Umfrage: Chinas Angriff auf Taiwan könnte deutsche Wirtschaft schwer treffen – Zweifel am europäischen Chip-Gesetz

Mai 24, 2023

Was bedeutet ein Angriff Chinas auf Taiwan für deutsche Unternehmen? Können die Ziele des europäischen Chip-Gesetzes erreicht werden? Die auf Lieferketten spezialisierte Kloepfel Consulting hat dazu 104 Manager mittelständischer Unternehmen stichprobenartig befragt.
Die Online-Umfrage, die vom 15. April bis zum 17. Mai 2023 stattfand, liefert Einblicke, um die möglichen Auswirkungen eines solchen Angriffs auf deutsche Unternehmen besser zu verstehen. Die Umfrageergebnisse zeigen eine klare Tendenz hinsichtlich der Bedeutung von Handelsbeziehungen mit China und Taiwan sowie der Abhängigkeit von elektronischen Komponenten und potenziellen Auswirkungen auf die Lieferketten.
Mehrheit stuft Handelsbeziehungen mit China als wichtig ein
Handelsbeziehungen mit China werden von der Mehrheit der Unternehmen als wichtig bis sehr wichtig eingestuft. Laut der Umfrage halten 79 Prozent der Befragten diese Beziehungen für bedeutend, während nur 14 Prozent angaben, dass sie weniger wichtig seien. Für 7 Prozent der Unternehmen haben die Handelsbeziehungen mit China keine Relevanz.

Handelsbeziehungen mit Taiwan für die Hälfte von hoher Bedeutung

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Handelsbeziehungen mit Taiwan. Etwa die Hälfte der Unternehmen, konkret 52 Prozent, betrachten diese Beziehungen als von hoher bis sehr hoher Bedeutung. Für 30 Prozent der Befragten sind sie weniger wichtig, während 18 Prozent angaben, dass diese Beziehungen für ihr Unternehmen keine Rolle spielen.
Konflikt zwischen China und Taiwan: Unternehmen befürchten schwerwiegende Auswirkungen auf Lieferketten
Die Umfrageergebnisse verdeutlichen auch, dass ein Krieg zwischen China und Taiwan erhebliche Auswirkungen auf die Lieferketten der Unternehmen haben würde. 78 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass eine solche Unterbrechung ihre Lieferketten stark bis sehr stark beeinträchtigen würde. Lediglich 15 Prozent erwarten nur geringfügige Auswirkungen, während 7 Prozent angaben, dass ihre Lieferketten überhaupt nicht betroffen wären.

Marc Kloepfel, CEO der Kloepfel Group, erklärt: „Um die Auswirkungen eines Konflikts zwischen China und Taiwan auf Lieferketten zu mildern, müssen Unternehmen alternative Lieferquellen sondieren. Geographische Diversifizierung der Lieferketten, Identifizierung von Backup-Lieferanten sowie eine Neubewertung von Make-or-Buy-Strategien können dazu beitragen, die Auswirkungen einer Unterbrechung zu minimieren und die Widerstandsfähigkeit der Unternehmen zu stärken.“

Elektronische Komponenten wie Halbleiter für die meisten Unternehmen wichtig

64 Prozent der Befragten gaben an, dass elektronische Komponenten wie Halbleiter für ihr Unternehmen wichtig bis sehr wichtig sind. Für 19 Prozent der Unternehmen sind sie weniger wichtig, während 17 Prozent angaben, dass sie für ihr Unternehmen unbedeutend sind.

60 Prozent fürchten erhebliche Lieferengpässe von elektronischen Komponenten aus Taiwan

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass eine Unterbrechung der Lieferkette von elektronischen Komponenten aus Taiwan für 60 Prozent der Unternehmen eine starke bis sehr starke Beeinträchtigung bedeuten würde. Für 23 Prozent wäre die Auswirkung geringfügig, während 17 Prozent angeben, dass ihr Unternehmen überhaupt nicht betroffen wäre.

Duran Sarikaya, Geschäftsführer Kloepfel Consulting, sagt dazu: „Unternehmen sollten in Technologiepartnerschaften und Kooperationen investieren, um ihre Innovationsfähigkeit im Bereich elektronischer Komponenten zu stärken. Durch den Austausch von Know-how und die Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten und Start-ups können neue Lösungen entwickelt und innovative Produkte auf den Markt gebracht werden.“

Europa und China dominieren als Hauptlieferanten elektronischer Komponenten für Unternehmen

Die Umfrage zeigt zudem, dass Europa und China die Hauptbezugsquellen für elektronische Komponenten der Unternehmen sind. 65 Prozent der befragten Unternehmen beziehen diese Komponenten aus Europa, gefolgt von China mit 63 Prozent. Taiwan liegt mit 44 Prozent auf dem dritten Platz. 33 Prozent der Unternehmen beziehen Komponenten aus den USA, während 29 Prozent aus Japan beziehen. Südkorea steht mit 23 Prozent ebenfalls auf der Liste der Bezugsquellen. Für 15 Prozent der Unternehmen stammt der Bezug aus anderen Gebieten. Es ist anzumerken, dass 26 Prozent der Unternehmen angaben, keine elektronischen Komponenten zu beziehen. Bei dieser Frage waren Mehrfachantworten möglich.

Die Bezugsquelle Europa schließt nicht aus, dass Vorprodukte trotzdem aus China und Taiwan stammen. Es stimmt hingegen zuversichtlich, dass die Elektronikbeschaffung bereits über mehrere Länder verteilt ist. Das suggeriert einen gewissen Spielraum für eine geographische Verlagerung weg von China und Taiwan.

Zweifel an Erreichung der Ziele des europäischen Chip-Gesetzes

Abschließend liefert die Umfrage Einschätzungen zur Erreichung der Ziele des europäischen Chip-Gesetzes. Laut der Umfrage sind 25 Prozent der Teilnehmer der Meinung, dass die Ziele des europäischen Chip-Gesetzes erreicht werden können, jedoch nicht ohne Herausforderungen. 33 Prozent der Befragten gaben an, unentschlossen zu sein, während 20 Prozent skeptisch sind und nicht glauben, dass die Ziele erreicht werden können. 22 Prozent haben zu diesem Thema keine Meinung.

Beteiligte Branchen

Die Teilnehmerstruktur der Umfrage umfasste Vertreter aus verschiedenen Branchen und Unternehmen bis 500 Millionen Euro Jahresumsatz.

Die größte Gruppe stellte der Maschinen- und Anlagenbau mit einem Anteil von 30 Prozent dar, gefolgt von der Elektroindustrie und dem Handel mit jeweils 10 Prozent. Die Automotive-Branche nahm einen Anteil von 9 Prozent ein, während der Bereich Health Care und die Konsumgüterindustrie Non-Food jeweils 5 Prozent ausmachten. Weitere vertretene Branchen waren unter anderem die

Chemie, Dienstleister, Metallindustrie, Baugewerbe, Sonderfahrzeugbau, IT, Konsumgüterindustrie Food, Möbelindustrie und Pharma, von denen jede einen Anteil von 4 Prozent oder weniger hatte. Etwa 10 Prozent der Teilnehmer gehörten zu anderen Branchen.

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