KRITIS-Anforderungen, Rechenzentren und Digitalisierung treiben die Branche – Baukonjunktur bleibt entscheidender Faktor
Der deutsche Markt für elektronische Sicherheitstechnik hat 2025 seinen Wachstumskurs fortgesetzt. Nach aktuellen Zahlen stieg der Branchenumsatz gegenüber dem Vorjahr um 3,9 Prozent auf 5,74 Milliarden Euro. Damit entwickelte sich der Sicherheitsmarkt deutlich robuster als viele andere Segmente der Bau- und Gebäudetechnik und profitiert zunehmend von strukturellen Wachstumstreibern wie dem Ausbau digitaler Infrastrukturen, regulatorischen Anforderungen sowie dem steigenden Sicherheitsbedarf kritischer Einrichtungen.
Gleichzeitig zeigt sich, dass die Branche weiterhin eng mit der Entwicklung des Baugewerbes verknüpft bleibt. Während die Baukonjunktur noch immer unter hohen Finanzierungskosten und Investitionszurückhaltung leidet, deuten steigende Baugenehmigungen und angekündigte Infrastrukturprogramme auf eine schrittweise Erholung hin.
Sicherheitsmarkt entwickelt sich widerstandsfähig
„Die Nachfrage nach Sicherheitstechnik in Deutschland ist ungebrochen“, betont Dirk Dingfelder, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands Sicherheit. Nach dem vergleichsweise verhaltenen Wachstum des Vorjahres habe die Branche 2025 wieder deutlich an Dynamik gewonnen.
Auch Axel Schmidt, Vorstandsvorsitzender des BHE Bundesverband Sicherheitstechnik, verweist jedoch auf die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die weiterhin schwache Baukonjunktur sowie geopolitische Unsicherheiten wirkten sich unmittelbar auf Investitionsentscheidungen aus. Auch der angekündigte „Bau-Turbo“ habe bislang noch keine spürbaren Impulse entfaltet.
Dennoch mehren sich die Anzeichen einer Trendwende. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes steigt die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen wieder an. Hinzu kommt das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität, das – sofern zusätzliche Investitionen angestoßen werden – auch der Sicherheitsbranche zugutekommen dürfte.
KRITIS-Gesetz stärkt physische Sicherheit
Neben der Bauwirtschaft entwickelt sich die Regulierung zunehmend zu einem wichtigen Wachstumstreiber. Mit dem geplanten KRITIS-Dachgesetz werden erstmals verbindliche Mindeststandards für den Schutz kritischer Infrastrukturen eingeführt.
Dadurch wächst die Bedeutung physischer Sicherheitslösungen in Bereichen wie Energieversorgung, Gesundheitswesen, Wasserwirtschaft, Telekommunikation und Rechenzentren. Zutrittskontrolle, Videoüberwachung, Brandfrüherkennung und weitere sicherheitstechnische Systeme werden künftig stärker als integraler Bestandteil der Resilienz kritischer Einrichtungen betrachtet.
Rechenzentren sorgen für zusätzliche Nachfrage
Ein weiterer Wachstumsmarkt bleibt der Ausbau von Rechenzentren. Mit der steigenden Nachfrage nach Cloud-Diensten, Künstlicher Intelligenz und digitaler Infrastruktur wächst gleichzeitig der Bedarf an leistungsfähiger Sicherheitstechnik.
Nach Einschätzung des ZVEI umfasst dies weit mehr als klassische Zutrittskontrolle. Moderne Rechenzentren benötigen integrierte Sicherheitskonzepte, die Videoüberwachung, physische Zugangssicherung sowie Systeme zur frühzeitigen Detektion kritischer Wärmeentwicklungen und Brände miteinander verbinden.
Gerade diese Kombination unterschiedlicher Technologien sorgt dafür, dass sich der Sicherheitsmarkt zunehmend als Bestandteil digitaler Infrastruktur etabliert.
Neue Regulierung verändert Produktentwicklung
Neben dem Marktwachstum stehen Hersteller vor tiefgreifenden regulatorischen Veränderungen. Die europäische Bauprodukte-Verordnung tritt in ihre entscheidende Umsetzungsphase und bringt neue Anforderungen an Normung, Nachhaltigkeit und digitale Produktinformationen mit sich.
