Windenergieanlagen müssen nicht nur möglichst effizient Strom erzeugen, sondern zugleich umfangreiche Anforderungen des Arten- und Naturschutzes erfüllen. Fleximaus hat dafür gemeinsam mit Axis Communications die Lösung FlexiBird entwickelt. Panorama-Kameras und KI-gestützte Bildanalyse erkennen landwirtschaftliche Aktivitäten rund um Windenergieanlagen und können notwendige Abschaltungen zum Schutz von Vögeln automatisiert auslösen.
Windparks befinden sich häufig auf oder in unmittelbarer Nähe landwirtschaftlich genutzter Flächen. Werden Felder gemäht, gepflügt oder abgeerntet, können diese Arbeiten Vögel anlocken beziehungsweise aufscheuchen und damit zeitweise das Kollisionsrisiko an Windenergieanlagen erhöhen. Für Betreiber kann daraus die Verpflichtung entstehen, Anlagen während und nach solchen Bewirtschaftungsereignissen abzuschalten.
Die Fleximaus GmbH hat mit FlexiBird eine Lösung entwickelt, die diesen Prozess digitalisiert. Das System kann sowohl in bestehende als auch in neue Windparks integriert werden und bündelt Überwachung, Dokumentation und Steuerung in einer Plattform. Unterschiedliche Betriebsmodi sollen eine Anpassung an die jeweiligen Genehmigungsauflagen und Standortbedingungen ermöglichen. Entwickelt wurden entsprechende Konzepte unter anderem in Zusammenarbeit mit der SL-Service und Verwaltungs GmbH.
KI erkennt landwirtschaftliche Aktivitäten
Eine zentrale Funktion von FlexiBird ist die automatische Traktorerkennung. Kameras beobachten ausgewählte landwirtschaftliche Flächen im Umfeld der Windenergieanlagen. Eine KI-gestützte Software analysiert die Bilder in Echtzeit und erkennt Aktivitäten, die für eine sogenannte Bewirtschaftungsabschaltung relevant sind. Dazu zählen insbesondere Mahd, Ernte und Pflügen.
Wird ein entsprechendes Ereignis erkannt, kann zunächst ein definierter Personenkreis automatisch informiert werden. Betreiber oder technische Betriebsführer können darauf reagieren und die betreffende Anlage stoppen. Über das von Fleximaus eingesetzte Kommunikationssystem „Greenbox“ lässt sich der Prozess nach Angaben des Unternehmens darüber hinaus vollständig automatisieren: Die Windenergieanlage wird während und nach einem erkannten Bewirtschaftungsereignis selbstständig abgeschaltet.
Damit soll sich nicht nur der Aufwand für manuelle Kontrollen, Telefonate und Abstimmungen reduzieren. Die automatisierte Dokumentation schafft zugleich einen Nachweis darüber, wann relevante Ereignisse erkannt und welche Maßnahmen daraufhin eingeleitet wurden.
Zwei Panorama-Kameras pro Turm
Für die visuelle Erfassung setzt Fleximaus auf Panorama-Netzwerkkameras von Axis Communications. Jeweils zwei Kameras werden in einer Höhe von rund 80 bis 100 Metern an den Türmen der Windenergieanlagen montiert. Dadurch entsteht eine 360-Grad-Rundumsicht auf die relevanten Flächen.
Die Installation erfolgt entweder bereits während der Turmmontage oder nachträglich durch professionelle Industriekletterer. Für den Einsatz sind robuste Komponenten erforderlich: Die Kameras müssen dauerhaft Wind, Regen, Schnee und weiteren Umwelteinflüssen standhalten und gleichzeitig kontinuierlich verwertbares Bildmaterial liefern.
Die Aufnahmen werden an die KI-Software im Windpark übertragen und dort auf genehmigungsrelevante Aktivitäten untersucht. Die Kamera wird damit von einem reinen Beobachtungssystem zum Sensor innerhalb eines automatisierten Entscheidungsprozesses: Erst das Zusammenspiel aus Bilderfassung, KI-Auswertung, Benachrichtigung und Anlagensteuerung ermöglicht die bedarfsgerechte Abschaltung.
Mehr Daten für einen gezielteren Betrieb
Zusätzlich berücksichtigt FlexiBird Umweltparameter wie Windgeschwindigkeit, Außentemperatur, Niederschlag oder Bedeckungsgrad. Diese Daten können mit den Vogelschutzabschaltungen verknüpft werden und liefern Betreibern zusätzliche Informationen über die Bedingungen zum jeweiligen Zeitpunkt.
Der Ansatz zeigt, wie sich Video- und KI-Technologie zunehmend auch außerhalb klassischer Sicherheitsanwendungen etabliert. Kameras dienen hier nicht der Perimeterüberwachung oder Gefahrenabwehr, sondern bilden die sensorische Grundlage für einen automatisierten Umwelt- und Anlagenprozess.
Für Windparkbetreiber liegt der Nutzen vor allem in der Kombination zweier bislang häufig gegenläufiger Anforderungen: Anlagen sollen möglichst lange produktiv bleiben, müssen bei bestimmten Ereignissen jedoch zuverlässig abgeschaltet werden. Eine automatische, ereignisbezogene Erkennung kann helfen, notwendige Stillstandszeiten genauer einzugrenzen und gleichzeitig die Einhaltung von Vorgaben zum Vogelschutz nachvollziehbar zu dokumentieren.
Bewirtschaftungsabschaltungen bei Mahd, Ernte oder Pflügen sind seit 2023 im deutschen Bundesnaturschutzgesetz als Maßnahme zum Vogelschutz an Windenergieanlagen verankert. Lösungen wie FlexiBird zeigen nun, wie sich diese Anforderungen mit Kamera-, KI- und Automatisierungstechnik in den laufenden Windparkbetrieb integrieren lassen.




