Thales-Studie: Unternehmen mit hoher KI-Reife sind besser auf das Quantenzeitalter vorbereitet
Die rasante Entwicklung von Künstlicher Intelligenz und Quantencomputing verändert nicht nur Geschäftsmodelle, sondern auch die Anforderungen an die Cybersicherheit. Während KI bereits heute zahlreiche Unternehmensprozesse prägt, rückt gleichzeitig die Frage in den Fokus, wie bestehende kryptografische Verfahren gegenüber den Rechenleistungen zukünftiger Quantencomputer geschützt werden können. Eine aktuelle Studie von Thales zeigt, dass Unternehmen diese beiden Technologien zunehmend als zusammenhängende Herausforderung betrachten.
Der „Thales Quantum & AI Threat Report 2026“, der von 451 Research by S&P Global erstellt wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass sich 98 Prozent der befragten Unternehmen inzwischen mit den Wechselwirkungen zwischen Künstlicher Intelligenz und Quantencomputing befassen. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass insbesondere Unternehmen mit einer hohen Reife im Bereich KI-Sicherheit bei der Vorbereitung auf das Quantenzeitalter deutlich weiter fortgeschritten sind.
Quantensicherheit wird zur strategischen Aufgabe
Die Studie macht deutlich, dass Quantensicherheit von vielen Unternehmen nicht länger als Zukunftsthema betrachtet wird. Vielmehr entwickelt sie sich zunehmend zu einer strategischen Aufgabe innerhalb der Unternehmenssicherheit.
So sehen 61 Prozent der befragten Organisationen sogenannte „Harvest Now, Decrypt Later“ (HNDL)-Angriffe als größtes Risiko im Zusammenhang mit Quantencomputern. Dabei werden verschlüsselte Daten bereits heute abgefangen und gespeichert, um sie künftig mit leistungsfähigen Quantencomputern entschlüsseln zu können.
Als wichtigste Maßnahme zur Vorbereitung auf diese Entwicklung nennen 59 Prozent der Unternehmen die Entwicklung von Prototypen sowie die Evaluierung von Post-Quantum-Kryptografie (PQC). Ziel dieser neuen kryptografischen Verfahren ist es, Daten auch gegenüber zukünftigen Quantencomputern abzusichern.
KI-Vorreiter investieren auch in Quantensicherheit
Auffällig ist der enge Zusammenhang zwischen KI-Kompetenz und der Vorbereitung auf Quantenbedrohungen. Unternehmen, die bei der Nutzung und Absicherung von KI zu den Vorreitern gehören, beschäftigen sich deutlich häufiger aktiv mit Quantentechnologien als andere Organisationen (33 Prozent gegenüber 22 Prozent).
Umgekehrt investieren Unternehmen mit einer hohen Reife im Bereich Quantentechnologien häufiger in KI-spezifische Sicherheitsmaßnahmen (89 Prozent gegenüber 80 Prozent).
Nach Einschätzung der Studie liegt der gemeinsame Erfolgsfaktor dabei weniger in einzelnen Technologieinvestitionen als vielmehr im Aufbau robuster Grundlagen. Unternehmen mit hoher Innovationskraft verfügen häufig über ausgereifte Konzepte für Datenmanagement, Governance, Kryptografie und Sicherheitsarchitekturen. Diese bilden die Basis sowohl für den sicheren Einsatz von KI als auch für die Vorbereitung auf das Quantenzeitalter.
Gemeinsame Entwicklung beider Technologien
Die Untersuchung zeigt zudem, dass Unternehmen die zukünftige Entwicklung von KI und Quantencomputing zunehmend als miteinander verknüpft betrachten. Mehr als die Hälfte der Befragten erwartet, dass Quantencomputer künftig die Leistungsfähigkeit des maschinellen Lernens verbessern (57 Prozent) sowie die Simulation komplexer Systeme beschleunigen (54 Prozent).
