Präzise RFID-Identifikation für Verkehr und Logistik

Februar 15, 2026

Neue Antennen, validierte Performance und erweiterte Integrationsmöglichkeiten für anspruchsvolle ITS- und Intralogistik-Anwendungen

Die Anforderungen an moderne Verkehrs- und Logistikinfrastrukturen steigen kontinuierlich. Betreiber müssen wachsende Verkehrsströme bewältigen, Prozesse beschleunigen und zugleich eine eindeutige, revisionssichere Identifikation gewährleisten. RFID-basierte Systeme spielen dabei eine zentrale Rolle, insbesondere dort, wo Fahrzeuge oder Waren ohne Anhalten und ohne manuelle Eingriffe erfasst werden sollen. Kathrein Solutions adressiert diese Entwicklung mit einer Reihe neuer Komponenten und Softwareerweiterungen, die sowohl im Bereich intelligenter Verkehrssysteme (ITS) als auch in der Intralogistik neue Leistungsparameter definieren.

Ein Schwerpunkt liegt auf Antennentechnologien für sogenannte Multi-Lane-Free-Flow-(MLFF)-Szenarien. Hier entscheidet nicht nur die reine Lesereichweite über die Qualität eines Systems, sondern vor allem die Fähigkeit, Transponder eindeutig einer Fahrspur und damit einem konkreten Fahrzeug zuzuordnen. Mit der WiRa-Serie verfolgt Kathrein Solutions seit Jahren einen Ansatz, der auf hohe Richtwirkung und präzise Feldgeometrien setzt. Die aktuelle Ausprägung, die WiRa 25° 35° PRO, wurde gezielt für Umgebungen entwickelt, in denen selbst bei dichtem Verkehr und hohen Geschwindigkeiten eine selektive Erfassung erforderlich ist.

Selektivität und Datenfusion im MLFF-Betrieb

Der horizontale Öffnungswinkel von 25 Grad in Kombination mit 35 Grad in der Vertikalen ermöglicht eine sehr gezielte Ausleuchtung einzelner Fahrspuren. In der Praxis bedeutet das, dass auch bei paralleler Durchfahrt mehrerer Fahrzeuge eine klare Trennung der Datensätze erreicht wird. Unterstützt wird dieser Effekt durch einen hohen Antennengewinn, der das zuverlässige Lesen unterschiedlich positionierter Transponder – etwa auf der Windschutzscheibe oder im Bereich der Scheinwerfer – begünstigt.

Diese Präzision gewinnt insbesondere dort an Bedeutung, wo RFID-Informationen mit weiteren Sensordaten zusammengeführt werden. In MLFF-Systemen ist die Synchronisierung mit Kennzeichenerkennung (LNPR/ANPR), Klassifizierung oder Achszählsystemen ein zentraler Bestandteil der Beweisführung und Abrechnung. Je genauer die räumliche Zuordnung durch die Antenne erfolgt, desto robuster wird die nachgelagerte Datenfusion. Für Integratoren reduziert sich damit der Kalibrier- und Validierungsaufwand, während Betreiber von stabileren Prozessen profitieren.

Die Leistungsfähigkeit der Komponenten ist dabei nicht nur eine Frage der Laborbedingungen. In realen Verkehrssituationen wirken Vibrationen, Witterung, unterschiedliche Einbauhöhen und variable Fahrzeuggeometrien auf das Gesamtsystem ein. Entsprechend wichtig sind belastbare Nachweise unter praxisnahen Rahmenbedingungen.

Externe Verifikation unter realistischen Bedingungen

Vor diesem Hintergrund wurden Reader, Antennen und neu entwickelte High-Secure-Transponder in einem umfassenden ITS-Szenario auf dem Flugplatz Eberswalde getestet. Neben etablierten Geräten wie dem RRU 7700 und dem RRU 7800 standen insbesondere neue Antennenkonfigurationen auf Basis der WiRa-Technologie im Mittelpunkt. Ziel war es, die Funktionalität in typischen MLFF-Anwendungen – beispielsweise in offenen Mautsystemen – bei sehr hohen Geschwindigkeiten zu evaluieren.

