Verkada treibt die Neuordnung der Sicherheitsbranche voran
Von fragmentierten Systemen zur datengetriebenen Plattform: Wie künstliche Intelligenz bestehende Sicherheitsarchitekturen verdrängt und neue Marktlogiken etablier
Die physische Sicherheitsbranche erlebt derzeit keine inkrementelle Weiterentwicklung, sondern eine Form der „schöpferischen Zerstörung“ im Sinne Schumpeters – ausgelöst durch Fortschritte in der künstlichen Intelligenz, insbesondere im Bereich Computer Vision und datenbasierter Analyse. Während klassische Systeme auf deterministischen Regeln, isolierten Daten- quellen und reaktiven Prozessen basieren, ermöglichen KI-gestützte Architekturen erstmals die kontinuierliche, kontextbasierte Interpretation physischer Umgebungen in Echtzeit. Sicherheit entwickelt sich damit von einer nachgelagerten Kontrollfunktion hin zu einem proaktiven, prädiktiven, datengetriebenen Steuerungsinstrument.
Spätestens mit dem Event VerkadaOne im März 2026 in London wird deutlich, dass diese Transformation nicht mehr abstrakt ist. Vielmehr entsteht ein neues Paradigma, in dem Plattformen, Daten und KI die zentralen Wertschöpfungsfaktoren darstellen – und bestehende Marktstrukturen sukzessive verdrängen.
Globale Expansion: Skalierung als Voraussetzung für KI-getriebene Disruption
Verkada treibt seine internationale Expansion mit hoher Geschwindigkeit voran – mit neuen Standorten in den USA sowie einem internationalen Hub in Dubai. Diese Entwicklung folgt weniger klassischen Expansionslogiken als vielmehr der Notwendigkeit, den steigenden Anforderungen an moderne Lösungen in den Bereichen Safety, Security und operative Prozesse gerecht zu werden.
Verkada betreut über 31.000 Kunden, verfügt über mehr als zwei Millionen Geräte in 171 Ländern und betreibt eine Plattform, die zu Spitzenzeiten Hunderte Millionen Bilddatenpunkte pro Stunde verarbeitet.
Auch aus strategischer Sicht wird die Richtung klar formuliert. „Die Plattform muss offen sein – wir wollen möglichst viele Applikationen integrieren, egal ob aus dem Kundenumfeld oder aus anderen Systemwelten“, erklärt Benjamin Krebs. Diese Offenheit ist zentral im Bezug auf die modernen Systeme. Ein Einzelhändler, der Verkada einsetzt, muss nicht mehr zwischen voneinander getrennten Systemen wechseln. Stattdessen lassen sich Videodaten und Alarminformationen direkt mit Kassentransaktionen verknüpfen. Tritt beispielsweise ein betrügerischer Chargeback-Fall auf, steht das entsprechende Videomaterial sofort im richtigen Kontext zur Verfügung – ganz ohne aufwendige Nachrecherche.
Diese Philosophie der Offenheit richtet sich auch an Kunden, die nicht bei null beginnen. Mit dem Command Connector – einer speziell entwickelten Hardwarelösung – lassen sich Kameras von Drittanbietern in Verkadas cloudbasierte Command-Plattform integrieren. Gerade für große Unternehmen mit gewachsener Bestandsinfrastruktur entsteht so ein praktikabler Migrationspfad, ohne bestehende Systeme vollständig ersetzen zu müssen. Ergänzt wird dies durch eine umfangreiche Bibliothek an API-Schnittstellen sowie sofort nutzbare Integrationen, die verhindern, dass Command zu einem abgeschlossenen Ökosystem wird. Stattdessen kann die Plattform nahtlos mit den bereits etablierten Tools und Anwendungen im Unternehmen zusammenarbeiten.
Die wirtschaftlichen Kennzahlen – ein Umsatzwachstum von 30 Prozent im letzten Geschäftsjahr sowie eine Bewertung von 5,8 Milliarden US-Dollar – unterstreichen dabei: Sicherheit wird zur datengetriebenen Plattformökonomie.
KI als Disruptor: Von der Überwachung zur intelligenten Entscheidungslogik
Die eigentliche schöpferische Zerstörung entfaltet sich auf der Ebene der Funktionalität. KI verändert nicht nur Prozesse – sie definiert die Rolle von Sicherheitssystemen neu.
Verkada investiert seit der Gründung gezielt in Computer Vision und KI. Anwendungen wie semantische Suche oder automatisierte Verhaltensanalysen ermöglichen es, Ereignisse nicht nur schneller, sondern qualitativ anders zu erfassen. Systeme erkennen Muster, priorisieren Risiken und liefern Entscheidungsgrundlagen in Echtzeit.
