Das Zutrittskontrollsystem Solo von Paxton soll Betreibern größerer Wohnanlagen eine zentral verwaltete Alternative zu klassischen Standalone-Lösungen bieten. In einem Studentenwohnheim in Newcastle-under-Lyme setzte JPR Fire, Security and Data das Smartphone-basierte, cloudgehostete System ein, um die Zutrittsverwaltung für rund 500 Studierende neu zu organisieren. Entscheidend für das Projekt war, dass die Türen selbst keine bestehende Netzwerk- oder WLAN-Infrastruktur benötigen.
Homes for Students betreibt 235 Studentenwohnheime in Großbritannien und Irland. Zu den Standorten gehört One London Road in Newcastle-under-Lyme. Für die Zutrittskontrolle dort ist JPR Fire, Security and Data verantwortlich.
Bis vor Kurzem wurde das Studentenwohnheim über eine klassische Standalone-Zutrittskontrolle abgesichert. Ein Vorteil dieser Lösung bestand darin, dass an den einzelnen Türen keine Netzwerkinfrastruktur erforderlich war. Mit zunehmender Größe und Komplexität des Standorts wurde die Verwaltung jedoch aufwendiger.
Rund 500 Bewohner verteilen sich auf fünf Gebäudeblöcke. Hinzu kommen Gemeinschaftsbereiche wie das Fitnessstudio. Registrierte Studierende erhielten bislang Zutritt, indem sie einen gültigen Zugangscode eingaben oder einen Transponder am jeweiligen Leser verwendeten. Insbesondere die physischen Identmedien verursachten dabei regelmäßig zusätzlichen Aufwand: Verlorene Transponder mussten gesperrt, ersetzt und neu ausgegeben werden. Neben den Materialkosten entstand dadurch auch administrativer Aufwand für die Standortverwaltung.
Nach der Teilnahme an einer Paxton Tech Tour, auf der das neue Solo-System vorgestellt wurde, sah Mike Gater, Abteilungsleiter bei JPR Fire, Security and Data, in der Anlage einen möglichen Ansatz für One London Road.
Der Standort stellte dabei eine typische technische Herausforderung dar: Einerseits sollte die bestehende Unabhängigkeit von einer kabelgebundenen Netzwerkinfrastruktur erhalten bleiben. Andererseits benötigte die Verwaltung Funktionen, die normalerweise mit einem vernetzten Zutrittskontrollsystem verbunden sind – insbesondere eine zentrale Benutzerverwaltung, die flexible Vergabe und Entziehung von Zutrittsrechten sowie eine nachvollziehbare Ereignishistorie.
Cloud-Verwaltung ohne Netzwerkanschluss an der Tür
Solo verbindet diese beiden Ansätze. Das System wird über eine Cloud-Plattform verwaltet, benötigt an den einzelnen Türen jedoch keine klassische LAN- oder WLAN-Verbindung. Stattdessen übernimmt das Smartphone eine zentrale Rolle in der Kommunikation zwischen Nutzer, Cloud und Türcontroller.
Mit der Paxton Solo App kann das Verwaltungsteam Benutzer und Zutrittsrechte über ein Smartphone verwalten. Für Studierende kann das Smartphone zugleich als digitales Zutrittsmedium dienen. Damit entfällt für diese Nutzer sowohl die Notwendigkeit, sich einen Zugangscode zu merken, als auch einen separaten Transponder mitzuführen.
Technisch kommuniziert ein berechtigtes Smartphone beim Zutrittsvorgang über Bluetooth Low Energy mit dem Solo-Controller an der Tür. Das Smartphone übernimmt damit die lokale Verbindung zwischen Nutzer und Zutrittspunkt.
Die Cloud-Anbindung erfolgt nicht über den Türcontroller selbst. Steht vor Ort keine geeignete WLAN-Infrastruktur zur Verfügung, kann das Smartphone seine mobile Datenverbindung nutzen, um die erforderlichen Berechtigungsinformationen abzurufen beziehungsweise deren Gültigkeit zu überprüfen. Genau dieser Aufbau ermöglicht es, cloudbasierte Verwaltungsfunktionen an Standorten einzusetzen, an denen eine nachträgliche Vernetzung der einzelnen Türen über LAN oder WLAN nicht vorgesehen oder wirtschaftlich nicht sinnvoll wäre.
Auch ein kurzfristiger Verlust der Datenverbindung soll den Zutritt nicht unmittelbar verhindern. Nach Angaben von Paxton kann eine gültige Berechtigung für etwa drei bis vier Stunden auf dem Smartphone zwischengespeichert werden. Nutzer können dadurch innerhalb dieses Zeitfensters weiterhin berechtigte Türen öffnen, selbst wenn das Telefon vorübergehend keine Verbindung zum Mobilfunknetz oder Internet herstellen kann.
