Wirtschaft warnt vor wachsender Gefahr hybrider Angriffe

August 6, 2026

87 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer ernsthaften Krise – nur jedes dritte sieht Deutschland ausreichend auf Cyberattacken vorbereitet

Drohnenangriffe, Sabotageakte und Cyberattacken werden aus Sicht der deutschen Wirtschaft zu einer immer größeren Bedrohung. 87 Prozent der Unternehmen halten es für wahrscheinlich, dass hybride Angriffe in Deutschland eine ernsthafte Krise auslösen könnten. Das zeigt eine repräsentative Befragung des Digitalverbands Bitkom unter 1.003 Unternehmen ab zehn Beschäftigten.

Nach dem gescheiterten mutmaßlichen Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig gewinnt die Diskussion über den Schutz kritischer Infrastrukturen zusätzlich an Dringlichkeit. Hybride Angriffe bewegen sich häufig in einer Grauzone zwischen Krieg und Frieden. Staatliche Akteure oder ihnen nahestehende Gruppen greifen dabei Unternehmen, Behörden und Infrastrukturen mit einer Kombination aus physischen Attacken, Sabotage, Desinformation und Cyberangriffen an. Die Urheber bleiben oft im Verborgenen.

18 Prozent der befragten Unternehmen halten eine ernsthafte Krise infolge solcher Angriffe für äußerst wahrscheinlich. Weitere 69 Prozent bewerten dieses Szenario als eher wahrscheinlich. Lediglich fünf Prozent halten eine solche Entwicklung für eher unwahrscheinlich, drei Prozent für äußerst unwahrscheinlich.

„Bei der Diskussion über hybride Angriffe in einer Grauzone zwischen Krieg und Frieden geht es nicht mehr um ein theoretisches Risiko“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. Deutschland werde täglich tausendfach digital attackiert. Zugleich seien auch physische Angriffe auf kritische Infrastrukturen, Behörden und Unternehmen längst Realität.

Wintergerst fordert deshalb deutlich stärkere Schutzmaßnahmen: „Wir müssen die Resilienz von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft massiv erhöhen – und zwar so schnell wie möglich.“ Technologieunternehmen und Start-ups könnten mit innovativen Lösungen einen wichtigen Beitrag zur Erkennung und Abwehr hybrider Bedrohungen leisten.

Geopolitische Spannungen erhöhen das Risiko

Drei Viertel der Unternehmen gehen davon aus, dass internationale Konflikte und politische Spannungen die Gefahr analoger und digitaler Angriffe auf Deutschland erhöhen. 75 Prozent nennen in diesem Zusammenhang insbesondere die Auseinandersetzungen zwischen Russland und der NATO sowie zwischen den USA und Iran.

Gleichzeitig fällt das Vertrauen in die deutsche Abwehrfähigkeit gering aus: Nur 33 Prozent der Unternehmen halten Deutschland derzeit für gut auf Cyberangriffe vorbereitet. Die Ergebnisse verdeutlichen damit eine erhebliche Lücke zwischen der wahrgenommenen Bedrohung und dem Vertrauen in die vorhandenen Schutzstrukturen.

Methodik

Die Angaben basieren auf einer repräsentativen telefonischen Befragung, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Befragt wurden 1.003 Unternehmen in Deutschland mit mindestens zehn Beschäftigten und einem Jahresumsatz von mindestens einer Million Euro. Die Erhebung fand zwischen der 16. und der 23. Kalenderwoche 2026 statt.

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