Rechenzentren bilden das Rückgrat der digitalen Wirtschaft – doch mit dem Ausbau von KI-Infrastrukturen, Cloud-Plattformen und Hyperscale-Kapazitäten wächst auch ihre Angriffsfläche. Nach Erkenntnissen des IT-Security-Spezialisten Claroty weist rund jedes fünfte cyber-physische System erhebliche Sicherheitslücken auf. Besonders kritisch sind dabei nicht nur klassische IT-Systeme, sondern die operativen Technologien hinter Stromversorgung, Kühlung und Gebäudeautomation.
Der weltweite Ausbau von Rechenzentrumskapazitäten erreicht durch Cloud Computing und insbesondere den steigenden Bedarf an KI-Rechenleistung eine neue Dimension. Damit wächst zugleich die Abhängigkeit von einer Infrastruktur, deren Verfügbarkeit von einer Vielzahl miteinander vernetzter technischer Systeme abhängt.
Neben Servern, Netzwerken und Speichersystemen gehören dazu Stromversorgung, unterbrechungsfreie Stromversorgungen, Generatoren, Kühlanlagen, Sensorik, Zutrittskontrollen sowie Gebäudeautomationssysteme. Viele dieser Komponenten zählen zu den cyber-physischen Systemen (CPS) und verbinden digitale Steuerung unmittelbar mit physischen Prozessen.
Genau diese Verbindung macht sie aus Sicherheitssicht besonders sensibel. Ein erfolgreicher Angriff kann nicht nur Daten kompromittieren, sondern den physischen Betrieb eines Rechenzentrums beeinträchtigen – bis hin zum Ausfall geschäftskritischer Infrastruktur.
OT und Gebäudeautomation als Angriffsfläche
Eine zentrale Herausforderung ist die fehlende Transparenz über vorhandene Systeme. Rechenzentren sind häufig über Jahre gewachsen. Moderne Komponenten arbeiten neben älteren Anlagen, während unterschiedliche Betreiber, Hersteller und externe Dienstleister auf Teile der Infrastruktur zugreifen.
Hinzu kommen Systeme, die ihr reguläres Lebensende erreicht haben, aus betrieblichen Gründen jedoch nicht kurzfristig ersetzt werden können. Gerade bei Operational Technology (OT) gelten andere Lebenszyklen als in der klassischen IT. Anlagen werden teilweise über Jahrzehnte betrieben.
Das erschwert Patch- und Schwachstellenmanagement erheblich. Ein Sicherheitsupdate lässt sich nicht ohne Weiteres installieren, wenn dadurch die Verfügbarkeit einer Kühlanlage oder Stromversorgung gefährdet werden könnte.
Nach Angaben von Claroty weist rund jedes fünfte cyber-physische System erhebliche Sicherheitslücken auf. Die Herausforderung besteht damit nicht allein darin, Schwachstellen zu erkennen, sondern ihre tatsächliche Bedeutung für den Betrieb zu bestimmen und Gegenmaßnahmen zu priorisieren.
Fernzugriffe werden zum Sicherheitsrisiko
Ein weiterer kritischer Bereich ist der Zugriff externer Dienstleister. Wartung, Instandhaltung und technischer Support erfordern regelmäßig Fernzugriffe auf operative Systeme. Klassische VPN-Verbindungen können dabei weitreichendere Netzwerkzugänge eröffnen, als für die jeweilige Aufgabe notwendig wären.
Zero-Trust-Ansätze sollen dieses Risiko reduzieren. Anstelle eines grundsätzlich vertrauenswürdigen Netzwerkzugangs werden Berechtigungen auf konkrete Nutzer, Systeme, Aufgaben und Zeiträume beschränkt.
Für Rechenzentren ist dies besonders relevant: Wartungsunternehmen benötigen möglicherweise Zugriff auf eine bestimmte Komponente der Kühlung – daraus darf jedoch kein Zugang zu anderen betriebskritischen Bereichen entstehen.
Auch die Segmentierung innerhalb der Infrastruktur gewinnt an Bedeutung. Stromversorgungs-, Kühl- oder Automationssysteme sollten nur über definierte und autorisierte Kommunikationswege erreichbar sein. Damit lässt sich verhindern, dass ein kompromittiertes System zum Ausgangspunkt für eine weitere Bewegung innerhalb der Infrastruktur wird.