Umstellung im laufenden Betrieb
Für One London Road wurde Solo nicht von einem Tag auf den anderen an die Stelle des vorhandenen Systems gesetzt. Stattdessen liefen beide Lösungen zunächst parallel. Dadurch konnten die Bewohner schrittweise auf das Smartphone-basierte Verfahren umgestellt werden, ohne den laufenden Zutritt zum Gebäude zu beeinträchtigen.
Erst nachdem alle vorgesehenen Nutzer die Paxton Solo App eingerichtet hatten und das neue Verfahren nutzen konnten, wurde der Zugangscode des bisherigen Standalone-Systems geändert. Damit wurde verhindert, dass der alte Zutrittsweg weiterhin regulär genutzt werden konnte.
Mike Gater erklärt: „Als uns Solo vorgestellt wurde, wussten wir sofort, dass es sehr gut zu unserem Kunden am Standort One London Road passen könnte. Da das Gebäude über keine Netzwerkinfrastruktur verfügt, war von Anfang an eine Standalone-Lösung erforderlich. Bei rund 500 Studierenden vor Ort profitiert der Kunde gleichzeitig deutlich von den zusätzlichen Funktionen eines zentral verwalteten Systems.“
Für JPR spielte dabei auch die bisherige Erfahrung mit Paxton eine Rolle. Als Paxton Platinum Partner arbeitet das Unternehmen bereits seit längerer Zeit mit den Systemen des Herstellers und verfügte entsprechend über Erfahrung bei Planung, Installation und Betrieb.
Gater sagt dazu: „Wir wissen, dass Solo noch sehr neu ist. Da es sich jedoch um ein Paxton-Produkt handelt, hatten wir vom ersten Tag an Vertrauen in das System. Wir kennen die Produkte und wissen, dass das Paxton-Team bei Bedarf Unterstützung bietet.“
Wirtschaftlichkeit hängt nicht nur von den Anschaffungskosten ab
Neben der technischen Architektur spielte bei der Entscheidung auch die Wirtschaftlichkeit eine Rolle. Gerade in Studentenwohnheimen mit häufig wechselnden Bewohnern können physische Zutrittsmedien einen nicht unerheblichen Verwaltungs- und Kostenfaktor darstellen.
Bei einer klassischen Transponderlösung müssen Medien beschafft, ausgegeben, zurückgenommen und bei Verlust ersetzt beziehungsweise gesperrt werden. Bei mehreren hundert Bewohnern können sich diese Vorgänge im Laufe eines Jahres entsprechend summieren.
Solo arbeitet dagegen mit einer Kombination aus Hardware an der Tür, Cloud-Verwaltung und digitalen Berechtigungen auf dem Smartphone. Für das System fallen neben den Anschaffungskosten laufende Abonnementkosten je Tür an. Nach Einschätzung von JPR bleibt das Modell am Standort One London Road dennoch wirtschaftlich, da ein Teil der bisher regelmäßig entstehenden Kosten für verlorene und zu ersetzende Transponder entfällt.
Gater erklärt: „Neben dem Vorteil, dass Solo cloudbasiert arbeitet und keine Netzwerkinfrastruktur an den Türen benötigt, war der Preis ein weiteres wichtiges Argument. Die Anschaffungskosten für das Solo-Kit sind überschaubar. Selbst unter Berücksichtigung der laufenden Abonnementkosten pro Tür spart der Kunde gegenüber einer Erweiterung des bisherigen Standalone-Systems Kosten, weil zuvor regelmäßig zahlreiche verlorene Transponder ersetzt werden mussten.“
Für eine belastbare wirtschaftliche Bewertung ist dabei weniger der reine Hardwarepreis entscheidend als die Betrachtung der Gesamtkosten über den Betrieb hinweg. Neben Geräten und Abonnements gehören dazu insbesondere die Verwaltung von Nutzern, die Ausgabe und der Ersatz physischer Identmedien sowie der Aufwand bei Änderungen von Zutrittsrechten.
Gemeinschaftsbereiche lassen sich gezielter absichern
Mit der Umstellung wurde auch die Zutrittsorganisation innerhalb des Wohnheims differenzierter. Vorher konnten Gemeinschaftsräume teilweise von allen Personen genutzt werden, die grundsätzlich Zutritt zum jeweiligen Gebäude hatten.
Mit Solo können Berechtigungen gezielter einzelnen Nutzern oder Nutzergruppen zugeordnet werden. So können beispielsweise nur Bewohner, die tatsächlich zur Nutzung eines bestimmten Gemeinschaftsbereichs berechtigt sind, diesen über ihr Smartphone öffnen. Am Zutrittspunkt halten sie ihr Gerät an den Solo DoorTag, woraufhin die hinterlegte Berechtigung für diese Tür geprüft wird.
