Autonome Systeme erschließen zunehmend den Außenbereich und verbinden Gebäude auf weitläufigen Krankenhauscampus
Autonome Transportroboter gehören in vielen Krankenhäusern inzwischen zum Alltag. Sie übernehmen den innerbetrieblichen Materialtransport, versorgen Stationen mit Speisen und Wäsche oder bringen Medikamente und Sterilgut an ihren Bestimmungsort. Bislang endete diese Automatisierung jedoch häufig an der Gebäudetür.
Gerade große Klinikstandorte bestehen oft aus mehreren Gebäuden, die über öffentliche Wege miteinander verbunden sind. Speisenwagen, Wäschecontainer oder Abfallwagen werden dort vielerorts weiterhin manuell oder mit kleinen Transportfahrzeugen zwischen den Gebäuden bewegt. Für Betreiber bedeutet dies zusätzlichen Personalaufwand, höhere Betriebskosten und eine Unterbrechung automatisierter Logistikprozesse.
Genau hier zeichnet sich derzeit ein neuer Entwicklungsschritt ab: Autonome Transportsysteme übernehmen zunehmend auch den Materialtransport im Außenbereich und schaffen damit durchgängige Logistikketten über den gesamten Campus.
Außenbereiche stellen besondere Anforderungen
Während sich Transportroboter innerhalb von Gebäuden in einer weitgehend kontrollierten Umgebung bewegen, müssen sie im Außenbereich deutlich komplexere Situationen bewältigen. Unterschiedliche Fahrbahnbeläge, Steigungen, Bordsteinkanten, wechselnde Witterungsbedingungen sowie Fußgänger und Fahrzeuge stellen hohe Anforderungen an Navigation und Fahrwerk.
Hinzu kommt, dass Satellitensignale zwischen Gebäuden oder unter Baumreihen teilweise eingeschränkt verfügbar sind. Für eine zuverlässige Navigation kombinieren moderne Systeme deshalb verschiedene Verfahren miteinander. Neben digitalen Karten kommen beispielsweise LiDAR-Sensoren und weitere Umgebungsdaten zum Einsatz, um die Position des Roboters kontinuierlich zu bestimmen.
Vorhandene Transportwagen bleiben erhalten
Ein weiterer Trend besteht darin, bestehende Logistikprozesse möglichst wenig zu verändern. Statt speziell angepasste Transportbehälter einzusetzen, verfolgen einige Hersteller inzwischen das sogenannte Zugprinzip.
Dabei koppelt der Roboter vorhandene Speisen-, Wäsche- oder Abfallwagen automatisch an und zieht diese zum Zielort. Bestehende Transportwagen können dadurch weiter genutzt werden, ohne dass deren Bauweise oder Plattformhöhe angepasst werden muss. Für Krankenhäuser reduziert dies Investitionen in neue Logistikbehälter und erleichtert die Integration in bestehende Abläufe.
Kooperation erweitert die Campuslogistik
Vor diesem Hintergrund haben die imrox GmbH und Innok Robotics eine Partnerschaft vereinbart. Ziel ist es, den autonomen Outdoor-Transportroboter INDUROS künftig stärker im Gesundheitswesen einzusetzen.
imrox integriert das System in seine Logistiklösungen für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Während das Unternehmen bislang vor allem innerbetriebliche Transportprozesse und den Vertikaltransport begleitet, erweitert die Kooperation das Portfolio um den automatisierten Materialtransport zwischen mehreren Gebäuden.
Der INDUROS arbeitet nach dem Zugprinzip und koppelt den ersten Transportwagen selbstständig an. Bereits miteinander verbundene Wagen können – abhängig vom Modell – bis zu einer Gesamtzuglast von 1,3 Tonnen transportiert werden. Für typische Anwendungen im Gesundheitswesen sieht imrox insbesondere die Variante mit einer Zugkraft von 700 Kilogramm vor.
