Security Essen Halle 6: Wer bekommt Zutritt und Zugriff? Identität wird zur vernetzten Sicherheitsarchitektur

September 14, 2026

Wer ein Gebäude betreten darf, wer Zugang zu einem besonders geschützten Bereich erhält und wer auf Werte, Informationen oder sicherheitskritische Einrichtungen zugreifen kann, sind unterschiedliche Fragen. Halle 6 der Security Essen 2026 führt sie zusammen – nicht als einheitliches Gewerk, sondern als Folge verschiedener Sicherheitsaufgaben. Digitale Identität, Mobile Access, Biometrie, RFID, NFC, BLE, QR-Codes, elektronische Schließtechnik, OSDP, Fluchtwegsicherung, Personenschleusen, Fahrzeugkontrolle, Perimeterschutz, Tresore, Wertschutz, Drohnenabwehr und Cybersecurity markieren die Spannweite.

Damit wirkt die Halle heterogener als die stark videotechnisch geprägte Halle 5. Gerade darin liegt ihr Reiz. Denn hier zeigt sich, wie weit sich klassische Sicherheitstechnik inzwischen ausdifferenziert hat. Identitäten werden überprüft, Berechtigungen vergeben und verändert, Zutritte kontrolliert, Durchgänge überwacht und Werte gegen unbefugten Zugriff geschützt. Bei erhöhtem Schutzbedarf beginnen die Kontrollen schon an Zufahrten und Perimetern oder reichen – bei Drohnen – weit über die klassische Gebäudesicherung hinaus. Der gemeinsame Nenner liegt weniger in einer bestimmten Technologie als in der fortschreitenden Verzahnung von Mechanik, Elektronik und IT. Der Schlüssel verschwindet nicht. Doch neben ihm treten Smartphone, digitale Credentials, biometrische Merkmale und zentral verwaltete Berechtigungen.

Aus dem Ausweis wird eine digitale Identität

Am Anfang vieler Zutrittsprozesse steht nicht mehr der Schlüssel, sondern die Frage nach der Identität.
IDEMIA Public Security bringt mit dem 2026 vorgestellten ID Screen ONE biometrische Identitätsprüfung aus dem stationären Kontrollpunkt heraus. Das mobile Tablet ist für verlässliche Prüfprozesse vor Ort ausgelegt. Im Gebäudebereich bleibt die VisionPass-Familie relevant: VisionPass SP kombiniert Gesichtserkennung mit optionaler Fingerabdruckprüfung und erlaubt damit berührungslose oder multimodale Verfahren. > 6A20; ES 8/9-2026 S. 99 ff.

Auch bei HID verliert der klassische Kartenausweis seine frühere Alleinstellung. Signo-Leser unterstützen neben physischen Karten Bluetooth und NFC; abhängig von der Konfiguration können auch Credentials im Apple Wallet genutzt werden.
Parallel wächst die Bedeutung biometrischer Verfahren sowie von Lösungen, die physischen und digitalen Zugang zusammenführen. Der Wandel vollzieht sich damit nicht als abrupter Wechsel von Karte zu Smartphone. Vielmehr entsteht eine Welt paralleler Identifikationsverfahren, deren Einsatz sich nach Schutzbedarf, Nutzergruppe und Anwendung richtet.

Berechtigungen werden mobil und temporär

Ist die Identität geklärt, folgt die Berechtigung. Gerade hier verändern Mobile Credentials, Wallet-Lösungen und zeitlich begrenzte Zugangsrechte die Zutrittsorganisation.
ASSA ABLOY Sicherheitstechnik stellt das elektronische Schließsystem eCLIQ in den Mittelpunkt. Für Essen ist eine Weltpremiere innerhalb des Systems angekündigt. Hinzu kommen neue CLIQ-Leser für Innen- und Außenbereiche, ein neuer CLIQ Updater sowie der Aperio DR100 für Haupteingänge, Tore und weitere Zugangssituationen. Die mechanische Schließfunktion bleibt bestehen; die Berechtigungsebene wird elektronisch administriert. > 6C23; ES 8/9-2026 S. 117 ff.

Bei phg Peter Hengstler wird der Leser selbst vielseitiger. Der VOXIO Touch erhält eine Kamera zur QR-Code-Erfassung und kann damit klassische RFID-Medien, Mobile Access und temporäre digitale Berechtigungen in einem Gerät zusammenführen. LEGIC, MIFARE DESFire, BLE und NFC ergänzen das Technologieportfolio. > 6E17; ES 8/9-2026 S. 123.

