Genetec baut Marktführerschaft bei Videomanagement-Software aus

August 28, 2026

Der weltweite Markt für Videomanagement-Software wächst zweistellig – doch die zusätzlichen Umsätze verteilen sich zunehmend ungleich auf die Anbieter. Genetec hat 2025 nach Analysen von Omdia und Novaira Insights weitere Marktanteile gewonnen und seine Position an der Spitze des weltweiten VMS-Marktes gefestigt. Die Zahlen zeigen zugleich eine strukturelle Verschiebung innerhalb der Branche: Gefragt sind zunehmend Plattformanbieter, die On-Premises-, Cloud- und Hybridarchitekturen miteinander verbinden können.

Der Markt für professionelle Videoüberwachung befindet sich in einer neuen Wachstumsphase. Zwei aktuelle Untersuchungen der unabhängigen Marktforschungsunternehmen Omdia und Novaira Insights sehen Genetec erneut als weltweit führenden Anbieter von Videomanagement-Software. Das kanadische Unternehmen konnte seine Marktposition 2025 nicht nur behaupten, sondern seinen Anteil in einem insgesamt deutlich wachsenden Markt weiter ausbauen.

Besonders deutlich wird die Entwicklung in den Zahlen von Omdia. Demnach legte Genetec im Geschäft mit Videosoftware und Video Surveillance as a Service (VSaaS) um 20 Prozent zu. Der Gesamtmarkt wuchs im gleichen Zeitraum um 13,3 Prozent. Genetec entwickelte sich damit rund 6,7 Prozentpunkte stärker als der Markt.

Bemerkenswert ist dabei die Entwicklung der unmittelbaren Wettbewerber. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens konnten die Anbieter auf den Plätzen zwei und drei mit diesem Wachstum nicht Schritt halten und beendeten das Jahr entweder auf unverändertem Niveau oder mit rückläufiger Entwicklung. Das zusätzliche Marktvolumen kommt damit nicht allen etablierten Anbietern gleichermaßen zugute.

Wachstum verschiebt Marktanteile

Hinter den Zahlen steht eine Veränderung der Anforderungen an Videomanagementsysteme. Videoüberwachung wird zunehmend nicht mehr als isolierte Sicherheitsanwendung betrachtet, sondern als Bestandteil einer umfassenderen IT- und Sicherheitsarchitektur. Damit gewinnen Fragen nach Skalierbarkeit, Cloud-Fähigkeit, Integration und technologischer Offenheit an wirtschaftlicher Bedeutung.

Paul Bremner, Practice Leader für physische Sicherheit bei Omdia, sieht genau darin einen wesentlichen Grund für die Verschiebung der Marktanteile. Käufer bevorzugten zunehmend Anbieter, die Cloud-, On-Premises- und Hybridlösungen über eine vereinheitlichte und offene Plattform bereitstellen könnten. Anbieter, die diese unterschiedlichen Betriebsmodelle nicht abdecken, gerieten entsprechend unter Druck.

Für den VMS-Markt zeichnet sich damit eine Entwicklung ab, die in anderen Bereichen der Unternehmens-IT bereits weiter fortgeschritten ist. Die Frage lautet für Betreiber zunehmend nicht mehr ausschließlich, welche Software Kameras und Videostreams verwaltet. Entscheidend wird vielmehr, wie flexibel sich eine Plattform in bestehende Infrastrukturen integrieren und über mehrere Standorte, Systeme und Betriebsmodelle hinweg skalieren lässt.

Gerade Hybridmodelle spielen dabei eine wichtige Rolle. Unternehmen müssen ihre bestehende lokale Sicherheitsinfrastruktur nicht vollständig durch Cloud-Lösungen ersetzen, können aber einzelne Funktionen und Standorte schrittweise migrieren. Für Anbieter entsteht daraus ein Wettbewerbsvorteil, wenn sie beide Welten innerhalb einer gemeinsamen Architektur unterstützen können.

Genetec gewinnt auch in EMEA Marktanteile

Die Analyse von Novaira Insights bestätigt die Entwicklung aus einer weiteren Perspektive. Demnach steht Genetec – China ausgenommen – weltweit auch bei der Gesamtzahl der Verträge für Videomanagement-Software und damit verbundene Services an erster Stelle.