Verfügbarkeit verändert die Incident Response
In klassischen IT-Umgebungen kann das Isolieren eines kompromittierten Systems eine naheliegende Reaktion auf einen Sicherheitsvorfall sein. In Rechenzentren können solche Maßnahmen jedoch selbst erhebliche Folgen verursachen.
Wird eine betriebsrelevante Komponente ohne Kenntnis ihrer technischen Funktion vom Netz getrennt, kann die Sicherheitsmaßnahme schlimmstenfalls einen Ausfall auslösen, den sie eigentlich verhindern sollte.
Security Operations Center benötigen deshalb neben technischen Warnmeldungen einen ausreichenden betrieblichen Kontext. Entscheidend ist nicht nur, ob eine Schwachstelle existiert, sondern welche Funktion das betroffene Asset erfüllt, mit welchen anderen Komponenten es kommuniziert und welche Folgen eine Sicherheitsmaßnahme für den laufenden Betrieb haben könnte.
Cybersecurity und Betriebssicherheit wachsen damit zunehmend zusammen.
NIS2 erhöht den Handlungsdruck
Parallel zur technischen Entwicklung steigen die regulatorischen Anforderungen. Betreiber kritischer und wichtiger Infrastrukturen müssen Sicherheitsmaßnahmen nicht nur implementieren, sondern zunehmend auch dokumentieren und nachweisen können.
Claroty verweist in diesem Zusammenhang unter anderem auf NIS2 sowie den internationalen Standard ISA/IEC 62443 für die Sicherheit industrieller Automatisierungs- und Steuerungssysteme. Hinzu kommen Anforderungen von Kunden und Cyber-Versicherern.
Damit verändert sich auch die Bewertung von Cyberrisiken. Technische Schwachstellen müssen in einen geschäftlichen Kontext übersetzt werden: Welche Anlagen sind für die Verfügbarkeit entscheidend? Welche Systeme stellen das größte Risiko dar? Welche Folgen hätte ein Ausfall und welche Investitionen reduzieren dieses Risiko effektiv?
Asset-Transparenz als Grundlage der Sicherheit
Voraussetzung dafür ist ein vollständiges Bild der Infrastruktur. Betreiber müssen wissen, welche OT-, IoT- und Gebäudeautomationskomponenten vorhanden sind, welche Softwarestände eingesetzt werden, welche Verbindungen bestehen und welche Systeme bereits das Ende ihres regulären Lebenszyklus erreicht haben.
Claroty setzt dafür unter anderem auf seine xDome-Plattform, die CPS-Assets erfassen, Risiken kontinuierlich bewerten und sichere Fernzugriffe ermöglichen soll. Nach Unternehmensangaben schützt das Portfolio weltweit mehr als 40 Millionen cyber-physische Systeme an über 8.000 Standorten und unterstützt mehr als 450 CPS-Protokolle.
Die Zahlen verdeutlichen zugleich die Dimension der Aufgabe. Rechenzentrumssicherheit endet längst nicht mehr an der Firewall des IT-Netzwerks. Mit zunehmender Automatisierung und Vernetzung werden auch Stromversorgung, Kühlung, Gebäudeleittechnik und weitere physische Systeme Bestandteil der Cyberabwehr.
Für Betreiber wird deshalb entscheidend, Cybersecurity und Betriebssicherheit gemeinsam zu betrachten. Je stärker Rechenzentren zum Fundament von KI, Cloud-Diensten und digitaler Wirtschaft werden, desto schwerwiegender sind die Folgen eines Ausfalls. Transparenz über cyber-physische Systeme, kontrollierte Zugriffe und ein risikobasiertes Lifecycle-Management werden damit zu zentralen Voraussetzungen für die Resilienz moderner Rechenzentren.
Praxisleitfaden zur Rechenzentrumssicherheit
Weiterführende Informationen stellt Claroty im Praxisleitfaden „The Ultimate Buyer’s Guide for Data Center Cybersecurity“ bereit. Der Guide beschäftigt sich mit dem Schutz von OT, IoT, Building Management Systems (BMS) und weiteren cyber-physischen Systemen in Rechenzentren und zeigt Ansätze für Asset-Transparenz, Risikomanagement und den Schutz kritischer Betriebsprozesse auf. Der Leitfaden steht bei Claroty zum Download zur Verfügung.
Claroty: The Ultimate Buyer’s Guide for Data Center Cybersecurity

