Rheinmetall baut Verteidigungskooperation mit Kroatien aus

Juli 10, 2026

Joint Venture mit DOK-ING soll Entwicklung unbemannter Bodensysteme stärken und Kroatien als europäischen Technologiestandort etablieren

Rheinmetall treibt den Ausbau seiner industriellen Präsenz in Südosteuropa voran und setzt dabei auf eine langfristig angelegte Partnerschaft mit Kroatien. Mit der Gründung des Joint Ventures Rheinmetall Unmanned Vehicles d.o.o.gemeinsam mit dem kroatischen Spezialisten DOK-ING will der Düsseldorfer Technologiekonzern den Aufbau eines europäischen Kompetenzzentrums für unbemannte Bodensysteme vorantreiben. Das Vorhaben geht dabei über die Entwicklung einzelner Produkte hinaus und verfolgt das Ziel, Forschung, industrielle Fertigung und internationale Lieferketten dauerhaft in Kroatien zu verankern.
Die offizielle Vorstellung des Gemeinschaftsunternehmens in Zagreb markiert nach Angaben von Rheinmetall den Beginn einer strategischen Industriepartnerschaft, die neben der Verteidigungsindustrie auch Forschungseinrichtungen, Universitäten, Zulieferer sowie den kroatischen Schiffbau einbeziehen soll.

Ausbau der europäischen Verteidigungsindustrie

Vor dem Hintergrund des sich verändernden sicherheitspolitischen Umfelds investieren zahlreiche europäische Staaten derzeit in den Ausbau ihrer Verteidigungsfähigkeiten und ihrer industriellen Basis. Neben der Modernisierung militärischer Ausrüstung gewinnen dabei insbesondere resiliente Lieferketten, technologische Souveränität und die Stärkung europäischer Produktionskapazitäten an Bedeutung.
Vor diesem Hintergrund verfolgt Rheinmetall das Ziel, zusätzliche Entwicklungs- und Fertigungskapazitäten innerhalb Europas aufzubauen und regionale Industriepartner stärker in internationale Programme einzubinden. Kroatien nimmt innerhalb dieser Strategie künftig eine Schlüsselrolle für den Bereich unbemannter Systeme ein.

Kompetenzzentrum für autonome Bodensysteme

Kern des Gemeinschaftsunternehmens ist die Entwicklung einer neuen Generation unbemannter und autonomer Bodenplattformen für militärische und sicherheitsrelevante Anwendungen. Grundlage bildet die langjährige Erfahrung des kroatischen Unternehmens DOK-ING bei ferngesteuerten Spezialfahrzeugen, insbesondere im Bereich Minenräumung und Spezialtechnik.
Diese Kompetenzen sollen mit Rheinmetalls Erfahrung bei der Entwicklung, Integration und Industrialisierung komplexer Verteidigungssysteme zusammengeführt werden. Geplant ist die Entwicklung modularer Plattformen für unterschiedliche Einsatzszenarien, darunter Kampfunterstützung, Pionieroperationen, Minenräumung sowie weitere Missionen in besonders gefährlichen Einsatzumgebungen.
Als technologische Basis dient unter anderem die von DOK-ING entwickelte Komodo-Plattform, die innerhalb des Joint Ventures weiterentwickelt und für zukünftige militärische Anwendungen ausgebaut werden soll.

Forschung bleibt in Kroatien

Ein wesentlicher Bestandteil der Partnerschaft besteht darin, zentrale Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten dauerhaft in Kroatien anzusiedeln. Konstruktion, Engineering und Produktentwicklung sollen weiterhin überwiegend durch kroatische Ingenieure erfolgen, während Rheinmetall den Zugang zu internationalen Entwicklungsprogrammen, industrieller Serienfertigung und globalen Absatzmärkten ermöglicht.
Dadurch soll nicht nur die technologische Kompetenz des Standorts gestärkt werden. Gleichzeitig eröffnet sich für kroatische Unternehmen die Möglichkeit, stärker in internationale Wertschöpfungs- und Lieferketten eingebunden zu werden.