Damit verändern sich auch die Anforderungen an die Informationssicherheit. Unternehmen müssen künftig nicht nur die Chancen beider Technologien nutzen, sondern gleichzeitig ihre kryptografischen Grundlagen anpassen und widerstandsfähiger gestalten.
Vertrauen wird zum Wettbewerbsfaktor
Nach Einschätzung von Thales entwickeln sich Vertrauen, Resilienz und Sicherheit zunehmend von klassischen Compliance-Themen zu strategischen Wettbewerbsvorteilen. Unternehmen, die bereits heute ihre Sicherheitsarchitekturen modernisieren, schaffen damit gleichzeitig die Grundlage für zukünftige Innovationen.
„Das Quantenrisiko ist in eine neue Phase eingetreten“, erklärt Todd Moore, Vice President of Data Security Products bei Thales. „Die Unternehmen, die die größten Fortschritte erzielen, sind nicht unbedingt diejenigen, die heute am meisten in Quantentechnologie investieren. Es sind vielmehr die Unternehmen, die ein solideres Fundament in Bezug auf Datentransparenz, Governance und Resilienz schaffen.“
Vorbereitung statt Abwarten
Die Studie zeigt, dass viele Unternehmen inzwischen konkrete Maßnahmen zur Vorbereitung auf das Quantenzeitalter eingeleitet haben. Organisationen, die sich bereits aktiv mit Quantentechnologien beschäftigen, sind bei zentralen Sicherheitsinitiativen deutlich weiter fortgeschritten als andere Unternehmen.
So geben 22 Prozent dieser Organisationen an, bei der Modernisierung ihrer Public-Key-Infrastruktur (PKI) dem Zeitplan voraus zu sein. Bei Unternehmen mit geringerer Vorbereitung trifft dies lediglich auf 14 Prozent zu. Ähnliche Unterschiede zeigen sich beim Zertifikatsmanagement, der unternehmensweiten Schlüsselverwaltung sowie bei Programmen zur Codesignierung.
Nach Ansicht von Thales beschleunigt insbesondere der zunehmende Einsatz von KI den Handlungsbedarf.
„KI lenkt Unternehmen nicht vom Thema Quantencomputing ab – sie beschleunigt vielmehr die Notwendigkeit, sich vorzubereiten“, sagt Todd Moore. „Je stärker KI in Unternehmensprozesse integriert wird, desto wichtiger wird das Vertrauen in die zugrunde liegenden kryptografischen Verfahren. Unternehmen, die heute in Transparenz, kryptografische Agilität und resiliente Sicherheitsarchitekturen investieren, schaffen die Voraussetzungen für zukünftige Innovationen.“
Kryptografische Agilität gewinnt an Bedeutung
Anstatt auf verbindliche Zeitpläne für leistungsfähige Quantencomputer zu warten, setzen viele Unternehmen nach Angaben der Studie bereits heute auf sogenannte „No-Regret-Maßnahmen“. Dazu gehören die Identifikation besonders schützenswerter Daten, die Analyse kryptografischer Risiken, erste Tests mit Post-Quantum-Kryptografie sowie der Aufbau einer höheren kryptografischen Agilität.
Ergänzt durch mehrschichtige Sicherheitskonzepte und größere kryptografische Vielfalt sollen diese Maßnahmen Unternehmen dabei unterstützen, ihre Resilienz sowohl gegenüber KI-gestützten Angriffen als auch gegenüber zukünftigen Quantenbedrohungen zu stärken.
Der „Thales Quantum & AI Threat Report 2026“ basiert auf einer Befragung von mehr als 3.100 Unternehmen in 20 Ländern. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Künstliche Intelligenz und Quantencomputing zunehmend gemeinsam betrachtet werden müssen. Für Unternehmen entwickelt sich die Fähigkeit, beide Technologietrends gleichzeitig sicher zu beherrschen, zu einem wesentlichen Baustein ihrer digitalen Resilienz.

