Rheinmetall und Silvus Technologies vereinbaren Integration passiver HF-Sensorik in Luftverteidigungssysteme

Oktober 31, 2026

Rheinmetall Air Defence und Silvus Technologies haben eine Vereinbarung über die Lieferung und Integration passiver Hochfrequenzsensoren geschlossen. Die RFeye-Technologie soll künftig das bodengebundene Luftverteidigungssystem Skynex und die Führungsplattform Skymaster ergänzen. Ziel ist es, insbesondere die Erkennung und Ortung funkemittierender Luftziele zu verbessern, ohne dass die Sensoren selbst elektromagnetische Signale aussenden müssen. Die Unternehmen reagieren damit auf steigende Anforderungen an die Luftraumüberwachung durch unbemannte Luftfahrzeuge und schwer erfassbare Bedrohungen.

Die am 30. Oktober 2026 bekannt gegebene Kooperation erweitert das Sensorspektrum der Rheinmetall-Systeme um eine passive Aufklärungskomponente. Im Unterschied zu aktiven Radarsystemen, die eigene Signale aussenden und deren Reflexionen auswerten, erfassen passive Hochfrequenzsensoren bereits vorhandene elektromagnetische Aussendungen. Dadurch können sie beispielsweise Funksignale von Drohnen oder anderen relevanten Quellen erkennen und unter geeigneten Bedingungen deren Ursprung lokalisieren. Da keine eigenen Suchsignale ausgesendet werden, verringert sich zugleich die Gefahr, den Sensorstandort durch solche Emissionen offenzulegen.

Ergänzung der Radarabdeckung durch passive Aufklärung

Die RFeye-Sensoren sollen in die Skymaster-Plattform eingebunden werden und dort zusätzliche Informationen für die Luftraumüberwachung bereitstellen. Rheinmetall bezeichnet das angestrebte Ergebnis als Recognized Electromagnetic Picture (REMP), ein zusammengeführtes elektromagnetisches Lagebild. Durch die Kombination mit vorhandenen Radardaten können Bediener unterschiedliche Sensorinformationen bei der Bewertung möglicher Bedrohungen berücksichtigen.

Passive HF-Sensorik ersetzt dabei keine umfassende Radarüberwachung. Ihre Wirksamkeit hängt wesentlich davon ab, ob ein Ziel oder ein mit ihm verbundenes System erfassbare Funksignale aussendet. Funkstille Flugkörper lassen sich mit dieser Methode allein nicht zuverlässig identifizieren. Der sicherheitstechnische Nutzen liegt deshalb vor allem in der Ergänzung unterschiedlicher Aufklärungsverfahren und der Möglichkeit, zusätzliche Hinweise auf Aktivitäten im elektromagnetischen Spektrum zu gewinnen.

Rheinmetall hatte bereits im August 2026 gemeinsam mit Hensoldt die Einbindung des passiven Radars Twinvis in die Skymaster-Führungsarchitektur demonstriert. Dieser Versuch erfolgte im Rahmen der Bundeswehrübung Timber Express 2026 und ist von der nun vereinbarten RFeye-Integration zu unterscheiden. Beide Entwicklungen verdeutlichen jedoch die zunehmende Bedeutung vernetzter aktiver und passiver Sensorik für die bodengebundene Luftverteidigung.

Integration in bestehende Führungsarchitektur vorgesehen

Die neue Vereinbarung sieht vor, die HF-Aufklärung in die vorhandenen Rheinmetall-Systeme einzubinden und damit die Informationsgrundlage für die Lagebeurteilung und Frühwarnung zu erweitern. Silvus Technologies gehört zu Motorola Solutions und bietet mit RFeye Technologien zur Spektrumsüberwachung, Signalerkennung und Funkortung an.

Zu Auftragsvolumen, Lieferterminen und konkreten Einsatzstandorten machten die Unternehmen keine Angaben. Auch über abgeschlossene Erprobungen oder bereits erfolgte operative Integrationen im Rahmen dieser Vereinbarung wurde nicht berichtet.

Die Kooperation unterstreicht den Trend zu einer stärker vernetzten Luftraumüberwachung, bei der unterschiedliche Sensortechnologien zu einem gemeinsamen Lagebild beitragen. Entscheidend für den praktischen Nutzen wird sein, wie zuverlässig sich die zusätzlichen HF-Daten in die bestehenden Erkennungs- und Führungsprozesse integrieren lassen.

Quellen: Rheinmetall, Pressemitteilung vom 30. Oktober 2026, Rheinmetall und Silvus Technologies stärken die Sicherheit im Luftraum; Rheinmetall, Pressemitteilung vom 19. August 2026 zur Integration passiver Sensortechnologie mit Hensoldt.

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