Silvester im Telekom-Netz: Rekorde, Routine – und offene Fragen

Januar 2, 2026

Die aktuelle Silvesterbilanz der Deutschen Telekom zeigt erneut ein stark steigendes Nutzungsaufkommen im Mobilfunknetz. Zwischen 20 Uhr und 3 Uhr flossen in der Silvesternacht mehr als 3.900 Terabyte Daten durch das Netz – ein Anstieg um fast 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2.900 Terabyte). Besonders auffällig war die erste Stunde des neuen Jahres, in der der Upload-Anteil doppelt so hoch lag wie in einer normalen Nacht. Verantwortlich dafür sind vor allem Neujahrsgrüße in Form von Videos, Fotos und Sprachnachrichten.

Aus Netzbetreibersicht wird dieses Wachstum als Erfolgsmeldung präsentiert: Das Netz habe die Belastung „problemlos“ bewältigt und sei stabil gelaufen. Kritisch betrachtet zeigt sich jedoch vor allem eines: Die Spitzenlasten werden immer extremer und konzentrieren sich zeitlich stark. Innerhalb weniger Minuten – insbesondere zwischen 0:00 und 1:00 Uhr – entstehen Nutzungsspitzen, die deutlich über dem normalen Tagesgeschäft liegen. Dass solche Lasten inzwischen routinemäßig abgefedert werden können, spricht für den Ausbau, verdeutlicht aber zugleich den permanenten Skalierungsdruck auf die Infrastruktur.

Auch beim klassischen Telefonieren bleibt das Bild ambivalent. Insgesamt wurden rund zwölf Millionen Telefonate im Mobilfunknetz geführt – ähnlich viele wie im Vorjahr, aber mehr als doppelt so viele wie in einer normalen Nacht (rund fünf Millionen). Zwischen 0:00 und 1:00 Uhr lag das Gesprächsaufkommen sogar bei fast dem 20-Fachen des Üblichen. Hinzu kamen 800.000 SMS allein in dieser Stunde, was 60 Prozent mehr als gewöhnlich entspricht. Trotz aller datengetriebenen Kommunikation bleibt das klassische Telefonieren damit an Silvester weiterhin relevant.

Regional zeigt sich wenig Dynamik: Das Städteranking bleibt unverändert, mit Berlin, Hamburg und München an der Spitze, gefolgt von Köln und Frankfurt. Die Nutzung konzentriert sich damit weiterhin stark auf die bevölkerungsreichsten Metropolregionen – ein Hinweis darauf, wo Netzkapazitäten besonders leistungsfähig vorgehalten werden müssen.

Ein positiver Aspekt ist der leichte Rückgang der Notrufe. Insgesamt gingen gut 62.000 Notrufe über die Netze der Telekom ein und damit etwas weniger als im Vorjahr. Auffällig bleibt jedoch die extreme Verdichtung: Zwischen 0:10 Uhr und 0:15 Uhr gingen knapp 2.000 Notrufe ein. Gerade in diesen Minuten zeigt sich, wie kritisch Netzstabilität nicht nur für Komfort, sondern für die öffentliche Sicherheit ist.

Die Telekom verweist auf ihre 365 Tage im Jahr besetzten Netzmanagement-Center und verstärkte Bereitschaften rund um den Jahreswechsel. Die Zahlen belegen, dass diese Maßnahmen greifen. Gleichzeitig werfen sie die Frage auf, wie nachhaltig ein Netzbetrieb ist, der regelmäßig auf extreme, kurzfristige Lastspitzen ausgelegt sein muss – und wie sich dieses Modell mit weiter wachsendem Datenhunger künftig wirtschaftlich und energetisch vereinbaren lässt.

Related Articles

Kommentar: Hessens klare Linie gegen Linksextremismus

Mit seiner Stellungnahme zeichnet Hessens Innenminister Roman Poseck ein bewusst deutliches Bild vom Linksextremismus als sicherheitspolitischer Bedrohung. Der Kern der Position ist klar: Linksextremismus wird nicht als Randphänomen oder bloßes Begleitproblem...

Share This