Kommentar: Sicherheit ist mehr als Statistik – und mehr als Polizei

Februar 19, 2026

Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 für Baden-Württemberg ist auf den ersten Blick eine Erfolgsgeschichte: weniger Straftaten, hohe Aufklärungsquoten, rückläufige Gewalt im öffentlichen Raum. Das stärkt Vertrauen und zeigt, dass Investitionen in Polizei, Prävention und kommunale Sicherheitskonzepte wirken. Sicherheitspolitik ist steuerbar – und der Staat bleibt handlungsfähig.

Doch die eigentliche gesellschaftspolitische Bedeutung der Statistik liegt nicht nur im Rückgang der Kriminalität, sondern in ihrer Veränderung. Die klassische Kriminalitätsdebatte – Straßenkriminalität, Einbruch, Gewalt in Innenstädten – verliert an Dominanz. Gleichzeitig entstehen neue, komplexere Risikofelder.

Sicherheit verschiebt sich – sichtbar und unsichtbar

Während Delikte im öffentlichen Raum sinken, steigen andere Formen der Gewalt, insbesondere Partnerschaftsgewalt. Täglich registriert die Polizei rund 50 Fälle häuslicher Gewalt. Das zeigt: Sicherheit endet nicht an der Wohnungstür. Polizei allein kann dieses Problem nicht lösen – gefragt sind Prävention, Opferschutz, Täterarbeit und frühzeitige Intervention.

Parallel dazu verlagert sich Kriminalität in den digitalen Raum. Cybercrime verursacht trotz sinkender Fallzahlen höhere Schäden, viele Taten werden aus dem Ausland begangen. Sicherheit wird damit zunehmend international, technisch und vernetzt. Auch Betrugsmaschen wie Schockanrufe oder falsche Polizeibeamte zeigen, dass Kriminalität immer stärker auf psychologische Manipulation setzt – oft zulasten älterer Menschen.

Kriminalität und Migration – Klarheit statt Ausweichen

Ein weiterer Punkt darf nicht ausgeblendet werden: In bestimmten Deliktsbereichen sind nichtdeutsche Tatverdächtige, insbesondere junge Männer, überproportional vertreten. Das ist ein statistischer Befund und muss sachlich benannt werden, ohne pauschal zu verurteilen oder zu relativieren.

Entscheidend ist die Zielrichtung: Der Anteil kriminalitätsbelasteter Gruppen muss reduziert werden – durch klare Integrationsanforderungen, schnelle Strafverfahren, konsequente Strafverfolgung und wirksame Prävention. Integration ist dabei kein Nebenfeld, sondern ein zentraler Bestandteil von Sicherheitspolitik.

Konkret bedeutet das: verbindliche Sprach- und Integrationsprogramme, frühzeitige Arbeitsperspektiven, gezielte Maßnahmen gegen jugendliche Intensivtäter sowie konsequente Sanktionen und aufenthaltsrechtliche Entscheidungen bei schweren oder wiederholten Straftaten. Sicherheit und Integration dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden – sie sind zwei Seiten derselben Aufgabe.

Sicherheit als Vertrauensfrage

Die Aufklärungsquote von über 60 Prozent ist nicht nur eine Zahl, sondern ein Vertrauensfaktor. In Zeiten von Desinformation und emotionalisierten Debatten sind transparente Daten und nachvollziehbare Kommunikation entscheidend. Digitale Plattformen wie sicher-bw.de leisten hier einen wichtigen Beitrag, weil sie Fakten zugänglich machen und Diskussionen versachlichen.

Was die PKS 2025 wirklich zeigt

Die Statistik macht drei Entwicklungen deutlich:

  1. Klassische Kriminalität im öffentlichen Raum ist rückläufig und kontrollierbar.
  2. Gewalt im privaten Umfeld und Integrationsdefizite bleiben zentrale Herausforderungen.
  3. Digitale und internationale Kriminalität prägen die Sicherheitslage der Zukunft.

Fazit

Baden-Württemberg bleibt ein sicheres Land – das ist die positive Botschaft. Gleichzeitig wird Sicherheitspolitik komplexer. Sie umfasst längst mehr als Polizeiarbeit: Integration, Digitalisierung, Prävention, internationale Kooperation und klare Rechtsdurchsetzung gehören ebenso dazu.

Moderne Sicherheit misst sich daher nicht nur an sinkenden Fallzahlen, sondern daran, ob es gelingt, neue Risiken frühzeitig zu erkennen, Probleme offen zu benennen und mit klaren, messbaren Zielen zu handeln. Nur so bleibt Sicherheit nicht nur statistisch real – sondern gesellschaftlich spürbar.

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