Lokale Wertschöpfung als strategisches Ziel

Nach Angaben des Unternehmens beschränkt sich die Zusammenarbeit nicht auf das neue Joint Venture. Vielmehr verfolgt Rheinmetall ein umfassendes Industriekonzept, das auf langfristigen Technologietransfer, lokale Produktion und den Aufbau regionaler Zulieferstrukturen setzt.
Neben Forschung und Entwicklung sollen neue Fertigungskapazitäten entstehen, die sowohl den europäischen Bedarf als auch internationale Exportmärkte bedienen können. Gleichzeitig sieht Rheinmetall Potenzial für eine intensivere Zusammenarbeit mit der kroatischen Schiffbauindustrie, wissenschaftlichen Einrichtungen und weiteren Industriepartnern.
Dieses Modell entspricht der Strategie des Unternehmens, industrielle Wertschöpfung möglichst nah an den jeweiligen Partnerländern aufzubauen und gleichzeitig deren technologische Eigenständigkeit zu stärken.

Unbemannte Systeme gewinnen an Bedeutung

Die Entwicklung autonomer und ferngesteuerter Bodenfahrzeuge zählt derzeit zu den dynamischsten Innovationsfeldern der Verteidigungsindustrie. Moderne unbemannte Plattformen übernehmen zunehmend Aufgaben, bei denen Soldaten bislang erheblichen Risiken ausgesetzt waren. Dazu gehören insbesondere Minenräumung, Aufklärung, Transportaufgaben oder technische Unterstützungsleistungen im Gefechtsfeld.
Durch den Einsatz autonomer oder teilautonomer Systeme lassen sich Gefahren für Einsatzkräfte reduzieren und gleichzeitig komplexe Missionen effizienter durchführen. Entsprechend investieren zahlreiche Streitkräfte in Europa derzeit in entsprechende Technologien.

Beitrag zur europäischen Sicherheitsarchitektur

Das Projekt steht zugleich im Kontext des Ausbaus der europäischen Verteidigungsindustrie. Ziel ist es, Produktionskapazitäten innerhalb Europas auszubauen, Lieferketten widerstandsfähiger zu gestalten und Schlüsseltechnologien verstärkt innerhalb der Europäischen Union zu entwickeln.
Nach Einschätzung der kroatischen Regierung trägt die Partnerschaft dazu bei, das Land stärker als Entwicklungs- und Produktionsstandort für Hochtechnologie zu etablieren. Gleichzeitig soll ein Kompetenzzentrum für autonome Bodensysteme entstehen, das Forschung, Entwicklung und industrielle Fertigung dauerhaft miteinander verbindet.
Die Initiative fügt sich zudem in den kroatischen Industrieentwicklungsplan 2027 bis 2034 ein, der unter anderem die Förderung technologischer Innovationen, die Digitalisierung industrieller Prozesse, die Steigerung der Exportfähigkeit sowie die stärkere Integration kroatischer Unternehmen in europäische Wertschöpfungsketten vorsieht.

Rheinmetall setzt auf langfristige Präsenz

Rheinmetall betont, dass die Gründung von Rheinmetall Unmanned Vehicles lediglich den ersten Schritt einer langfristigen Industriepartnerschaft darstellt. Bereits heute arbeitet das Unternehmen in verschiedenen Bereichen mit kroatischen Industriepartnern zusammen und baut seine Aktivitäten im Marinesektor kontinuierlich aus.
Perspektivisch sollen weitere Investitionen folgen, um Produktionskapazitäten auszubauen, Forschungseinrichtungen einzubinden und kroatische Unternehmen stärker in internationale Programme des Konzerns zu integrieren. Damit verfolgt Rheinmetall einen Ansatz, der über klassische Investitionsprojekte hinausgeht und auf den nachhaltigen Aufbau industrieller Kompetenzen in der Region abzielt.

Fazit

Mit dem Joint Venture zwischen Rheinmetall und DOK-ING entsteht ein neues europäisches Entwicklungszentrum für unbemannte Bodensysteme. Gleichzeitig unterstreicht das Projekt einen übergeordneten Trend innerhalb der europäischen Verteidigungsindustrie: Statt einzelner Beschaffungsvorhaben gewinnen langfristige Industriepartnerschaften, Technologietransfer und der Aufbau regionaler Produktions- und Forschungskapazitäten zunehmend an Bedeutung.
Für Kroatien eröffnet die Kooperation die Möglichkeit, sich als Standort für Entwicklung und Fertigung moderner Verteidigungstechnologien zu etablieren. Rheinmetall wiederum erweitert seine industrielle Präsenz in Europa und stärkt gleichzeitig die Grundlagen für resilientere Lieferketten und die Entwicklung zukünftiger unbemannter Systeme.

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