Wetterfest für den Dauereinsatz
Eine wesentliche Voraussetzung für den Einsatz außerhalb von Gebäuden ist die Wetterbeständigkeit. Der INDUROS verfügt nach Herstellerangaben über die Schutzart IP65 und ist für den Betrieb bei Regen, Schnee sowie hohen und niedrigen Temperaturen ausgelegt.
Besonders für Klinikcampus bietet dies Vorteile. Materialtransporte können unabhängig von der Witterung automatisiert werden, ohne dass Personal regelmäßig zwischen den Gebäuden unterwegs sein muss. Gleichzeitig lassen sich bestehende Materialflüsse vollständig automatisieren, da der Roboter sowohl innerhalb der Gebäude als auch im Außenbereich eingesetzt werden kann.
Robotik wird Teil der Krankenhauslogistik
Die Partnerschaft zwischen imrox und Innok Robotics verdeutlicht einen allgemeinen Trend im Gesundheitswesen. Robotik beschränkt sich zunehmend nicht mehr auf einzelne Transportaufgaben innerhalb eines Gebäudes. Vielmehr entwickeln sich autonome Systeme zu Bestandteilen einer durchgängigen Logistikkette, die verschiedene Gebäude, Lagerbereiche und Stationen miteinander verbindet.
Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels gewinnt diese Entwicklung zusätzlich an Bedeutung. Routineaufgaben wie der Transport von Speisen, Wäsche oder Abfällen binden Personal, das an anderer Stelle dringend benötigt wird. Autonome Transportlösungen können dazu beitragen, Mitarbeitende von wiederkehrenden Aufgaben zu entlasten und logistische Prozesse planbarer zu gestalten.
Made in Germany als zusätzlicher Faktor
Innok Robotics entwickelt und fertigt die INDUROS-Baureihe am Standort Regenstauf in Bayern. Für Betreiber im Gesundheitswesen spielt dieser Aspekt zunehmend eine Rolle. Neben kurzen Servicewegen nennen viele Einrichtungen auch Datenschutz, Cybersicherheit sowie die langfristige Ersatzteilversorgung als wichtige Kriterien bei Investitionsentscheidungen.
Gerade öffentliche Auftraggeber achten verstärkt darauf, dass digitale Systeme europäische Anforderungen an Datenschutz und Informationssicherheit erfüllen und langfristig betreut werden können.
Fazit
Die Kooperation zwischen imrox und Innok Robotics steht beispielhaft für eine Entwicklung, die sich in vielen Krankenhäusern abzeichnet: Die Automatisierung endet nicht länger an der Gebäudetür. Autonome Transportroboter erschließen zunehmend den Außenbereich und ermöglichen erstmals durchgängige Materialflüsse über komplette Klinikcampus hinweg.
Damit erweitert sich der Einsatzbereich mobiler Robotik von einzelnen Transportaufgaben zu einem integralen Bestandteil moderner Krankenhauslogistik. Für Betreiber bietet dies die Chance, Prozesse effizienter zu gestalten, Personal gezielter einzusetzen und die Versorgung zwischen mehreren Gebäuden nachhaltig zu automatisieren.
Auf einen Blick | INDUROS von Innok Robotics
Einsatzbereiche
- Krankenhäuser
- Gesundheitscampus
- Pflegeeinrichtungen
- Industrie- und Werksgelände
Besonderheiten
- Autonomer Outdoor- und Indoor-Betrieb
- Zugprinzip statt Hubtechnik
- Nutzung vorhandener Transportwagen
- Hybridnavigation mit Mapping und LiDAR
- Schutzart IP65 für den Außeneinsatz
- Vier Modelle mit Zuglasten von 350 kg bis 1,3 t
Partnerschaft
Die imrox GmbH übernimmt Beratung, Integration, Inbetriebnahme, Schulung und Service und erweitert damit ihr Portfolio um die automatisierte Campuslogistik.

