann das Gerät aber auch zu zwischenmenschlichen Konflikten führen. So teilen drei Viertel (76 Prozent) die Einschätzung, dass die zunehmende Smartphone-Nutzung dazu führt, dass Menschen weniger miteinander reden. 68 Prozent fühlen sich genervt, wenn eine andere Person während eines Treffens nur auf ihr Smartphone schaut – 30 Prozent stört dies allerdings nicht. 

Je jünger, desto mehr Zeit am Smartphone

Dabei gilt: Je jünger die Nutzerinnen und Nutzer sind, desto mehr Zeit verbringen sie mit ihrem Smartphone. Die 16- bis 29-Jährigen nutzen ihr Gerät im Durchschnitt fast drei Stunden am Tag – insgesamt 177 Minuten. Die 30- bis 49-Jährigen schätzen ihre tägliche Nutzung auf durchschnittlich 151 Minuten und die 50- bis 64-Jährigen auf 144 Minuten. Lediglich bei den Seniorinnen und Senioren über 65 Jahren liegt die durchschnittliche Nutzungszeit mit 80 Minuten deutlich unter zwei Stunden. „Smartphones sind fester Bestandteil unseres Alltags. Durch sie bleiben wir mit unserer Familie und unserem Freundeskreis verbunden. Sie informieren und unterhalten uns, steigern unsere Produktivität und unterstützen uns in vielen Lebenslagen“, betont Bitkom-Präsidiumsmitglied Haas. 

Guter Empfang, hohe Netzabdeckung: Was beim Mobilfunk entscheidend ist

Dementsprechend ist bei der Wahl des Mobilfunkanbieters ein guter Empfang für nahezu alle Nutzerinnen und Nutzer eines Smartphones ein wichtiges Kriterium – sowohl am Wohnort (98 Prozent) als auch generell (97 Prozent). Eine möglichst hohe Surfgeschwindigkeit ist für 89 Prozent entscheidend und für 87 möglichst niedrige Preise. Flexibilität ist ebenfalls vielen Nutzerinnen und Nutzern wichtig: Drei Viertel (75 Prozent) achten auf eine Vertragslaufzeit von höchstens einem Jahr und 72 Prozent auf flexible Kündigungsmöglichkeiten. Das Umweltengagement des Netzbetreibers ist für die Hälfte (55 Prozent) ein wichtiges Kriterium.

Der Hälfte reicht ihr Datenvolumen nicht

Nahezu alle Nutzerinnen und Nutzer eines Smartphones gehen auch damit ins Internet – nur 4 Prozent machen von dieser Möglichkeit nicht Gebrauch, wobei dies größtenteils auf die über 65-Jährigen zutrifft. Der Online-Zugang erfolgt dabei auf mehreren Wegen: 88 Prozent sind mit ihrem Gerät im heimischen WLAN eingeloggt, 73 Prozent nutzen auch WLAN-Spots unterwegs. 87 Prozent nutzen das Internet per Mobilfunk. Bei rund der Hälfte (47 Prozent) reicht das monatliche Inklusiv-Datenvolumen nicht aus – und 7 Prozent haben mehr, als sie eigentlich brauchen. 43 Prozent haben den für sie passenden Tarif. Sie bewerten ihr Datenvolumen als ausreichend. Im Schnitt haben die deutschen Smartphone-Nutzerinnen und -Nutzer 5,5 GB monatlich zur Verfügung. „Der Datendurchsatz in den Mobilfunknetzen wächst exponentiell“, sagt Haas. „Vor allem die steigende Nutzung von Videostreaming und der Trend zu Videotelefonie sorgen für immer höhere Erwartungen der Menschen an eine zuverlässige und schnelle Mobilfunkversorgung.“ 

Mobilfunkausbau: Verfahren beschleunigen, Bürokratie entschlacken

Von entscheidender Bedeutung ist aus Sicht des Bitkom, dass Planungs- und Genehmigungsverfahren für den Mobilfunkausbau vereinfacht und beschleunigt werden. Allein bis ein Bauantrag für einen Mobilfunkmast genehmigt ist, vergehen in Deutschland mitunter bis zu 14 Monate – hinzu kommen weitere Aspekte wie die Standortsuche, die Einigung mit Grundstückseigentümern und die eigentliche Bautätigkeit. „Da bislang keine der angekündigten baurechtlichen Erleichterungen in Kraft getreten ist, benötigt ein Standort im ländlichen Raum bis zur Inbetriebnahme im Durchschnitt leider noch immer 3 Jahre. Wir müssen die Bürokratie entschlacken und die Verfahren für den Netzausbau massiv beschleunigen“, betont Haas. „Der Ausbau digitaler Infrastrukturen ist für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Deutschlands von immenser Bedeutung. Das ausgerufene neue „Deutschland-Tempo“ muss auch für den Ausbau der Telekommunikationsnetze gelten.“ 

Bitkom spricht sich in diesem Zusammenhang insbesondere dafür aus, Genehmigungsfiktionen für Mobilfunkstandorte einzuführen. Eine Genehmigungsfiktion bedeutet, dass nach Ablauf einer Frist von 3 Monaten eine automatische Genehmigung für den Bau eines Mobilfunk-Standortes erteilt wird, die dann durch die Behörden im Zweifelsfall nachträglich geändert werden kann. Aktuell werden ohnehin weit über 90 Prozent der Vorhaben positiv entschieden. Haas: „Der geplante Beschleunigungspakt von Bund und Ländern muss jetzt schnell kommen und wirksame Maßnahmen enthalten. Auch die Kommunen können den Mobilfunkausbau vor Ort unterstützen, indem sie für neue Standorte werben und ihre Liegenschaften für den Bau neuer Standorte zur Verfügung stellen.“ Wichtig sei außerdem, dass bei der kommenden Vergabe von Mobilfunkfrequenzen ein Verfahren gewählt werde, das dem Markt keine Investitionsmittel entzieht und die Unternehmen in die Lage versetzt, den für Deutschlands Digitalisierung besonders wichtigen 5G-Ausbau weiter mit voller Kraft vorantreiben zu können. 

Hinweis zur Methodik: Die Prognosen zum Markt für Smartphones basieren auf Daten der Marktforschungsinstitute IDC und Research2Guidance. Grundlage der Angaben zur Nutzung von Smartphones und Mobilfunk ist eine Befragung, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1.004 Menschen in Deutschland ab 16 Jahren telefonisch befragt. Die Umfrage ist repräsentativ.

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