KI-Videoanalyse verbessert Sicherheit am Busbahnhof Lillestrøm

September 18, 2026

Am norwegischen Busbahnhof Lillestrøm verbindet Akershus Kollektivterminaler eine flächendeckende Videoüberwachung mit Edge-AI, intelligenter Recherche und einer zentralen Managementplattform. Neben einer besseren Übersicht über Fahrgast- und Verkehrsbereiche soll die neue Sicherheitsarchitektur insbesondere tote Winkel an den Bussteigen reduzieren und die Auswertung von Zwischenfällen beschleunigen.

Große Verkehrsknotenpunkte stellen hohe Anforderungen an die Videosicherheit. Fahrgäste bewegen sich zwischen Fahrzeugen und Bahnsteigen, Busse fahren in kurzen Intervallen ein und aus, gleichzeitig müssen Innenbereiche, Zufahrten und Außenflächen zuverlässig überwacht werden. Für Betreiber reicht es daher zunehmend nicht mehr aus, Videobilder lediglich aufzuzeichnen. Gefordert sind Systeme, die relevante Ereignisse schneller auffindbar machen, operative Abläufe unterstützen und sich auf weitere Standorte erweitern lassen.
Vor dieser Aufgabe stand auch Akershus Kollektivterminaler (AKT FKF). Das Unternehmen betreibt zentrale Bus- und Fährterminals in der Region Oslo, darunter das Oslo Bus Terminal und den Fährterminal Aker Brygge. Nach Betreiberangaben werden über die Verkehrsanlagen täglich mehr als 450.000 Fahrgastbewegungen abgewickelt. Am Busbahnhof Lillestrøm wurde die Videoüberwachung deshalb mit einer KI-gestützten Lösung von VIVOTEK modernisiert. Die Umsetzung übernahm der Systemintegrator Nimbus Fiber AS in Zusammenarbeit mit dem norwegischen Distributor Vicon Norway AS.

Breitere Abdeckung und weniger tote Winkel

Im Terminal sorgen 180-Grad-Panoramakameras des Typs CC9391-HV für eine großflächige Übersicht über die Fahrgastbereiche. Für die Außenüberwachung kommen Kameras des Typs IB9387-EHTV-V3 zum Einsatz. Erfasst werden unter anderem Haltestellenbereiche, Mitarbeiterparkplätze sowie Zonen hinter den Bussen, die für Fahrer nur eingeschränkt einsehbar sind.
Die Kameras verfügen über Edge-AI-Funktionen. Analysedaten werden damit bereits auf Geräteebene erzeugt und zusammen mit den Videoinformationen an die zentrale Infrastruktur übertragen. Die VAST Security Station (VSS) dient als gemeinsame Bedien- und Managementoberfläche.
Ein wesentlicher Bestandteil ist die KI-gestützte Recherche in aufgezeichnetem Videomaterial. Über VIVOTEK Deep Search können Betreiber relevante Sequenzen anhand von Personen, Fahrzeugen und weiteren Metadaten eingrenzen. Besonders bei großen Datenmengen kann dies die nachträgliche Untersuchung von Sicherheitsvorfällen deutlich vereinfachen und die manuelle Sichtung langer Aufzeichnungszeiträume reduzieren.

Kamerabilder direkt am Bussteig

Eine Besonderheit der Installation betrifft die insgesamt 16 Bussteige. Dort werden RX9502-Videoreceiver eingesetzt, die den Fahrern Echtzeitbilder aus dem rückwärtigen Bereich des jeweiligen Busses zur Verfügung stellen. Ziel ist es, tote Winkel beim Abfahren zu reduzieren und damit das Risiko für Fahrgäste und andere Personen im unmittelbaren Fahrzeugumfeld zu verringern.

Die Übertragung erfolgt per RTSP. Anstelle klassischer Arbeitsplatz-PCs übernehmen kompakte Videoreceiver die Darstellung der Kamerabilder. Damit reduziert sich die Zahl der Komponenten, die im laufenden Betrieb administriert und gewartet werden müssen.
Gerade dieser Einsatz zeigt, dass Videoüberwachung an Verkehrsknotenpunkten nicht ausschließlich der nachträglichen Dokumentation von Vorfällen dienen muss. Kamerabilder werden hier unmittelbar in einen betrieblichen Ablauf integriert und unterstützen eine konkrete sicherheitsrelevante Entscheidung des Fahrers.

Zentrale Architektur für weitere Standorte

Die technische Infrastruktur ist zugleich auf eine spätere Erweiterung ausgelegt. Grundlage bildet ein VIVOTEK-NVR innerhalb einer VSS-Serverumgebung. Weitere Terminals können perspektivisch über OpenVPN an die zentrale Plattform angebunden werden. Lillestrøm könnte damit als zentraler Knoten für die Verwaltung zusätzlicher Standorte dienen.

Geplant ist zudem die Integration von VORTEX Connect. Dadurch sollen künftig zusätzliche Zugriffsmöglichkeiten und KI-Dienste eingebunden werden können, ohne die bestehende Systemarchitektur grundlegend verändern zu müssen.

Für Betreiber verteilter Verkehrsinfrastrukturen ist dieser Ansatz von besonderer Bedeutung. Statt einzelne Standorte als voneinander getrennte Videoanlagen zu betreiben, lassen sich Kameras, Aufzeichnungen, Metadaten und Analysefunktionen zunehmend in einer gemeinsamen Plattform zusammenführen. Das vereinfacht nicht nur die zentrale Lagebeurteilung, sondern schafft auch die technische Grundlage für eine schrittweise Erweiterung der Sicherheitsinfrastruktur.
Nach Angaben von AKT standen bei dem Projekt sowohl die Sicherheit von Reisenden, Fahrern und Beschäftigten als auch die langfristige Skalierbarkeit des Systems im Mittelpunkt.
Der Einsatz in Lillestrøm verdeutlicht damit eine Entwicklung, die für Verkehrsknotenpunkte generell an Bedeutung gewinnt: Videoüberwachung entwickelt sich von der reinen Bildaufzeichnung zu einem operativen Sicherheitssystem. Edge-Analyse beschleunigt die Auswertung, intelligente Suche erleichtert Ermittlungen und Echtzeitbilder können unmittelbar zur Vermeidung von Gefahrensituationen beitragen. Entscheidend ist dabei weniger die einzelne Kamera als das Zusammenspiel von Sensorik, Analyse und zentraler Systemarchitektur.
[ML]

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