Die Politik fährt Wirtschaft gegen die Wand

Februar 28, 2024

Konjunktur-Barometer auf dem tiefsten Stand seit der Finanzkrise: Im Handwerk schrillen alle Alarmglocken. 

Im Handwerk brodelt es: Die konjunkturelle Lage ist so schlecht wie lange nicht mehr – und auch die Stimmung bei den Betriebsinhabern rauscht in den Keller. „Wenn die Politik so weitermacht, fährt sie die Wirtschaft gegen die Wand“, fürchtet beispielsweise Dr. Georg Haber, Präsident der ostbayerischen Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Sie vertritt knapp 41.000 Betriebe mit rund 220.000 Beschäftigten. Der Unmut unter den Handwerkern sei groß: „Bei Steuern, Abgaben und Bürokratie sind wir Weltmeister, davon können wir uns aber nichts kaufen.“ 

Die ostbayerische Handwerksorganisation spricht von einem „besorgniserregenden“ Ausblick. Der Geschäftsklima-Index in der Region sinkt laut Konjunkturbericht zum vierten Quartal 2023 auf einen Wert von minus zehn (Vor- und Vorjahresquartal: minus eins) und erreicht damit einen Tiefstand seit der Finanzkrise 2008/2009. Vor allem im Bausektor sei die Lage teilweise dramatisch. Wegen fehlender Neuaufträge werde es dort für die Betriebe immer schwieriger, ihre Fachkräfte zu halten. „Ein Beschäftigungsabbau droht – damit sind auch die Ziele der Politik in Sachen Wohnungsbau und klimagerechter Umbau in Gefahr“, sagt Jürgen Kilger, Hauptgeschäftsführer der Kammer. Und weiter: „Um es deutlich zu sagen: Für viele Betriebe wird ihre Arbeit zunehmend unwirtschaftlich. Unsere Wettbewerbsfähigkeit ist in Gefahr.“

Der äußerst pessimistische Ausblick spiegelt sich in den konkreten Prognosen der Handwerksunternehmer wider. Fast jeder zweite Betrieb plane mit sinkenden Auftragseingängen (43 Prozent der Betriebe) sowie mit sinkenden Umsätzen (45 Prozent), so Kilger. Im Bauhauptgewerbe seien die Zahlen noch schlechter: „Dort rechnen 56 Prozent der Betriebe mit einem Abschwung bei den Auftragseingängen und 59 Prozent mit weiteren Rückgängen beim Umsatz.“ Die Eintrübung der Geschäftslage schreite in den Betrieben rasant voran: „Bewertete im Jahr 2019 nur jeder 20. Betrieb seine Geschäftslage als schlecht, ist es aktuell bereits jeder vierte.“

Die gedrückte Stimmungslage geht mit schlechten Konjunkturdaten einher. Inzwischen verbucht nach den Zahlen der Kammer jeder zweite Betrieb abnehmende Auftragseingänge. Jeder dritte Betrieb kämpft danach mit einem unterdurchschnittlichen Auftragsbestand. Die unterdurchschnittliche Nachfrage ist demnach besonders im Bauhauptgewerbe spürbar. 

Auch hinsichtlich der Umsätze halten die Konjunkturdaten wenig Positives bereit: „Die Umsatzdynamik war bereits im Vorquartal schwach und hat sich nun nochmals verschlechtert“, so Kammergeschäftsführer Kilger. Jeder dritte Betrieb meldet rückläufige Umsatzzahlen. Nur jeder sechste Betriebsinhaber berichtet von Zuwächsen. Eine schwächere Umsatzdynamik zeige sich erneut vor allem im Bauhauptgewerbe. Jeder zweite Betrieb meldet dort weniger Umsatz als noch im dritten Quartal 2023. Auch in den Handwerken für den privaten Bedarf wachse die Zahl der Betriebe, die Umsatzrückgänge verzeichnen.

Die meisten Betriebe (68 Prozent) erhöhten ihre Preise nicht. „Und das trotz steigendem Preisniveau auch für unsere Handwerksbetriebe“, merkte Kilger an. Die Folge: „Die aktuelle Verunsicherung führt dazu, dass Handwerksunternehmer Zukunftsinvestitionen zurückstellen, die eigentlich gerade jetzt so dringend nötig wären.“

Die Kammer fordert mehr Unterstützung aus der Politik in Bund und Land, unter anderem durch gezielte Konjunkturprogramme für die Baubranche. Grundsätzlich, betont Ostbayerns Handwerkspräsident, seien die Zukunftsaussichten für das Handwerk angesichts der vielen Transformationsaufgaben – von Mobilitätswende über Wärmewende bis hin zum Wohnungsbau – „mehr als gut“: „Deshalb muss die Politik jetzt schnell spürbare Wachstumsimpulse setzen, damit wir dieses Konjunktur-Tal bald durchschritten haben“, sagt Dr. Haber.

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