Hansestadt Hamburg: Elf Prozent weniger Azubis im Vergleich zur Zeit vor Corona

März 21, 2023

Immer weniger Ausbildungsanfänger aus umliegenden Bundesländern

Von dem starken Einbruch während der Corona-Pandemie hat sich der Ausbildungsmarkt in Hamburg bis heute nicht erholt. Das zeigt die jetzt vorgelegte Schulstatistik der Hamburger Berufsschulen. Insgesamt haben 2022 rund 17.370 junge Menschen in Hamburg eine Ausbildung begonnen, 2.030 weniger als vor der Corona-Pandemie 2019 (19.400). Das entspricht einem Rückgang von 10,5 Prozent. Besonders betroffen ist die „klassische“ duale Berufsausbildung in einem Betrieb: Hier ist die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger um 11,0 Prozent gesunken (2019: 13.105, 2022: 11.666). Einer der Gründe ist, dass im Vergleich zu 2019 1.077 weniger junge Menschen aus anderen Bundesländern zur Ausbildung nach Hamburg gekommen sind. Im Gegensatz dazu ist die Zahl der Übergänge der Hamburger Schülerinnen und Schüler in eine Ausbildung sogar um + 4,6 Prozent von 3.021 im Jahr 2019 auf 3.161 in 2022 leicht gestiegen. 

Bildungssenator Ties Rabe: „Es macht mir große Sorgen, dass sich der Ausbildungsmarkt von seinem dramatischen Einbruch während der Corona-Pandemie bis heute nicht erholt hat. Es fehlen vor allem die Berufsanfänger aus den anderen Bundesländern. Dagegen haben Hamburgs allgemeinbildende Schulen auch während der Corona-Pandemie gute Arbeit gemacht: Die Zahl der Hamburger Schülerinnen und Schüler, die nach der Schule den Übergang in den Beruf geschafft haben, ist in der Corona-Zeit sogar leicht gestiegen. Das zeigt, dass unser Hamburger Übergangssystem von der Schule in die Ausbildung stabil und krisenfest ist. Jetzt ist es unerlässlich, durch mehr Berufsausbildung den Fachkräftebedarf von morgen zu decken. Wir brauchen mehr Ausbildungsplätze – und zugleich eine größere Bereitschaft junger Menschen, eine Ausbildung zu beginnen.“

Deutlicher Rückgang in den kaufmännischen Berufen sowie in Gastronomie und Tourismus

Insgesamt haben 2022 rund 17.370 junge Menschen in Hamburg eine Berufsausbildung begonnen; darunter 11.666 duale Ausbildungen in Betrieb und Berufsschule, rund 2.800 Ausbildungen in den Gesundheitsfach- und Pflegeberufen und 2.904 rein schulische Ausbildungen in den Berufsschulen, zum Beispiel in der Ausbildung zur Sozialpädagogische Assistenz oder in der Erzieherausbildung (1.045). Im Vergleich zu 19.400 Ausbildungsanfängerinnen und -anfängern im Jahr 2019 vor der Corona-Pandemie sind das jedoch 2.030 Ausbildungsanfänger weniger.

Das liegt auch daran, dass die duale Berufsausbildung durch die Corona-Pandemie in einzelnen Bereichen erheblich eingebrochen ist und sich seitdem nicht erholt hat. Besonders betroffen sind die Kaufmännischen Ausbildungsberufe im Bereich Dienstleistungen, Warenhandel, Vertrieb, Hotel und Tourismus. Die zuständigen Berufsschulen in Hamburg verzeichnen 2022 in diesen Ausbildungsberufen einen überdurchschnittlich hohen Rückgang der Anfängerinnen und Anfänger im Vergleich zu 2019 von 16,6 Prozent. So verzeichnen die Kaufleute in Einkauf, Vertrieb und Handel einen Rückgang von 19,3 Prozent (2019: 870 Anfänger/innen, 2022: 702 Anfänger/innen) sowie die Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufe ein Minus von 18 Prozent (2019: 919 Anfänger/innen, 2022: 754 Anfänger/innen). Betroffen sind auch die Kaufleute für Büromanagement (-16,8 Prozent), Kaufleute im Einzelhandel (-21,0 Prozent) oder Kaufleute für Groß- und Außenhandel (-30,0 Prozent). Bedeutsam ist auch der Rückgang um 16,4 Prozent in der Gruppe der Verkehrs- und Logistikberufe (außer Fahrzeugführung) (2019: 1.244, 2022: 1.040).

Deutlich gestiegene Ausbildungszahlen melden die Berufsschulen dagegen bei den Medizinischen Fachangestellten: 2022 haben 20 Prozent mehr Anfängerinnen und Anfänger in den Arztpraxen ihre Ausbildung begonnen als 2019 (2019: 507, 2019: 420). Ein weiterer Beruf mit Zuwächsen, zugleich der duale Top 1-Ausbildungsberuf, ist Fachinformatiker/in mit 609 Anfängern in 2022 im Vergleich zu 575 Anfängern in 2019.

Deutlich weniger Auszubildende aus den Nachbarbundesländern

Auffällig ist, dass im Vergleich zu 2019 1.077 weniger Ausbildungsanfängerinnen und -anfänger aus den umliegenden Bundesländern ihren Weg auf den dualen Hamburger Ausbildungsmarkt gefunden haben, das ist ein Rückgang um 18,5 Prozent (2019: 5.812, 2022: 4.735). Während 2019 bspw. noch 1.707 Ausbildungsanfänger ihren Schulabschluss in Niedersachsen erworben hatten, waren das 2022 nur noch 1.274 (25,4 Prozent Rückgang). Aus Schleswig-Holstein kamen 2019 noch 2.320 Ausbildungsanfänger, 2022 nur 1.908 (17,8 Prozent Rückgang). Deutlich geringer war der Rückgang der Hamburger Bewerber mit 3,6 Prozent von 7.827 auf 7.546.