Insbesondere der künftig verpflichtende digitale Produktpass wird die Entwicklung sicherheitstechnischer Systeme nachhaltig beeinflussen. Gleichzeitig gewinnt die Betrachtung des gesamten Produktlebenszyklus an Bedeutung – von der Entwicklung über den Betrieb bis zur Modernisierung bestehender Anlagen.
Für Hersteller bedeutet dies einen Paradigmenwechsel: Sicherheitstechnik muss künftig stärker unter den Aspekten Nachhaltigkeit, Dokumentation und Lifecycle-Management entwickelt werden.
Zutrittskontrolle und Videosicherheit wachsen überdurchschnittlich
Die Entwicklung der einzelnen Marktsegmente verlief 2025 unterschiedlich.
Mit einem Umsatz von 2,7 Milliarden Euro bleibt die Brandmeldetechnik das mit Abstand größte Gewerk der elektronischen Sicherheitstechnik. Das Marktsegment wuchs analog zum Gesamtmarkt um 3,9 Prozent und bleibt aufgrund seiner engen Verbindung zum Neubau besonders abhängig von der Baukonjunktur.
Die Sprachalarmanlagen steigerten ihren Umsatz um 3,8 Prozent auf 143 Millionen Euro.
Deutlich dynamischer entwickelten sich Zutrittssteuerungssysteme, die mit einem Wachstum von 6,1 Prozent auf 541 Millionen Euro zu den stärksten Segmenten gehörten. Die zunehmende Digitalisierung von Gebäuden sowie steigende Anforderungen an Identitäts- und Zutrittsmanagement treiben diesen Markt seit mehreren Jahren kontinuierlich an.
Ebenfalls überdurchschnittlich entwickelte sich die Videosicherheitstechnik. Mit einem Umsatzplus von 6,1 Prozent auf 870 Millionen Euro profitiert sie von ihrer hohen Flexibilität sowie der zunehmenden Integration in intelligente Sicherheitsplattformen. Moderne Videosysteme übernehmen heute weit mehr als klassische Überwachungsaufgaben und werden zunehmend mit KI-gestützter Analyse, Zutrittskontrolle und Gebäudemanagement verknüpft.
Einbruchschutz bleibt hinter dem Gesamtmarkt
Weniger dynamisch verlief die Entwicklung bei Überfall- und Einbruchmeldeanlagen. Zwar stieg der Umsatz auf 942 Millionen Euro, das Wachstum von 2,4 Prozent blieb jedoch erneut unter dem Branchendurchschnitt.
Auch Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA) einschließlich Natürlicher Lüftung legten mit 2,8 Prozent auf 182 Millionen Euro nur moderat zu.
Die Gruppe sonstiger Sicherheitssysteme – darunter Rufanlagen, Fluchttürsysteme, Personenhilferuf sowie weitere Komponenten – verharrte mit 360 Millionen Euro auf Vorjahresniveau.
Digitalisierung verändert den Sicherheitsmarkt nachhaltig
Die aktuellen Marktzahlen verdeutlichen einen grundlegenden Strukturwandel innerhalb der Branche. Während klassische Gebäudesicherheit weiterhin von der Baukonjunktur geprägt wird, entwickeln sich digitale Sicherheitslösungen zunehmend unabhängig vom Neubau.
Treiber dieser Entwicklung sind der Ausbau von Rechenzentren, steigende Anforderungen an Cyber- und physische Resilienz, neue gesetzliche Vorgaben wie das KRITIS-Dachgesetz sowie die fortschreitende Vernetzung von Gebäuden. Damit verschiebt sich der Fokus der Branche zunehmend von einzelnen Sicherheitsprodukten hin zu integrierten Sicherheits- und Infrastrukturplattformen.
Vor diesem Hintergrund dürfte der Markt für elektronische Sicherheitstechnik auch in den kommenden Jahren von langfristigen Investitionen in Digitalisierung, kritische Infrastrukturen und resiliente Gebäude profitieren – vorausgesetzt, die erwartete Erholung der Bauwirtschaft setzt sich fort.


