Wirtschaft am Limit, Sicherheit unter Druck

Januar 22, 2026

Warum 2026 zum Stresstest für die physische Sicherheit wird: Studienergebnisse von Pro-Vigil zeigen Handlungsdruck für Unternehmen

Die physische Sicherheit von Unternehmen steht auch im Jahr 2026 unter erheblichem Druck. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie The State of Physical Security Entering 2026 des US-amerikanischen Anbieters Pro-Vigil, der auf KI-gestützte Remote-Videoüberwachung und Gefahrenabwehr spezialisiert ist. Bereits zum sechsten Mal analysiert die Untersuchung, wie sich Kriminalität, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und technologische Entwicklungen auf Sicherheitsstrategien auswirken.

Die Kernaussage der Studie ist eindeutig: Trotz zunehmender Sensibilisierung bleiben Sicherheitsvorfälle auf einem konstant hohen Niveau, während wirtschaftliche Unsicherheiten neue Risiken für Investitionen und Schutzmaßnahmen schaffen.

Sicherheitsvorfälle bleiben konstant – mit spürbaren wirtschaftlichen Folgen

Die Erhebung unter Entscheidungsträgern aus Branchen wie Bauwesen, Handel, Fahrzeughandel und Industrie zeigt, dass physische Sicherheitsvorfälle weiterhin zum Unternehmensalltag gehören. Im Jahr 2025 berichteten 88 Prozent der Befragten, dass Vorfälle entweder zugenommen haben oder auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr verblieben sind. Damit bestätigt sich der Trend aus 2024 nahezu unverändert.

Besonders relevant sind die operativen Auswirkungen solcher Vorfälle. Die häufigsten Konsequenzen sind:

  • Sachschäden an Anlagen und Infrastruktur (27 %)
  • Verluste oder Schäden am Warenbestand (21 %)
  • Projekt- und Betriebsverzögerungen (18 %)

Diese Zahlen verdeutlichen, dass physische Sicherheitsrisiken nicht nur ein Schutzthema, sondern ein klarer betriebswirtschaftlicher Faktor sind.

Lokale Kriminalität und makroökonomische Faktoren als Risikotreiber

Als Hauptursachen für steigende Vorfallzahlen nennen die Befragten vor allem externe Einflussfaktoren. Steigende lokale Kriminalität (20 %) sowie die allgemeine wirtschaftliche Lage (16 %) werden als zentrale Treiber identifiziert.

Mit Blick auf 2026 äußern 46 Prozent der Unternehmen die Sorge, dass wirtschaftliche Unsicherheit ihre physische Sicherheitslage negativ beeinflussen könnte. Besonders kritisch werden dabei folgende Aspekte bewertet:

  • Inflation (22 %)
  • Arbeitslosigkeit (15 %)
  • Zölle und Handelshemmnisse (14 %)
  • Zinsentwicklung (8 %)

Diese Faktoren wirken doppelt belastend: Einerseits erhöhen sie potenziell das Kriminalitätsrisiko, andererseits schränken sie Budgets für präventive Sicherheitsmaßnahmen ein.

Künstliche Intelligenz: hohes Potenzial, geringe Durchdringung

Ein zentrales Element der Studie ist die Bewertung von Künstlicher Intelligenz in der physischen Sicherheit. Zwar hat sich der Anteil der Unternehmen, die KI aktiv in ihrer Sicherheitsstrategie einsetzen, seit 2024 mehr als verdoppelt (von 7 % auf 15 %), dennoch bleibt die tatsächliche Nutzung gering.

Gleichzeitig wächst die grundsätzliche Akzeptanz deutlich:

  • 61 % der Befragten halten KI für ein wirksames Instrument zur Verhinderung physischer Sicherheitsvorfälle.
  • 29 % zeigen sich unentschlossen.
  • 60 % geben an, aktuell keine KI zu nutzen, während 25 % nicht wissen, ob ihre Systeme KI enthalten.

Diese Diskrepanz zwischen positiver Wahrnehmung und tatsächlicher Implementierung deutet auf strukturelle Hemmnisse hin, etwa mangelnde Transparenz, fehlendes Know-how oder Investitionszurückhaltung.

Geringe strategische Anpassungen trotz wachsender Risiken

Bemerkenswert ist, dass lediglich 23 Prozent der Unternehmen ihre physische Sicherheitsstrategie im Jahr 2025 angepasst haben. Viele der übrigen Befragten begründen dies mit einer subjektiv geringen Vorfallhäufigkeit oder dem Vertrauen in bestehende Maßnahmen. Diese Einschätzung steht jedoch im Spannungsverhältnis zu den insgesamt hohen und stabilen Incident-Zahlen.

Ausblick 2026: steigende Besorgnis, wachsender Handlungsbedarf

Der Blick nach vorn ist von Unsicherheit geprägt. 45 Prozent der Befragten geben an, heute stärker über Kriminalität besorgt zu sein als noch vor einem Jahr. Zudem erwartet eine knappe Mehrheit von 52 Prozent, dass die Zahl physischer Sicherheitsvorfälle 2026 weiter steigen wird.

Fazit

Die Ergebnisse der Pro-Vigil-Studie verdeutlichen, dass physische Sicherheit im Jahr 2026 zunehmend im Spannungsfeld zwischen steigenden Bedrohungen und wirtschaftlichen Restriktionen steht. Unternehmen sind gefordert, Sicherheitsstrategien stärker als integralen Bestandteil des Risikomanagements zu betrachten. Insbesondere KI-basierte Lösungen bieten nachweislich Potenzial, werden jedoch bislang nicht konsequent genutzt. Vor dem Hintergrund zunehmender Unsicherheit dürfte strategische Untätigkeit künftig ein relevantes Geschäftsrisiko darstellen.

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