Direkte Übergänge von Hamburger Schülerinnen und Schülern stabil

Die direkten Übergänge der Hamburger Schülerinnen und Schüler von der Schule in die Ausbildung sind stabil hoch. Das zeigt, dass die Berufsorientierung an den Hamburger Schulen und die Angebote der Ausbildungsvorbereitung auch in der Corona-Zeit krisenfest waren. Die Zahl der Hamburger Schulabgängerinnen und Schulabgänger, die 2022 direkt eine Ausbildung begonnen haben, ist im Vergleich zu 2019 sogar um + 4,6 Prozent leicht gestiegen, von 3.021 im Jahr 2019 auf 3.161 in 2022. Im Einzelnen sind 2022 1.798 Schulabgänger direkt nach Klasse 10 in eine Ausbildung gewechselt (2019: 1.859), 1.142 weitere nach der einjährigen dualen Ausbildungsvorbereitung (2019: 995) und 221 nach der einjährigen Berufsqualifizierung in Ausbildung übergegangen (2019:167).

Schulentlassenen der allgemeinbildenden Schulen ohne Abschluss bieten die Hamburger Berufsschulen zudem die Möglichkeit, im Rahmen einer Berufsausbildung oder im Rahmen anderer Bildungsangebote an den Berufsschulen den Schulabschluss nachzuholen. Rund die Hälfte erlangt so im zweiten Anlauf den Schulabschluss, so dass sich die Quote der Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss (von aktuell 6,3 Prozent eines Jahrgangs) dadurch noch einmal halbiert.

Sozialpädagogische Assistenz und Pflegeausbildung am häufigsten gewählt

Auch der Bereich der schulischen Berufsausbildung ist im Vergleich zu 2019 um 11,7 Prozent rückläufig (Anfänger 2019: 1.896, 2022: 1.674). Ausschlaggebend sind gesunkene Anfängerzahlen in der Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistenz (2019 zu 2022: minus 16 Prozent). Ein Teil dieses Rückgangs ist allerdings auch einem besonderen Effekt zuzuschreiben, der sich aus der Reform der Berufsausbildung in diesem Bereich ergibt. Denn mit 958 Anfängerinnen und Anfängern liegt die Sozialpädagogische Assistenz nach wie vor rund 60 Prozent über dem Wert von 2016, also vor in Krafttreten von umfangreichen Maßnahmen zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in den sozialpädagogischen Berufen und belegt somit Platz 2 im Ranking aller Ausbildungsberufe. Die Ausbildung wird komplett in den Berufsschulen organisiert, daher ist die Zahl der Ausbildungsplätze nicht begrenzt, sondern es werden für alle Interessierten, die die Zugangsvoraussetzungen erfüllen, Ausbildungsplätze bereitgestellt.

Der Top 1 Ausbildungsberuf 2022 ist Pflegefachfrau bzw. Pflegefachmann mit 1.308 Anfängerinnen und Anfängern (Quelle: Ausbildungsfonds Pflege). Der 2020 neu geordnete Beruf bietet ein breites Tätigkeitsspektrum von der Versorgung Neugeborener bis zum Menschen im hohen Lebensalter, im allgemeinen Krankenhaus, im Altenheim, in der ambulanten Pflege, in der Kinderkrankenpflege und in der Psychiatrie. Die Anfängerzahlen schwanken auf hohem Niveau (2020: 1.428, 2021: 1.581). Der hohe Rückgang von 17,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr hängt allerdings auch mit der Berufsreform zusammen, verglichen mit 2020 beträgt der Rückgang lediglich 8,4 Prozent.

Die berufsbildenden Schulen im Schuljahr 2022/23 im Überblick

47.823 Schülerinnen und Schüler besuchen im Schuljahr 2022/23 insgesamt die berufsbildenden Schulen in Zuständigkeit der BSB (2021/22: 48.981, 2019/20:51.891), davon 45.241 an den 30 staatlichen berufsbildenden Schulen (2021/22; 46.337, 2019/20: 49.305) und 2.582 an 24 nicht-staatlichen Schulen (2021/22: 2.644, 2019/20: 2.586).

Im Vergleich zum Schuljahr 2019/20, dem Niveau vor der Corona-Pandemie, sank die Schülerzahl in den berufsbildenden Schulen 2022/23 um 4.068 Schülerinnen und Schüler. Grund ist der deutliche Rückgang in der dualen Berufsausbildung wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Ausbildungsgeschehen, und damit verbunden allein 3.586 weniger Schülerinnen und Schüler an den staatlichen Berufsschulen, dem schulischen Lernort in der dualen Ausbildung.

Mit 78 Prozent befinden sich die allermeisten der Schülerinnen und Schüler der staatlichen berufsbildenden Schulen sich in einer Berufsausbildung, rund 9 Prozent besuchen eine Berufsvorbereitungsschule, knapp 5 Prozent ein Bildungsangebot, in dem sie einen höheren Schulabschluss erwerben können und knapp 8 Prozent sind in beruflicher Weiterbildung. Die 45.241 Schülerinnen und Schüler der staatlichen berufsbildenden Schulen werden von 2.436 Lehrerinnen und Lehrer (Vollzeitstellen) unterrichtet.

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