Die Versuchsreihen umfassten unter anderem Spurtrennung, Mehrfachdurchfahrten, unterschiedliche Montagewinkel sowie variierende Fahrzeugtypen. Ein besonderes Augenmerk lag auf der Frage, ob auch bei Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h eine stabile und wiederholgenaue Identifikation möglich ist. Die anschließende Zertifizierung durch ein unabhängiges Prüfinstitut bestätigt die Eignung der getesteten Konfigurationen für den Einsatz in sicherheits- und abrechnungsrelevanten Umgebungen.

Solche Prüfungen gewinnen im Markt zunehmend an Bedeutung. Auftraggeber verlangen nachvollziehbare Leistungsnachweise, bevor Systeme in den Live-Betrieb überführt werden. Extern validierte Ergebnisse erleichtern Ausschreibungen, beschleunigen Genehmigungsprozesse und erhöhen die Investitionssicherheit.

Weiterentwicklung für industrielle Identifikationsprozesse

Parallel zum ITS-Umfeld treibt Kathrein Solutions die Optimierung seiner Lösungen für die Intralogistik voran. Hier stehen weniger hohe Fahrgeschwindigkeiten als vielmehr Prozessdynamik, Materialverfügbarkeit und Transparenz im Vordergrund. Die Gen4-Reader-Generation bildet dafür eine technologische Basis, die auf hohe Lesestabilität, flexible Schnittstellen und einfache Integration ausgelegt ist.

Mit den EDGE-Line-SMSH-Antennen kommt eine neue Komponente hinzu, die insbesondere für schnell wechselnde Lesezonen konzipiert wurde. Durch das überarbeitete KRAI-2.0-Interface lassen sich Umschaltvorgänge deutlich beschleunigen, was etwa in Kanban-Anwendungen oder bei der Steuerung automatisierter Materialflüsse Vorteile bringt. Kürzere Reaktionszeiten ermöglichen präzisere Buchungen und reduzieren Stillstände.

Für viele Anwender ist dabei entscheidend, dass Hardware-Fortschritte mit passenden Softwarewerkzeugen einhergehen. Nur wenn Konfiguration, Monitoring und Update-Prozesse effizient gestaltet sind, lassen sich große Installationen wirtschaftlich betreiben.

Softwareökosystem und Integrationsfähigkeit

Mit aktuellen Firmware- und Softwareversionen erweitert das Unternehmen daher kontinuierlich die Möglichkeiten für Systemintegratoren. Neue Releases für ReaderStart, Linux-basierte Firmware, Profinet-Anbindungen oder Programmierschnittstellen erleichtern die Einbettung in bestehende IT- und OT-Strukturen. Verbesserte Dokumentation, Historienfunktionen und Beispielimplementierungen unterstützen zudem die Wartung über den gesamten Lebenszyklus hinweg.

Gerade in Projekten mit langen Laufzeiten – wie sie in der Verkehrsinfrastruktur üblich sind – stellt die nachhaltige Pflege der Softwarebasis einen kritischen Erfolgsfaktor dar. Betreiber erwarten Planungssicherheit, Updatefähigkeit und Kompatibilität mit zukünftigen Erweiterungen.

Markttrend: Geschwindigkeit bei wachsender Nachweispflicht

Über alle Anwendungsfelder hinweg zeigt sich damit ein einheitliches Bild. Systeme müssen immer größere Datenmengen in kürzerer Zeit verarbeiten, gleichzeitig steigen die Anforderungen an Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Ob Mauterhebung, Zugangskontrolle oder Materialsteuerung – ohne präzise Identifikation lassen sich weder automatisierte Abläufe noch belastbare Abrechnungen realisieren.

Die aktuellen Entwicklungen von Kathrein Solutions verdeutlichen, dass Fortschritte nicht allein durch höhere Sendeleistungen erzielt werden, sondern vor allem durch kontrollierte Feldcharakteristiken, schnelle Schnittstellen und validierte Gesamtkonzepte. Für Planer und Betreiber eröffnet dies zusätzliche Spielräume bei der Auslegung leistungsfähiger, zukunftssicherer Architekturen.

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