Auch iTEC verbindet unterschiedliche Öffnungsmethoden. PIN, Mifare-Karte, Fingerabdruck, WLAN, Bluetooth und App lassen sich mit permanenten, zeitlich begrenzten oder wiederkehrenden Zutrittsrechten kombinieren. OnAccess und OnAccess Pro übernehmen deren Verwaltung; die Hybrid-Software bindet darüber hinaus Videoüberwachung, Alarmtechnik und Kennzeichenerkennung ein. > 6C38; ES 8/9-2026 S. 120.

Der Ausweis wird damit zunehmend zu einer von mehreren Möglichkeiten. Entscheidend wird das digital hinterlegte Recht – nicht das Medium, auf dem es transportiert wird.

Zutrittskontrolle wird zur IT-Sicherheitsaufgabe

Je stärker Berechtigungen digital verwaltet werden, desto wichtiger wird die Sicherheit der zugrunde liegenden Infrastruktur. Elektronische Zutrittskontrolle ist längst auch ein IT-System – samt Anforderungen an Verschlüsselung, Manipulationsschutz und Verfügbarkeit.

PCS Systemtechnik zeigt diesen Wandel mit der neuen INTUS-Generation. Die Controller INTUS Core 20 und Core 40 sowie die Terminals INTUS 7200 und INTUS 7600 sind für moderne IT-Infrastrukturen und Cloud-Anwendungen ausgelegt. Eine Chain of Trust mit signiertem Betriebssystem und signierter Firmware, verschlüsselte Speicherung und Kommunikation sowie hardwarebasierte Schutzmechanismen sollen digitale Angriffe erschweren. Leitungsüberwachte Ein- und Ausgänge ergänzen den Schutz gegen Manipulation angeschlossener Komponenten.  > 6B25; ES 8/9-2026 S. 109 ff.

Neben Cybersecurity rückt die Verfügbarkeit stärker in den Vordergrund. FDI stattet die Controller des IP-basierten iPassan-Systems mit lokaler Intelligenz aus. Zutrittsentscheidungen bleiben damit auch bei unterbrochener Verbindung zum zentralen Server möglich. OSDP und drahtlose Schließtechnik lassen sich integrieren. > 6B32; ES 8/9-2026 S. 112 ff.
Mit Fusion zeigt KGS Fire & Security einen weiteren Entwicklungsschritt. Die als Messeneuheit angekündigte Plattform verbindet

Everon- Einbruchmeldetechnik, Axon-Zutrittskontrolle und Vision-Videoüberwachung. Über eine offene Architektur können zudem Systeme anderer Hersteller, VMS und IoT-Anwendungen eingebunden werden. > 6B31; ES 8/9-2026 S. 112 ff.

Der einzelne Zutrittspunkt wird so zunehmend Bestandteil einer übergeordneten digitalen Sicherheitsarchitektur.

Wenn Berechtigung allein nicht genügt

Eine gültige Zutrittsberechtigung beantwortet, wer passieren darf. Sie garantiert noch nicht, dass tatsächlich nur diese Person einen gesicherten Bereich betritt.

FASTCOM Technology setzt hier mit seiner SMACS-Plattform für Hochsicherheitsschleusen an. Die Sensorik kontrolliert nicht primär die Identität, sondern die Zahl der tatsächlich passierenden Personen. SMACS Flex unterstützt Schleusen mit zwei bis vier Türen und kann auch Handgepäck berücksichtigen. Weitere Varianten beziehen Materialtransporte, einzelne Türen oder Aufzüge ein. Kartenleser und biometrische Systeme können ergänzt werden. > 6F43; ES 8/9-2026 S. 135.

Gerade bei Rechenzentren, Forschungseinrichtungen, KRITIS oder Hochsicherheitsproduktion entsteht damit eine zusätzliche Schutzebene: Die Berechtigung entscheidet über das Recht zum Zutritt, die Schleuse über dessen tatsächliche Umsetzung.

Sicherheit muss auch freigeben können

Zutrittskontrolle ist kein Einbahnprinzip. Türen sollen im Normalbetrieb unberechtigten Zutritt verhindern, im Gefahrenfall jedoch Flucht- und Rettungswege zuverlässig freigeben.

GfS zeigt mit SMARTDisplay eine zentrale Lösung zur Überwachung von Fluchttüren. Je nach Ausführung lassen sich 8, 16, 32 oder 64 Türen erfassen. Zustände wie Notöffnung, Sabotage, Dauerfreigabe oder zu lange geöffnete Türen werden auf einem Touchdisplay visualisiert. > 6C23; ES 8/9-2026 S. 117 ff.

