Nach organisiertem Kupferdiebstahl setzt Betreiber auf intelligente Perimeterüberwachung und reduziert Fehlalarme drastisch
Es war ein Vorfall, der die Verwundbarkeit moderner Energieinfrastrukturen schonungslos sichtbar machte: Ein groß angelegter Kupferdiebstahl traf einen Solarpark im niederländischen Almelo nahe der deutschen Grenze. Organisierte Täter verschafften sich Zugang zur Anlage und verursachten erhebliche Schäden an der technischen Infrastruktur. Für den Betreiber wurde schnell klar, dass klassische Sicherheitsmaßnahmen nicht mehr ausreichen.
Heute überwacht ein neues LiDAR-basiertes Sicherheitssystem das weitläufige Gelände – mit deutlich höherer Präzision und erheblich weniger Fehlalarmen. Der Fall zeigt exemplarisch, wie sich die Sicherheitsanforderungen im Bereich erneuerbarer Energien verändern.
Freiflächenanlagen geraten stärker ins Visier
Solarparks gelten zunehmend als attraktive Ziele professioneller Tätergruppen. Der Grund liegt vor allem in den hohen Materialwerten: Kupferkabel, Batteriesysteme und technische Komponenten lassen sich vergleichsweise schnell entwenden und gewinnbringend weiterverkaufen.
Gerade große Freiflächenanlagen verfügen häufig nur über minimale personelle Präsenz. Lange Zaunanlagen, abgelegene Standorte und weitläufige technische Infrastruktur erschweren eine lückenlose Überwachung zusätzlich.
Nach internationalen Marktbeobachtungen steigt die Zahl der Sicherheitsvorfälle an europäischen Solarparks seit Jahren deutlich an. Besonders Kupferdiebstähle verursachen massive wirtschaftliche Schäden. In einzelnen Fällen werden während eines Einbruchs Dutzende Kilometer Verkabelung entwendet. Hinzu kommen Produktionsausfälle, Reparaturkosten und steigende Versicherungsanforderungen.
Grenzen klassischer Sicherheitstechnik
Im Fall von Almelo zeigten sich die Schwächen konventioneller Schutzmaßnahmen deutlich. Standard-Kamerasysteme, Zäune und klassische Bewegungserkennung konnten die Täter weder frühzeitig identifizieren noch wirksam abschrecken.
Der Betreiber entschied sich deshalb gemeinsam mit dem Sicherheitspartner Loogisch für eine grundlegende Neuausrichtung des Sicherheitskonzepts. Unterstützt wurde das Projekt vom Distributor SmartSD sowie vom Technologieanbieter OPTEX.
Im Mittelpunkt der neuen Lösung steht der LiDAR-Sensor REDSCAN RLS-50100V von OPTEX.
Laserscanning für präzisere Perimetererkennung
Die eingesetzte LiDAR-Technologie arbeitet mit Laserscanning und ermöglicht eine deutlich präzisere Bewegungserkennung als klassische Sensorik. Statt lediglich Bewegungen allgemein zu registrieren, analysiert das System deren Charakteristik und kann zwischen tatsächlichen Eindringlingen und Umwelteinflüssen unterscheiden.
Genau darin lag laut Projektbeteiligten einer der entscheidenden Vorteile. Regen, Nebel, Windbewegungen oder Vegetation führen bei herkömmlichen Detektionssystemen häufig zu Fehlalarmen. Die LiDAR-basierte Lösung filtert solche Störungen wesentlich präziser heraus.
Der eingesetzte Sensor deckt laut Hersteller Bereiche von bis zu fünfzig mal hundert Metern ab und unterstützt mehrere voneinander getrennte Detektionszonen. Dadurch lassen sich kritische Bereiche innerhalb des Geländes gezielt priorisieren.
Für weitläufige Energieanlagen ergibt sich daraus ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor: Große Flächen können mit vergleichsweise wenigen Sensoren abgesichert werden.
Solarmodule erschweren die Detektion
Die Implementierung erwies sich dennoch als technisch anspruchsvoll. Solarmodule erzeugen starke Reflexionen und Blendwirkungen, die optische Detektionssysteme beeinflussen können. Zusätzlich befinden sich viele technische Einrichtungen bodennah, wodurch Tiere oder Vögel ungewollte Meldungen auslösen können.
Die Projektpartner reagierten darauf mit einer gezielten Feinjustierung der Sensorpositionen und Detektionszonen. OPTEX unterstützte die Umsetzung zusätzlich über Remote-Konfigurationen sowie Optimierungen auf Basis praktischer Tests im laufenden Betrieb.
Laut Frank Pikkemaat spielte gerade diese Abstimmungsphase eine zentrale Rolle für die spätere Stabilität des Systems. Erst die Kombination aus technischer Feinjustierung und standortspezifischer Anpassung reduzierte die Fehlmeldungen nachhaltig.
Über 90 Prozent weniger Fehlalarme
Die Ergebnisse zeigen laut Betreiber deutliche Verbesserungen. Seit Inbetriebnahme des neuen Systems wurden keine weiteren erfolgreichen Eingriffe registriert. Gleichzeitig sank die Zahl unnötiger Alarme um mehr als neunzig Prozent.
Besonders relevant ist dabei die Integration in Video-Management- und Echtzeit-Visualisierungsplattformen. Sicherheitsverantwortliche können erkannte Vorfälle dadurch unmittelbar bewerten und schneller auf verdächtige Aktivitäten reagieren.
Der Fall verdeutlicht damit einen zentralen Trend innerhalb der Sicherheitsbranche: Moderne Perimetersicherheit entwickelt sich zunehmend weg von isolierter Sensorik hin zu intelligent vernetzten Lagebildsystemen.
Erneuerbare Energien werden zur KRITIS-Aufgabe
Die Entwicklung in Almelo steht exemplarisch für eine breitere Veränderung im europäischen Energiesektor. Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien wächst zugleich die Bedeutung entsprechender Schutzmaßnahmen für kritische Infrastrukturen.
Solarparks, Batteriespeicher und Windkraftanlagen geraten nicht nur stärker in den Fokus organisierter Kriminalität, sondern zunehmend auch in sicherheitspolitische Diskussionen über Sabotage, Resilienz und Versorgungssicherheit.
Damit verschiebt sich die Rolle physischer Sicherheitstechnologien deutlich: Perimeterüberwachung wird zunehmend Teil strategischer KRITIS-Resilienz.
Gerade intelligente Sensorik, KI-gestützte Analyseplattformen und integrierte Echtzeit-Lagebilder dürften künftig eine zentrale Rolle spielen, um weitläufige Energieinfrastrukturen wirtschaftlich und gleichzeitig belastbar abzusichern.

