Tragepflicht für Bodycams bei der Polizei ist richtig

März 28, 2023

Jochen Sauer, Architect & Engineering Manager bei Axis Communications

Wenn es nach Herbert Reul, Innenminister von Nordrhein-Westfalen geht, müssen die etwa 18.000 Polizisten in NRW bald Bodycams tragen. Reul hat letzten Donnerstag im Innenausschuss des Landtags eine Tragepflicht angekündigt. Sie könnte bereits ab April gelten.

Die Tragepflicht sei eine der Maßnahmen nach den tödlichen Schüssen auf einen 16-jährigen Flüchtling aus Senegal in Dortmund im August 2022. Bei diesem Einsatz hatten Polizisten zwar Bodycams dabei, aber nicht eingeschaltet.

Nachfolgend finden Sie dazu ein Statement von Jochen Sauer, Architect & Engineering Manager bei Axis Communications. Jochen Sauer befürwortet eine Tragepflicht für Bodycams bei der Polizei, betont aber auch, dass dies nur dann sinnvoll ist, wenn die Bodycams intelligent eingesetzt und genutzt werden.

„Durch die wachsende Anzahl gewalttätiger Übergriffe auf Polizei, Sicherheitspersonal, Rettungskräfte oder Zugbegleiter in den letzten Jahren nahm die Bedeutung von Bodycams kontinuierlich zu. Die Vorteile liegen auf der Hand: Zum einen wirken sie abschreckend. Sie können dabei helfen, potenziell aggressive Situationen zu deeskalieren, um Auseinandersetzungen präventiv entgegenzuwirken. Zum anderen sind sie ein wichtiges Hilfsmittel für die Erfassung von Beweismaterial direkt vor Ort. Dabei geht es nicht nur um Beweise gegen mutmaßliche Verdächtige, sondern auch um Belege dafür, dass sich der Benutzer der Kamera angemessen verhalten hat.

Auch bei dem tödlichen Polizeieinsatz in Dortmund im August 2022 hätte das von Bodycams erfasste Videomaterial als Beweis für die Ermittlungen nach dem Vorfall dienen und bei der Gerichtsverhandlung für Entlastung sorgen können. Doch waren die Kameras leider nicht eingeschaltet. Laut Ermittlerkreisen wurde die Situation für die Beamten, als der 16-jährige Jugendliche mit einem Messer auf die Polizisten zuging, innerhalb von Sekunden so nervlich belastend, dass keiner mehr an das Anschalten der Bodycams gedacht habe.

Genau hier liegt der entscheidende Punkt: Wir von Axis Communications sprechen uns klar für das Tragen von Bodycams bei Polizeieinsätzen aus. Der Einsatz der am Körper getragenen Kameras macht jedoch nur Sinn, wenn letztere auch smart genutzt werden. Gerade weil Polizeibeamte unter Stress stehen können, müssen die Bodycams so einfach wie möglich und ohne großen technischen Aufwand benutzt werden können. Ziel muss sein, dass die Beamten im Ernstfall so wenig wie möglich manuell verrichten müssen und die Technik ihnen so viel wie möglich abnimmt. Die Interaktion zwischen Mensch und Maschine muss auch hier so funktionieren, dass die Automatisierung technischer Prozesse dem menschlichen Nutzer Mehrwert beim Ausüben seiner Tätigkeit bringt.

Bodycams sollten daher zum Beispiel eine Funktion zur automatischen Aktivierung der Videoaufzeichnung enthalten. Mit einer eingestellten Voralarmaufzeichnung wird sichergestellt, dass der Einsatz inklusive des zur Eskalation geführten Ereignisses erfasst wird, ohne dass der Kamerabenutzer die Aufzeichnung manuell starten muss. So kann zum Beispiel ein Sensor das Entriegeln des Holsters, also der Tasche für eine griffbereit getragene Waffe, erkennen und in Folge automatisch eine Aufzeichnung auslösen. Auf diese Weise werden Vorfälle auch in Stresssituationen, in denen keine Zeit zum manuellen Drücken des Aufnahmebuttons bleibt, erfasst.“

Info zu AXIS Body Worn Solution.

Die AXIS Body Worn Solution verfügt über eine robuste Kamera, Andockstation und Systemsteuerung und kann durch eine offene Systemarchitektur in andere Video Management Systeme (VMS) und Evidenz-Management-Systeme (EMS) integriert werden. Die Bodycam ist leicht, robust und einfach zu bedienen. Sie kann über eine Berührung gestartet und gestoppt werden und puffert bis zu 90 Sekunden vor dem Einschalten. Zudem verfügt sie über intelligente Funktionen zur automatischen Aktivierung der Aufzeichnung, um sicherzustellen, dass ein Vorfall auch ohne manuelle Aktivierung aufgenommen wird:

  • Die Fallerkennung löst automatisch eine Videoaufzeichnung aus, wenn die Person mit der Kamera stürzt.
  • Bei der Entriegelungserkennung erkennt ein Sensor das Entriegeln des Holsters, und löst in Folge automatisch eine Videoaufzeichnung aus

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