Die Marktposition beschränkt sich dabei nicht auf eine einzelne Region. In Nord- und Südamerika erreicht Genetec laut Novaira Insights bereits zum 15. Mal in Folge Platz eins. Für den europäischen Sicherheitsmarkt ist vor allem die Entwicklung in EMEA relevant: Dort erzielte das Unternehmen unter den zehn größten Anbietern das stärkste Marktanteilswachstum. Auch im asiatisch-pazifischen Raum gehört Genetec – ebenfalls ohne Berücksichtigung Chinas – inzwischen zu den drei führenden Anbietern.

Damit verbreitert sich die Marktposition des Unternehmens geografisch. Gerade das Wachstum in EMEA ist von Bedeutung, weil sich der Wettbewerb hier nicht ausschließlich über technische Leistungsmerkmale entscheidet. Anforderungen an Datenschutz, Cybersecurity, technologische Souveränität und die Kontrolle über Daten und Infrastruktur spielen bei Investitionsentscheidungen europäischer Betreiber eine zunehmend wichtige Rolle.

Vom VMS zum Plattformgeschäft

Genetec selbst führt die Entwicklung vor allem auf die Nachfrage nach offenen und skalierbaren Architekturen zurück. Unternehmen mit hohen Sicherheitsanforderungen suchten bei der Modernisierung ihrer Infrastruktur nach Aufzeichnungssystemen, die modernen IT-Standards entsprechen und gleichzeitig Abhängigkeiten von einzelnen Technologieanbietern vermeiden, erklärt Christian Morin, Vice President of Product Engineering bei Genetec.

Darin liegt zugleich eine der wirtschaftlich wichtigsten Entwicklungen des Marktes. Klassische Videomanagement-Software entwickelt sich zunehmend zu einem Plattformgeschäft für physische Sicherheit. Videodaten bilden weiterhin einen Kernbereich, werden aber mit Zutrittskontrolle, Analysefunktionen, Cloud-Diensten und weiteren Sicherheitssystemen zusammengeführt.

Damit verändern sich auch die Wettbewerbsparameter. Neben Funktionen und Lizenzpreisen gewinnen Integrationsfähigkeit, offene Schnittstellen und die Möglichkeit, unterschiedliche Bereitstellungsmodelle innerhalb einer Architektur zu betreiben, an Gewicht. Gleichzeitig wächst der Anteil wiederkehrender Erlöse durch Cloud- und Serviceangebote.

Der Aufstieg von VSaaS beschleunigt diese Entwicklung. Während klassische VMS-Installationen häufig durch Investitionen in lokale Server- und Speicherinfrastruktur geprägt sind, verschiebt das Service-Modell Teile der Wertschöpfung hin zu laufenden Software- und Cloud-Umsätzen. Für Hersteller eröffnet dies besser planbare Erlösstrukturen; Betreiber erhalten im Gegenzug flexiblere Möglichkeiten, Kapazitäten und Funktionen zu skalieren.

Der VMS-Markt tritt in eine neue Wettbewerbsphase

Die Zahlen von Omdia und Novaira Insights zeigen deshalb mehr als die Position eines einzelnen Herstellers. Obwohl der Gesamtmarkt kräftig wächst, profitieren die großen Anbieter sehr unterschiedlich davon. Marktanteile verschieben sich zugunsten jener Unternehmen, die klassische lokale Videoarchitekturen mit Cloud-Diensten und offenen Plattformkonzepten verbinden können.

Für Genetec zahlt sich diese Entwicklung derzeit aus. Mit einem Wachstum von 20 Prozent liegt das Unternehmen deutlich über dem Marktdurchschnitt und baut seine Position gleichzeitig in mehreren Weltregionen aus.

Für die Branche zeichnet sich damit ein neuer Wettbewerbsmaßstab ab: Nicht allein die Leistungsfähigkeit eines Videomanagementsystems entscheidet über Marktanteile, sondern zunehmend die Fähigkeit eines Anbieters, lokale Infrastruktur, Cloud-Services und weitere Sicherheitssysteme in einer offenen und langfristig skalierbaren Plattform zusammenzuführen.

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