AlertLatch setzt stärker auf Vernetzung. Der NB-IoT-Türwächter übermittelt Alarm- und Ereignismeldungen direkt über Mobilfunk an die webbasierte easy-NB-IoT-Plattform. Eine traditionell lokale Fluchtwegesicherung lässt sich damit auch standortübergreifend überwachen. > 6A12; ES 8/9-2026 S. 98 ff.

Hier zeigt sich eine eher stille, aber folgenreiche Digitalisierung: Einrichtungen, die früher weitgehend für sich arbeiteten, werden zu Datenquellen übergeordneter Sicherheits- und Gebäudestrukturen.

Zugriffsschutz beginnt dort, wo Zutrittskontrolle endet

Von der Zutrittskontrolle klar zu unterscheiden ist der Schutz von Werten und besonders sensiblen Objekten.
Wer ein Gebäude betreten darf, besitzt deshalb noch lange keinen legitimen Zugriff auf Bargeld, Dokumente, Datenträger, Waffen oder andere schutzbedürftige Güter.

Hier beginnt das Feld des  Zugriffs- und Wertschutzes.

Robur Safe zeigt zertifizierte Wertschutzschränke, Tresorräume und Tresortüren und verbindet sie mit aktuellen Anforderungen. LW-Safes werden mit ECB-S-Zertifizierungen nach EN 1143-1 angeboten; parallel rückt die sichere Aufbewahrung von Lithium-Ionen-Batterien stärker in den Fokus. Beim BF4-Schließfachsystem ergänzt elektronische Administration den physischen Schutz: Self-Service-Zugriff ist über PIN, RFID-Karte oder Fingerabdruck möglich. > 6B24; ES 8/9-2026 S. 108 ff.

Auch die Essener Geldschrankfabrik verbindet mechanischen Widerstand mit digitaler Verwaltung. Beim Futurex-Mietfachsystem werden Banksperren elektronisch angesteuert; Hochsicherheitsschlösser wie Paxos advance IP lassen sich vernetzen. Ergänzende Software übernimmt Überwachung sowie Mietfach- und Vermietungsmanagement.  > 6F12; ES 8/9-2026 S. 127 ff.

Bei Walter Wurster steht dagegen die Kombination verschiedener Schutzanforderungen im Vordergrund. Die Sicherheitsdurchreichen 7020 und 7053 erreichen nach neuen Prüfungen 90 Minuten Feuerwiderstand und bieten je nach Ausführung zusätzlichen Schutz gegen Beschuss und manuellen Angriff. > 6F21; ES 8/9-2026 S. 128–129.

Zutritt regelt damit, wer einen Bereich betreten darf. Zugriffsschutz schützt, was sich innerhalb dieses Bereichs befindet – auch vor Personen, die sich dort rechtmäßig aufhalten.

Kontrolle beginnt vor dem Gebäude

Bei Standorten mit erhöhtem Schutzbedarf setzt Sicherheit häufig schon deutlich vor einer Tür oder Schleuse an.
KTG zeigt mit SecuScan EVO eine neue Generation der Fahrzeugunterbodenkontrolle. Das System erzeugt hochauflösende Bilder vollständiger Fahrzeugunterseiten und unterstützt einen automatischen Bildvergleich. Mobile und stationäre Varianten sollen ohne aufwendige Straßenbauarbeiten einsetzbar sein. > 6C36; ES 8/9-2026 S. 119.

FORTEZA adressiert die Perimetersicherung. Die FMC-24-Pro-Serie arbeitet mit Mikrowellendetektion im 24-GHz-Bereich. Mehrere Frequenzkanäle erlauben parallele Sensorstrecken; Wetter, Vegetation oder kleinere Tiere sollen möglichst aus der Alarmbewertung herausgehalten werden. Mit Tribo-M kommt ein triboelektrisches Zaunsensorsystem hinzu, das charakteristische Vibrationen beim Überklettern oder gewaltsamen Beschädigen erkennt. > 6F28; ES 8/9-2026 S. 131.

Fahrzeugkontrolle und Perimetersensorik bilden damit eine vorgelagerte Sicherungsebene. Auffälligkeiten sollen erkannt werden, bevor ein eigentlicher Zutrittspunkt erreicht wird.

Der Schutzbereich erweitert sich in den Luftraum

Rohde & Schwarz führt diesen Gedanken weiter. Das Unternehmen zeigt Technologien für Behörden, KRITIS und öffentliche Sicherheit. Zum Portfolio gehören R&S QPS-Personenscanner, Lösungen zur Detektion und Abwehr unbemannter Flugsysteme sowie Cybersecurity-Technologien.  >6C39; ES 8/9-2026 S. 120 ff.

