Ein aktueller Bericht der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsfirma KPMG zeigt: Der illegale Tabakhandel in Europa wird zunehmend durch digitale Mittel und moderne Transporttechnologien unterstützt. Schmuggler weichen vermehrt auf Plattformen wie Facebook oder Telegram aus – und setzen bei der Lieferung auf Drohnen statt auf klassische Schmuggelrouten.
Digitalisierung und neue Taktiken
Grenzkontrollen und Überwachungsmaßnahmen machen es den Akteuren im Schwarzmarkt zwar schwerer – doch sie passen sich schnell an. Drohnen fliegen kleine Mengen über Landesgrenzen, häufig dort, wo kaum Überwachung besteht. Der Vorteil: wenig Risiko, keine Zwischenhändler, kaum Spuren.
Auch auf der Vertriebsseite hat sich einiges getan. Der Verkauf findet verstärkt in geschlossenen Online-Gruppen statt. Käufer und Verkäufer kommunizieren verschlüsselt – klassische Kanäle wie Straßenmärkte verlieren an Bedeutung.
Wirtschaftlicher Schaden und politische Debatte
Laut der KPMG-Studie, die im Auftrag von Philip Morris International durchgeführt wurde, wurden 2024 rund 40 Milliarden illegale Zigaretten in 38 europäischen Ländern konsumiert – ein Anstieg von über zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Untersuchung stützt sich unter anderem auf Verpackungsanalysen und Daten der Strafverfolgungsbehörden.
Ein möglicher Grund für den Anstieg: hohe Tabaksteuern. Länder wie Frankreich und die Niederlande haben in den vergangenen Jahren die Preise für legale Zigaretten deutlich angehoben. Laut KPMG treibt das viele Konsument:innen in den Schwarzmarkt. Gesundheitsorganisationen widersprechen dieser Sichtweise und betonen, dass höhere Steuern ein wirksames Mittel zur Eindämmung des Tabakkonsums seien.
Wandel in der Logistik
Neben neuen Vertriebskanälen verändert sich auch die Logistik. Schmuggler lagern bewusst kleinere Mengen, um bei Durchsuchungen keine großen Verluste zu erleiden. Zudem werden zunehmend Bahnstrecken und Billigfluglinien für Transporte genutzt – diskreter und flexibler als herkömmliche Wege über Lkw oder Schiffscontainer.
Herausforderung für die Politik
Der illegale Tabakhandel stellt Staaten vor eine doppelte Aufgabe: Einerseits müssen sie Einnahmeverluste und organisierte Kriminalität bekämpfen, andererseits bleibt der gesundheitspolitische Anspruch bestehen, den Tabakkonsum insgesamt zu senken. Die Kriminellen sind flexibel – die Reaktion der Behörden muss es auch sein.