Für Krebs ist klar: „Das ganze AI- und Computer-Vision-Thema ist der nächste Schritt der Evolution – und wir spüren gerade, dass genau dieses Thema die Entwicklung massiv beschleunigt.“ Die Zahlen belegen diese Dynamik: Über 170 neue KI-Funktionen in einem Jahr und Investitionen von mehr als 250 Millionen US-Dollar zeigen, dass hier kein inkrementeller Fortschritt stattfindet, sondern eine systematische Transformation. Gleichzeitig verändert sich die Rolle des Menschen. Sicherheitsverantwortliche arbeiten zunehmend mit vorstrukturierten Informationen statt mit Rohdaten. Oder, zugespitzt formuliert: Die Maschine erkennt – der Mensch entscheidet.
Plattform und Cloud: Die infrastrukturelle Basis der Disruption
Die disruptive Wirkung von KI entfaltet sich erst durch die passende Infrastruktur. Klassische On-Premises-Systeme sind dafür strukturell ungeeignet – zu komplex, zu fragmentiert und zu wartungsintensiv.
Krebs bringt es pragmatisch auf den Punkt: „Am Ende managt man oft nicht ein System, sondern einen ganzen Zoo aus Servern, Datenbanken und Clients – und verbringt hunderte Stunden im Jahr nur damit, dass alles läuft.“
Die Antwort darauf ist eine cloudbasierte Plattformarchitektur. Sie reduziert Komplexität, automatisiert Prozesse und schafft die Grundlage für zentrale Datenaggregation – die wiederum Voraussetzung für leistungsfähige KI ist.
Dabei wird auch die Rolle der IT neu definiert. „Wir sind ein modernes Sicherheitsunternehmen mit starken Wurzeln in der IT. Unsere Ansprechpartner reichen von den Sicherheitsabteilungen bis tief in die IT hinein, und wir beobachten eine zunehmend enge Verzahnung beider Bereiche. Mit der wachsenden Bedeutung von Computer Vision steigt auch die Relevanz der IT sowie der fachlichen Endanwender weiter“, so Krebs.
Die Integration verschiedener Systeme – von Video über Zutritt bis hin zu Business-Anwendungen – wird damit zur strategischen Notwendigkeit. Sicherheit wird nicht mehr isoliert gedacht, sondern als Teil einer vernetzten digitalen Infrastruktur.
Europa und DACH: Zwischen Zurückhaltung und wachsendem Transformationsdruck
Während Verkada global skaliert, zeigt sich in Europa ein differenzierteres Bild. Die Adaption neuer Technologien verläuft langsamer – insbesondere in der DACH-Region.
Krebs formuliert es offen, aber differenziert: „Wir Deutschen sind nicht immer die Schnellsten bei der Technologieadaption – viele Unternehmen arbeiten noch an den ersten beiden Schritten: Cloud und Plattform.“
Gleichzeitig wird deutlich, dass KI als Katalysator wirkt. Sobald konkrete Anwendungsfälle sichtbar werden, steigt die Bereitschaft zur Transformation deutlich.
Ein zusätzlicher Treiber ist die Regulierung. Themen wie NIS2 erhöhen den Druck auf Unternehmen, Sicherheitsprozesse nachvollziehbar und revisionssicher zu gestalten. „Ich muss innerhalb von 24 Stunden berichten – und anschließend sauber dokumentieren, was passiert ist. Mit alter Technologie ist das kaum noch machbar“, so Krebs..
Auch das Go-to-Market-Modell verändert sich. Verkada setzt bewusst auf Partnerstrukturen statt auf reines Direktgeschäft: „Wir wachsen nicht, indem wir einfach mehr Leute einstellen. Wir bauen ein Ökosystem auf, das nachhaltig funktioniert und für alle Beteiligten profitabel ist.“
Diese Strategie zielt darauf ab, Skalierung und Marktpenetration langfristig abzusichern – insbesondere in einem Markt, der sich strukturell im Wandel befindet.
Fazit: Schöpferische Zerstörung als neue Marktlogik
Die Entwicklungen rund um die Verkada One zeigen deutlich: Die Sicherheitsbranche befindet sich in einem Prozess schöpferischer Zerstörung. Künstliche Intelligenz verdrängt bestehende Technologien und etabliert neue Marktlogiken.
Verkada positioniert sich dabei als Treiber dieser Transformation – mit einer klaren Strategie aus globaler Skalierung, Plattformintegration und massiven KI-Investitionen.
Für Europa und besonders in der DACH-Region ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag: Die Transformation ist nicht optional.
Oder, wie Krebs es zusammenfasst: „Nachdem wir gesehen haben, dass das Modell funktioniert, geht es nun in die nächste Phase – die Skalierung. Und genau hier wird sich entscheiden, wer künftig an der Spitze mitspielt.“
Die Botschaft ist eindeutig: Künstliche Intelligenz verändert die Sicherheitsbranche nicht nur – sie definiert sie grundlegend neu.