Gerade die Drohnenabwehr verändert die klassische Perimetersicherung. Zäune, Schranken und Schleusen schützen bodengebundene Zugänge. Unbemannte Fluggeräte können diese überwinden. Für Flughäfen, Energieanlagen, militärische Einrichtungen oder andere kritische Standorte wird deshalb auch der darüberliegende Luftraum zu einem sicherheitsrelevanten Überwachungsbereich. Dass Personenkontrolle, Counter-UAS und Cybersecurity an einem Stand zusammentreffen, steht exemplarisch für eine Entwicklung, die sich durch Halle 6 zieht: Die Aufgaben bleiben verschieden, die technischen Systeme rücken näher zusammen.

Wie vollständig bildet Halle 6 den Markt ab?

Anders als in Halle 5 lässt sich die Marktpräsenz nicht entlang einer einzigen Produktgruppe bewerten. Halle 6 vereint mehrere Teilmärkte – und ist insbesondere bei Zutritt und Identität stark besetzt.
ASSA ABLOY, PCS, HID, phg, IDEMIA und zahlreiche spezialisierte Anbieter decken ein Spektrum ab, das vom mechanisch-elektronischen Schließsystem bis zur biometrischen Identitätsprüfung reicht. Hinzu kommen Hersteller von Fluchtwegsicherung, Hochsicherheitsschleusen, Besuchermanagement und elektronischen Zutrittssystemen. Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf Zugriffs- und Wertschutz. Robur Safe, die Essener Geldschrankfabrik, FERRIMAX, MS PROTECT und weitere Anbieter repräsentieren klassische physische Hochsicherheit, zunehmend ergänzt um elektronische Verwaltung und digitale Berechtigungsverfahren.
Mit KTG, FORTEZA und Rohde & Schwarz erweitert sich das Spektrum um Fahrzeugkontrolle, Perimetersensorik, Personenkontrolle und Drohnenabwehr. KGS und FDI wiederum stehen für Integration, offene Schnittstellen und Resilienz.
Die Halle wirkt damit nur auf den ersten Blick uneinheitlich. Tatsächlich folgt sie einer klaren Sicherheitslogik: Identität feststellen, Berechtigungen verwalten, Zutritt kontrollieren und den tatsächlichen Durchgang absichern. Davon getrennt steht der Zugriffsschutz für Werte und sensible Güter. Vorgelagerte Kontroll- und Perimetersysteme erweitern diese Struktur nach außen.

Europas Stärke liegt in der Verbindung der Gewerke

Auch geografisch ist Halle 6 breit aufgestellt. Deutschland ist mit PCS, phg, GfS, KTG, Rohde & Schwarz, Walter Wurster und der Essener Geldschrankfabrik stark vertreten. ASSA ABLOY Sicherheitstechnik bringt zugleich die deutsche Kompetenz eines international aufgestellten Konzerns ein.
Frankreich ist mit IDEMIA und FDI präsent, die Schweiz unter anderem mit FASTCOM. Aus Schweden, Spanien, Italien und Portugal kommen weitere Anbieter von Wertschutz-, Schließ- und Zutrittstechnik. Hersteller aus Asien ergänzen insbesondere RFID, elektronische Schlösser und Komponenten.
Auffällig ist weniger die Zahl der Herkunftsländer als die unterschiedliche industrielle Tradition, die in Essen zusammentrifft. Europäische Unternehmen sind stark bei zertifizierter Mechanik, mechatronischer Zutrittstechnik und Hochsicherheit. Internationale Technologieanbieter treiben parallel Biometrie, mobile Credentials, Funktechnik und digitale Plattformen voran.
Die einzelnen Gewerke verlieren dadurch nicht ihre Eigenständigkeit. Biometrie ersetzt nicht jede Karte, Mobile Access nicht jeden Schlüssel und elektronische Berechtigungen keinen zertifizierten Wertschutz. Doch die Systeme werden enger miteinander verzahnt.
Halle 6 zeigt damit, wie vielschichtig physische Sicherheit inzwischen geworden ist: Identität, Berechtigung, Zutrittskontrolle, Durchgangssicherung und Zugriffsschutz bleiben unterschiedliche Aufgaben – ihre technische Trennung wird jedoch zunehmend durch digitale Vernetzung ergänzt.

Hier geht es zum pdf-Download des Auszugs vom Messeguide: Messeguide Halle 6

Artikel in pdf Format: https://euro-security.de/wp-content/uploads/2026/09/ES_DACH-8-9-2026_Halle-6_S39-42.pdf

Der ganze Messeguide im Flip-Format: https://online.fliphtml5.com/fvnsg/ES_DACH-8-9-2026_Messeguide/

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