Für Studentenwohnheime ist diese granularere Rechtevergabe vor allem dort relevant, wo Wohnbereiche, Gemeinschaftseinrichtungen, Fitnessräume oder andere interne Flächen unterschiedliche Zutrittsprofile benötigen. Änderungen müssen dabei nicht zwingend mit der Ausgabe eines neuen physischen Mediums verbunden werden, sondern können innerhalb der Benutzerverwaltung vorgenommen werden.
Ereignisprotokolle unterstützen die Standortverwaltung
Neben dem mobilen Zutritt war für Homes for Students ein weiterer Unterschied zum bisherigen Standalone-System relevant: die Nachvollziehbarkeit von Zutrittsereignissen.
Tallulah-Mae Moran, General Manager bei Homes for Students, erklärt: „Das Solo-System von Paxton hat die laufenden Kosten für den Ersatz von Transpondern sowie den damit verbundenen Zeitaufwand reduziert. Die Möglichkeit, nachzuvollziehen, wer wann welche Tür geöffnet hat, ist für uns äußerst hilfreich. Dadurch können wir den Standort besser verwalten und erhalten bei der Untersuchung von Vorfällen vor Ort genaue Informationen.“
Gerade bei einer Anlage mit rund 500 Bewohnern kann eine solche Ereignishistorie die Verwaltung erheblich vereinfachen. Sie erlaubt es, berechtigte Zutrittsvorgänge bestimmten Nutzern und Türen zeitlich zuzuordnen. Für die Untersuchung konkreter Vorfälle entsteht damit eine zusätzliche Informationsquelle.
Gleichzeitig erfordert eine solche Protokollierung klare organisatorische Regeln: Zugriffsrechte auf Ereignisdaten, Speicherfristen und die zulässige Nutzung dieser Informationen müssen entsprechend der jeweils geltenden Datenschutzanforderungen definiert werden. Der Mehrwert gegenüber einer rein lokalen Standalone-Lösung liegt deshalb nicht nur darin, dass mehr Daten vorhanden sind, sondern dass sie kontrolliert und zweckgebunden für die Verwaltung des Standorts genutzt werden können.
Moran sieht insbesondere die dezentrale Verwaltung als Vorteil: „Außerdem können wir Benutzer aus der Ferne anlegen und verwalten, anstatt physische Transponder ausgeben und wieder einsammeln zu müssen. Die Investition hat sich für uns gelohnt, und das System wird uns auch in den kommenden Jahren unterstützen.“
Smartphone ersetzt am Standort zunehmend den Transponder
Der Fall One London Road zeigt vor allem, wie sich die Grenze zwischen Standalone- und vernetzter Zutrittskontrolle verschiebt. Klassische Standalone-Systeme sind dort attraktiv, wo keine Netzwerkinfrastruktur an den Türen vorhanden ist und Installation sowie Betrieb möglichst einfach bleiben sollen. Ihr Nachteil liegt häufig in der begrenzten zentralen Verwaltung größerer Nutzerzahlen.
Vollständig vernetzte Systeme bieten dagegen umfassendere Verwaltungs- und Protokollierungsfunktionen, setzen aber je nach Architektur entsprechende Netzwerkstrukturen voraus.
Solo verfolgt einen anderen Ansatz: Der Türcontroller bleibt von einer klassischen Standortvernetzung unabhängig, während Smartphone und Cloud die zentrale Verwaltung und den Austausch der Berechtigungsinformationen übernehmen. Bluetooth Low Energy stellt die lokale Kommunikation an der Tür her, während das Smartphone – sofern erforderlich – die Verbindung zur Cloud über mobile Daten bereitstellt.
Für einen Standort wie One London Road ist genau diese Trennung relevant. Die vorhandene Gebäudestruktur musste nicht zuerst mit einer flächendeckenden Netzwerkinfrastruktur ausgestattet werden, gleichzeitig erhielt die Verwaltung Funktionen, die über eine klassische lokale Standalone-Lösung hinausgehen.
JPR Fire, Security and Data will Solo künftig deshalb auch anderen Kunden anbieten, die grundsätzlich nach einer Standalone-Lösung suchen, zugleich aber zentral verwaltbare Benutzerrechte und Smartphone-basierte Zutrittsmedien benötigen.
Paxton bietet Errichtern ergänzend Schulungen für Solo an. Teilnehmende Unternehmen erhalten nach Herstellerangaben ein Solo-Kit für eine Tür, um Installation, Konfiguration, Smartphone-Nutzung und die Cloud-Verwaltung praktisch zu erproben und das System anschließend auch Kunden demonstrieren zu können.


