Kooperationen mit Rüstungsunternehmen sollen eine industrielle Kapazität von bis zu 60.000 Drohnen pro Jahr schaffen
Frankreich treibt den Aufbau einer industriellen Basis für die Serienproduktion militärischer Drohnen voran und greift dabei verstärkt auf die Fertigungskompetenz der Automobilbranche zurück. Seit Jahresbeginn haben mindestens sechs Automobilhersteller und Zulieferer entsprechende Kooperationen mit Rüstungsunternehmen angekündigt, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.
Die französische Regierung will die hohe Automatisierung, Skalierbarkeit und Kostendisziplin der Automobilindustrie mit einem der derzeit am schnellsten wachsenden Bereiche der Militärtechnik verbinden. Ziel ist es, Produktionskapazitäten aufzubauen, die im Krisenfall kurzfristig hochgefahren werden können.
Als zentrale Treiber gelten die Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine, in dem Drohnen die Aufklärung und Kampfführung grundlegend verändert haben, sowie der wachsende Druck auf die europäischen NATO-Staaten, ihre militärischen Fähigkeiten auszubauen. Frankreich und seine europäischen Partner setzen deshalb verstärkt auf eine größere und schneller skalierbare Drohnenproduktion.
Nach Angaben von Reuters könnte die Zusammenarbeit zwischen Automobil- und Rüstungsindustrie Frankreich künftig die Herstellung von Zehntausenden Systemen pro Jahr ermöglichen. Bereits im vergangenen Dezember seien Investitionen von 150 Millionen Euro für den Aufbau eines französischen Drohnensektors angekündigt worden.
Renault plant bis zu 1.000 Drohnen pro Monat
Renault arbeitet bereits mit dem französischen Rüstungsunternehmen Turgis & Gaillard zusammen. Darüber hinaus hat der Automobilkonzern mit Thales eine Vereinbarung über die Produktion von Toutatis-Drohnen getroffen. Ab 2027 sollen nach Reuters-Angaben bis zu 1.000 dieser für Angriffsmissionen vorgesehenen Systeme pro Monat gefertigt werden.
Der französische Automobilzulieferer Valeo will elektrische Drohnenmotoren für das Verteidigungstechnologieunternehmen Harmattan AI produzieren. Forvia plant eine Zusammenarbeit mit einem nicht näher genannten europäischen Rüstungsunternehmen, das auf KI-gestützte Systeme zur Drohnenabwehr spezialisiert ist.
Forvia prüft zudem den Aufbau eigener Fertigungskapazitäten in Frankreich. Vorgesehen ist dem Bericht zufolge eine monatliche Produktion von bis zu 1.000 Abfangdrohnen.
Auch der deutsche Automobilzulieferer Schaeffler ist Teil der französischen Ausbaupläne. Gemeinsam mit dem Drohnenhersteller Delair arbeitet das Unternehmen an einer Produktionslinie in Frankreich. Diese soll bis November eine Kapazität von rund 100 Drohnen pro Tag erreichen.
Bis zu 60.000 Systeme pro Jahr möglich
Sollten die angekündigten Vorhaben von Renault, Schaeffler und Forvia vollständig umgesetzt werden, könnte die französische Produktionskapazität nach Berechnungen von Reuters auf insgesamt rund 60.000 Drohnen pro Jahr steigen.
Im Fall eines größeren militärischen Konflikts könnte allerdings ein noch wesentlich höherer Bedarf entstehen. Die Erfahrungen aus der Ukraine zeigen, dass Drohnen inzwischen in großer Zahl eingesetzt werden und aufgrund von Verlusten, technischer Weiterentwicklung und kurzen Innovationszyklen kontinuierlich ersetzt werden müssen.
Patrick Pailloux, Leiter der französischen Beschaffungsbehörde für Verteidigungsgüter, arbeitet nach eigenen Angaben mit Automobilzulieferern an Drohnentypen, die Frankreich in hohen Stückzahlen herstellen kann.
Die wirtschaftliche und technologische Herausforderung liegt jedoch nicht allein im Aufbau zusätzlicher Produktionslinien. Frankreich muss Kapazitäten schaffen, die sich im Krisenfall schnell aktivieren lassen, ohne bereits im Normalbetrieb große Lagerbestände anzuhäufen. Gerade bei Drohnen besteht das Risiko, dass Systeme wegen der rasanten technologischen Entwicklung innerhalb kurzer Zeit veralten.




