Eine aktuelle US-Studie von Axis Communications zeigt eine wachsende gesellschaftliche Akzeptanz von Videoüberwachung. 58 Prozent der Befragten fühlen sich heute mit Kameras im öffentlichen und privaten Raum wohler als noch vor fünf Jahren. Zugleich wird deutlich: Mit der Akzeptanz steigen die Erwartungen an Datenschutz, Transparenz und einen verantwortungsvollen Einsatz von KI.
Videoüberwachung scheint in den USA zunehmend als Bestandteil öffentlicher und privater Sicherheitskonzepte akzeptiert zu werden. Das ist das zentrale Ergebnis des „2026 Public Perception of Video Surveillance Survey“ von Axis Communications. Für die im Juli 2026 durchgeführte Untersuchung wurden durch einen externen Anbieter mehr als 1.000 erwachsene US-Verbraucher zu ihrer Einstellung gegenüber Videoüberwachung und KI-gestützten Anwendungen befragt.
Demnach geben 58 Prozent an, sich heute wohler mit Videoüberwachung zu fühlen als vor fünf Jahren. 20 Prozent sprechen von einer deutlich gestiegenen Akzeptanz, 23 Prozent von einer moderaten und 15 Prozent von einer leichten Zunahme. 31 Prozent äußern sich neutral oder unsicher; lediglich elf Prozent fühlen sich mit Videoüberwachung inzwischen weniger wohl. Besonders hoch ist das Bewusstsein für die vorhandene Technik: 70 Prozent der Befragten geben an, Videoüberwachungssysteme im öffentlichen Raum sehr oder äußerst bewusst wahrzunehmen.
Jüngere Generationen reagieren kritischer
Die zunehmende Vertrautheit mit Kameras bedeutet allerdings nicht, dass Überwachung überall gleichermaßen akzeptiert wird. Insgesamt haben nach der Untersuchung 18 Prozent bereits einen Ort wegen Bedenken hinsichtlich vorhandener Videoüberwachung gemieden. Auffällig sind dabei die Unterschiede zwischen den Generationen. Bei der Generation Z beträgt der Anteil 32 Prozent, bei Millennials 28 Prozent. Von den Angehörigen der Generation X berichten dies dagegen nur zwölf Prozent, von den Babyboomern sechs Prozent.
Damit zeichnet die Untersuchung ein differenzierteres Bild als die reine Zustimmungsquote zunächst vermuten lässt: Gerade jüngere Menschen können mit Videoüberwachung vertraut sein und ihren Einsatz dennoch kritischer bewerten.
Akzeptanz hängt vom Zweck der Überwachung ab
Besonders deutlich wird dies bei den Voraussetzungen, unter denen die Befragten Videoüberwachung akzeptieren. Für 64 Prozent würde die Gewissheit, dass Kameras ausschließlich Sicherheitszwecken dienen, das Vertrauen erhöhen. 59 Prozent nennen eine eindeutige Kennzeichnung der Überwachung, 51 Prozent verlangen starke Datenschutzmaßnahmen.
Für Betreiber bedeutet dies, dass die technische Leistungsfähigkeit eines Videosystems allein kaum noch ausreicht. Neben der Frage, was Kameras und Analysesysteme erkennen können, tritt zunehmend die Frage, zu welchem Zweck sie eingesetzt werden, welche Daten entstehen und wie mit diesen Informationen umgegangen wird.
„Die Öffentlichkeit sieht eine klare Rolle für Videoüberwachung bei der Schaffung sicherer Räume, erwartet aber gleichzeitig einen verantwortungsvollen Umgang mit der Technologie“, fasst Fredrik Nilsson, Vice President Americas bei Axis Communications, die Ergebnisse zusammen.
KI findet Zustimmung – mit Vorbehalten
Besonders aufschlussreich ist die Untersuchung mit Blick auf KI-gestützte Videoanalyse. Vergleichsweise hohe Akzeptanz erzielen Anwendungen zur Echtzeiterkennung konkreter Gefahren, beispielsweise Waffen, verdächtiger Gegenstände oder auffälliger Verhaltensweisen. Auch bestimmte sicherheitskritische Anwendungen bei Strafverfolgungsbehörden sowie automatisierte Identitätsprüfungen an Flughäfen werden von vielen Befragten akzeptiert.
Die Vorbehalte konzentrieren sich dagegen auf zwei zentrale Risikofelder. Jeweils 66 Prozent äußern Bedenken hinsichtlich Fehlalarmen beziehungsweise unzutreffender Analyseergebnisse sowie hinsichtlich eines möglichen Missbrauchs oder unsachgemäßen Umgangs mit den erhobenen Informationen.
Gerade für den Einsatz von KI in der Videosicherheit ist dieser Befund relevant. Je stärker Systeme nicht mehr nur Bilder aufzeichnen, sondern Situationen automatisiert klassifizieren, Personen oder Objekte erkennen und daraus Ereignisse ableiten, desto stärker rücken Qualität und Nachvollziehbarkeit der Algorithmen sowie der Schutz der verarbeiteten Daten in den Mittelpunkt.
Vertrauen wird zum Wettbewerbsfaktor
Die Untersuchung ist auf den US-Markt beschränkt und lässt sich daher nicht unmittelbar auf Deutschland oder Europa übertragen. Dennoch verweist sie auf einen grundsätzlichen Zielkonflikt, der auch die europäische Sicherheitsbranche beschäftigt: Leistungsfähigere Videoanalyse eröffnet neue Möglichkeiten für Prävention und schnellere Intervention, erweitert gleichzeitig aber die Menge und Qualität der verarbeiteten Informationen.
Bemerkenswert ist deshalb weniger die gestiegene Akzeptanz allein als deren Bedingtheit. Transparenz, klar definierte Einsatzzwecke, Datenschutz und zuverlässige Analyse werden zu Faktoren, anhand derer Anwender und Öffentlichkeit Videosicherheit beurteilen.
Für Hersteller und Betreiber dürfte dies zunehmend auch wirtschaftliche Bedeutung gewinnen. Vertrauen entsteht nicht automatisch mit besserer Technik. Je leistungsfähiger Videoüberwachung und KI-Analyse werden, desto stärker müssen Anbieter erklären können, welche Daten verarbeitet werden, welchem Zweck die Analyse dient und welche technischen sowie organisatorischen Grenzen dem System gesetzt sind. Die Studie legt damit nahe: Die gesellschaftliche Akzeptanz von Videoüberwachung wächst – der Spielraum für einen intransparenten Umgang mit ihr hingegen nicht.




