dormakaba stärkt seinen Produktions- und Entwicklungsstandort Bühl und investiert mehr als zwei Millionen Euro in neue Fertigungstechnik. Gleichzeitig verlängert der Anbieter von Zutrittslösungen den Mietvertrag bis 2035. Die Produktionskapazität soll um rund 25 Prozent steigen. Treiber sind mehrere Großaufträge deutscher Flughäfen und zwei neue Produktvarianten, die künftig von Bühl aus für den Weltmarkt gefertigt werden.
Die Investition fällt in eine Phase, in der der Standort durch größere Flughafenprojekte sichtbar an Bedeutung gewinnt. Im Geschäftsjahr 2025/26 erhielt dormakaba mehrere Großaufträge aus Frankfurt, München und Düsseldorf. Insgesamt liefert, ersetzt und wartet das Unternehmen dort mehr als 650 Argus Air Sensorschleusen, die als Selfboardinggates eingesetzt werden.
Produziert werden diese Systeme in Bühl. Für den Standort entsteht daraus ein klarer wirtschaftlicher Zusammenhang: höhere Nachfrage, größere Stückzahlen und zusätzliche Anforderungen an Fertigung und Qualitätssicherung. Genau darauf zielt das aktuelle Investitionsprogramm.
25 Prozent mehr Produktionskapazität
Mehr als zwei Millionen Euro fließen in die Modernisierung der Fertigung. Geplant sind unter anderem neue Lasertechnik sowie zusätzliche Säge- und Fräsanlagen. Eine automatisierte Hochspannungstestzelle ergänzt künftig die Fertigung der Sensorschleusen.
Nach Angaben des Unternehmens soll die Produktionskapazität dadurch um rund 25 Prozent steigen. Parallel wurde auch die Infrastruktur für die Beschäftigten modernisiert, darunter das Mitarbeiterrestaurant.
Wirtschaftlich ist vor allem die Kombination aus Kapazitätsausbau und langfristiger Standortbindung relevant. Mit der Verlängerung des Mietvertrags bis 2035 schafft dormakaba Planungssicherheit für die kommenden Jahre. Die Investition ist damit nicht nur eine Reaktion auf den aktuellen Auftragsbestand, sondern stärkt die industrielle Basis für weitere Produktionsvolumina am Standort.
Deutsche Flughäfen sorgen für Auslastung
Die mehr als 650 Sensorschleusen für Frankfurt, München und Düsseldorf bilden derzeit den wichtigsten konkreten Nachfrageimpuls. dormakaba übernimmt dabei nicht nur die Lieferung, sondern auch Ersatz und Wartung der Systeme.
Für Bühl bedeutet das eine vergleichsweise stabile industrielle Perspektive. Großprojekte im Flughafenbereich erzeugen nicht nur einmaligen Produktionsbedarf. Sie erfordern zugleich technische Betreuung und eine verlässliche Ersatzteil- und Serviceinfrastruktur über längere Zeiträume.
Der Ausbau zeigt damit auch, wie stark automatisierte Zugangslösungen inzwischen Teil der Flughafeninfrastruktur geworden sind. Selfboardinggates verbinden Sicherheitsanforderungen mit Prozessautomatisierung und Passagiersteuerung. Für Hersteller eröffnet sich dadurch ein Markt, in dem Hardware, Sensorik, Integration und laufender Service enger miteinander verbunden sind als bei klassischen mechanischen Zutrittslösungen.
Zwei neue Produkte aus Bühl für den Weltmarkt
Zusätzliche Wachstumsperspektiven sollen zwei neue Produktvarianten schaffen, die am Standort entwickelt wurden.
Mit der Argus Air XS erweitert dormakaba sein Portfolio um eine weitere Sensorschleuse. Die Serienproduktion soll noch 2026 beginnen. Ebenfalls in Bühl entwickelt wurde die Argus Air Interlock, deren Serienfertigung bereits 2026 angelaufen ist.
Damit übernimmt der Standort eine Doppelrolle. Bühl fertigt nicht nur bestehende Produkte in höheren Stückzahlen, sondern bringt auch eigene Produktentwicklungen in die Serienproduktion. Gerade diese Verbindung von Entwicklung und Fertigung erhöht die strategische Bedeutung eines Standortes innerhalb eines Industriekonzerns, weil technisches Know-how und Produktion enger miteinander verzahnt werden.
Standortleiter Fabian Kabbe bezeichnet Bühl entsprechend als Kompetenzzentrum für Lösungen in sicherheitsrelevanten und sensiblen Bereichen. Ziel sei es, mit den Investitionen und neuen Produktvarianten die steigende Nachfrage zu bedienen und die Position des Unternehmens in der Flughafensicherheit weiter auszubauen.
Standortpolitik folgt dem Auftragseingang
Bemerkenswert ist weniger die absolute Höhe der Investition als ihr konkreter Einsatz. dormakaba investiert nicht in ein abstraktes Zukunftsprojekt, sondern in zusätzliche Fertigungskapazität, Automatisierung und Produkte, für die bereits ein wachsender Markt sichtbar ist.
Der Zusammenhang ist eindeutig: Großaufträge erhöhen die Auslastung, zusätzliche Kapazitäten sollen Engpässe vermeiden, und neue Produktvarianten schaffen die Grundlage für weiteres Geschäft über die bestehenden Flughafenprojekte hinaus.
Für Bühl ist das ein wichtiges Signal. Der Standort wird damit nicht lediglich erhalten, sondern gezielt für höhere Produktionsmengen und neue Produktgenerationen ausgerichtet.
Ein kleiner Betrag mit strategischer Aussagekraft
Gemessen an der Größe des Konzerns sind mehr als zwei Millionen Euro kein außergewöhnlich großes Investitionsvolumen. dormakaba beschäftigt weltweit mehr als 15.000 Menschen, ist in über 130 Ländern aktiv und erzielte im Geschäftsjahr 2024/25 einen Umsatz von 2,9 Milliarden Schweizer Franken.
Gerade deshalb liegt die wirtschaftliche Aussage weniger in der Summe selbst als in der Richtung der Investition.
Das Geld fließt in mehr Kapazität, neue Fertigungstechnik und zwei in Bühl entwickelte Produktlinien – zu einem Zeitpunkt, an dem Großaufträge deutscher Flughäfen bereits für zusätzliche Nachfrage sorgen. Der Standort gewinnt damit innerhalb der Wertschöpfungskette sichtbar an Gewicht.
Ob Bühl langfristig zu einem noch wichtigeren Produktionszentrum innerhalb des Konzerns wird, lässt sich aus den vorliegenden Angaben nicht ableiten. Klar ist jedoch: dormakaba bindet sich bis 2035 an den Standort, erhöht dessen Produktionsleistung und verbindet die Investition unmittelbar mit neuen Produkten und konkreten Flughafenaufträgen.
Damit wird Bühl zu einem interessanten Gradmesser dafür, wie sich automatisierte Zutritts- und Passagierlösungen vom spezialisierten Produkt zu einem zunehmend festen Bestandteil moderner Flughafeninfrastruktur entwickeln.


