Die aktuelle Frühjahrs-Konjunkturumfrage des BHE Bundesverband Sicherheitstechnik e.V. sendet ein ambivalentes Signal an die Sicherheitsbranche. Einerseits bleibt die Geschäftslage insgesamt stabil, andererseits zeigen die Zahlen deutlich, dass sich der Markt zunehmend abkühlt. Die Durchschnittsnote von 2,28 gegenüber 2,02 im Herbst 2025 ist nicht nur schlechter als in der vorherigen Erhebung, sondern bereits das viertschwächste Ergebnis seit Beginn der Erhebung. Schlechter war die Stimmung zuletzt nur beim Ausbruch der Coronakrise im Frühjahr 2020. Das allein sollte der Branche zu denken geben.
Zwar bewerten noch immer rund 66 Prozent der Unternehmen ihre Lage als „gut“ oder „sehr gut“, gleichzeitig sprechen aber bereits gut 8 Prozent von einer „schlechten“ oder „sehr schlechten“ Geschäftslage. Die Rückgänge ziehen sich inzwischen nahezu durch alle Marktsegmente. Besonders auffällig ist die Schwäche im Privatkundenbereich, der mit einer Note von 2,96 weiterhin das Sorgenkind bleibt und nahezu auf dem Niveau der letzten Erhebungen verharrt. Das ist kein Zufall. Steigende Lebenshaltungskosten, Konsumzurückhaltung und wirtschaftliche Unsicherheit treffen private Investitionen unmittelbar – und damit auch klassische Sicherheitstechnik für Wohngebäude.
Aber auch der gewerbliche Bereich verliert deutlich an Dynamik. Die Bewertung verschlechterte sich von 2,26 im Herbst 2025 auf nun 2,41. Gleichzeitig bewegt sich die Geschäftslage bei Behördenkunden mit 2,52 lediglich auf konstantem Niveau. Unternehmen investieren vorsichtiger, Projekte werden verschoben, Budgets stärker hinterfragt. Selbst in traditionell robusten Bereichen zeigen sich deutliche Rückgänge. Besonders stark betroffen sind die Zutrittssteuerung mit einer Verschlechterung von 2,15 auf 2,44 sowie die Brandmeldetechnik, die von 1,91 auf 2,19 zurückfällt. Auch die Einbruchmeldetechnik verschlechtert sich von 2,48 auf 2,55. Vergleichsweise gering bleiben die Rückgänge bei der Videosicherheit von 2,33 auf 2,36 sowie bei Rauch- und Wärmeabzugsanlagen mit 2,21 gegenüber 2,20. Das verdeutlicht: Die Sicherheitsbranche ist keineswegs vollständig von der allgemeinen Wirtschaftslage entkoppelt.
Über Jahre galt die Branche als nahezu krisenresistent. Themen wie KRITIS-Schutz, Cybersecurity, Perimeterschutz oder KI-gestützte Sicherheitslösungen sorgten für Wachstum und stabile Nachfrage. Viele Marktteilnehmer haben sich daran gewöhnt, dass Sicherheit als Zukunftsmarkt fast automatisch expandiert. Doch genau darin liegt möglicherweise eine Gefahr. Denn auch die Sicherheitswirtschaft bewegt sich nicht außerhalb ökonomischer Realität.
Wenn Industrie, Mittelstand und private Haushalte unter Druck geraten, sinkt zwangsläufig auch die Investitionsbereitschaft. Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten, hohe Energiepreise, steigende Finanzierungskosten und eine insgesamt schwache Konjunktur in Deutschland und Europa. Sicherheit bleibt zwar relevant – aber nicht jedes Projekt wird in schwierigen Zeiten sofort umgesetzt. Dass der Ausblick auf die kommenden Monate nur noch mit der Note 2,34 bewertet wird, unterstreicht diese Entwicklung zusätzlich. Zwar rechnen weiterhin fast zwei Drittel der Unternehmen mit einer guten oder sehr guten Lage, doch rund 7 Prozent erwarten inzwischen eine negative Geschäftsentwicklung.
Besonders bemerkenswert ist deshalb der weiterhin hohe Fachkräftebedarf. Trotz der vorsichtigeren Markteinschätzung suchen weiterhin 54 Prozent der Unternehmen neue Mitarbeiter, während rund 46 Prozent ihren Personalbestand lediglich halten wollen. Nur ein einziges Unternehmen rechnet aktuell mit Personalabbau. Das zeigt einerseits den langfristigen Bedarf an sicherheitstechnischem Know-how. Andererseits könnte sich daraus ein zusätzlicher wirtschaftlicher Druck entwickeln: Wer Personal aufbaut, gleichzeitig aber auf eine stagnierende oder rückläufige Nachfrage trifft, erhöht zwangsläufig seine Kostenbasis.
Die aktuelle Umfrage ist deshalb weniger ein unmittelbares Krisensignal als vielmehr eine Mahnung zur Realitätsnähe. Nicht alles ist so rosig, wie es in Teilen der Branche noch dargestellt wird. Die Sicherheitswirtschaft bleibt vergleichsweise stabil – aber auch sie wird sich auf schwierigere Marktbedingungen einstellen müssen. Wer jetzt ausschließlich auf weiteres Wachstum setzt, könnte überrascht werden, wenn sich die wirtschaftliche Lage weiter eintrübt.
Gerade in unsicheren Zeiten wird es darauf ankommen, Investitionen gezielter zu priorisieren, Geschäftsmodelle resilienter aufzustellen und technologische Innovation nicht nur als Wachstums-, sondern zunehmend auch als Effizienzfaktor zu verstehen. Die kommenden Monate dürften zeigen, ob die Branche tatsächlich so widerstandsfähig ist, wie sie sich lange selbst gesehen hat.


